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Aus der Stadt Führungswechsel bei der Notfallseelsorge Hannover
Hannover Aus der Stadt Führungswechsel bei der Notfallseelsorge Hannover
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00:16 04.02.2018
Matthias Stalmann (l.) und Matthias Gottschlich sind die neuen Leiter der Notfallseelsorge bei der Feuerwehr Hannover. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Führungswechsel bei der Notfallseelsorge Hannover. Pastor Matthias Stalmann übernimmt den Posten des langjährigen Koordinators Reinhard Feders und koordiniert ab sofort gemeinsam mit Matthias Gottschlich die „erste Hilfe für die Seele“. Seit 19 Jahren ist die Notfallseelsorge in der niedersächsischen Landeshauptstadt aktiv, inzwischen ist sie ein fester Bestandteil bei Rettungs- und Feuerwehreinsätzen. „Wir bekommen es mit dem nackten Leben zu tun“, sagt Gottschlich, „mit all seinem Licht und den Schattenseiten.“

In den Fokus der Öffentlichkeit rücken Notfallseelsorger meist bei Großeinsätzen – doch sie leisten wesentlich mehr. „Das Klassische ist zum Beispiel der plötzliche Tod eines Angehörigen“, sagt Stalmann. Auch bei Suizidfällen sind die Ehrenamtler oft im Einsatz. Angehörige müssen getröstet und aufgefangen werden. „Wir geben ihnen Halt.“ Zuhören und da sein sind große Qualitäten, die Notfallseelsorger mitbringen müssen. In Hannover engagieren sich 15 ehrenamtliche Helfer in dem Bereich, Stalmann und Gottschlich sind die einzigen hauptamtlichen Akteure. Beide sind Theologen, Stalmann auf der evangelischen und der 60-jährige Gottschlich auf der katholischen Seite.

Früher „Psychokram“, heute etabliert

1999 nahm die Notfallseelsorge in Hannover ihre Arbeit auf, Pastoralreferent Gottschlich ist seit der ersten Minute dabei. Sein Leitungskollege Reinhard Feders kam 2006 dazu und wechselte nun in den Ruhestand. Mit Neuling Stalmann folgt aber kein Unerfahrener. Der 53-Jährige ist in dem Bereich bereits seit 1997 aktiv und wirkte im Raum Celle unter anderem beim schweren ICE-Unglück in Eschede mit. Außerdem arbeitete er sieben Jahre lang als Polizeiseelsorger. „Im Bewusstsein der Einsatzkräfte und der Öffentlichkeit hat sich seitdem viel getan“, sagt Stalmann. Früher wurde die Arbeit der Notfallseelsorger als „Psychokram“ abgetan. „Jetzt ist unsere Arbeit etabliert“, ergänzt Gottschlich erfreut.

Das schlägt sich auch in den Einsatzzahlen nieder. Wurden die Notfallseelsorger 1999 lediglich 56 Mal gerufen, waren es im vergangenen Jahr bereits 200 Fälle. Dabei spielt die Konfession gar keine Rolle – egal, ob Evangele, Katholik, Moslem oder gar Atheist. „Ich wurde noch nie weggeschickt“, sagt Stalmann. Das Angebot richte sich an alle Menschen in Not. Ein Notfallseelsorger habe laut Gottschlich und Stalmann gute Arbeit geleistet, „wenn man am Ende nicht die Sorge haben muss, dass unser Gegenüber nach unserem Verschwinden wieder kollabiert“.

Mehr Engagement der Kirche wünschenswert

Damit die Arbeit der Notfallseelsorger in einer großen Stadt wie Hannover funktioniert, haben die Helfer ein riesiges Netzwerk in alle Bereiche des täglichen Lebens. Überall gibt es Kooperationen, jeder hilft dem anderen. „Das ist ein deutlicher Unterschied zur Region“, sagt Stalmann, der zuvor viel in der Region aktiv war. Er sei begeistert von dem hohen Niveau, das es in Hannover gebe. Die Notfallseelsorge funktioniere. Deshalb möchte der 53-Jährige als Amtsnachfolger auch nichts von möglichen Änderungen hören. „Wir wollen die hervorragende Arbeit vielmehr fortführen und weiterentwickeln“, sagt er stattdessen.

In einem Punkt würde Stalmann dann aber künftig doch gerne nachbessern. Eine Baustelle für die kommenden Jahre soll sein, die Pastoren vor Ort wieder stärker einzubinden. „Ich tue mich schwer damit einzugestehen“, sagt Stalmann, „dass die Seelsorge nicht zu pastoralen Aufgaben gehören soll.“ Diese Kernkompetenz der Kirche würden sowohl Stalmann als auch Gottschlich gerne reaktivieren.

Von Peer Hellerling

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