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Fünf Jahre unschuldig im Gefängnis?

Vergewaltigungsprozess Fünf Jahre unschuldig im Gefängnis?

Einer der spektakulärsten Vergewaltigungsprozesse in Hannover muss wieder aufgerollt werden – weil einer der beiden Angeklagten möglicherweise unschuldig ist.

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Einer der wegen Vergewaltigung verurteilten Männer wurde laut Medienberichten bereits vor ein paar Tagen aus der Justizvollzugsanstalt Sehnde (Foto) entlassen. Er ist möglicherweise unschuldig.

Quelle: Rainer Dröse

Im Mai 2004 verurteilte das Landgericht den damals 38-jährigen Ralf Witte zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren und acht Monaten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sich, gemeinsam mit einem Bekannten aus Garbsen, mehrfach an dessen 15-jähriger Tochter Jennifer vergangen hatte.

Einem Bericht des Fernsehmagazins „Panorama“ zufolge wurde der ehemalige Üstra-Fahrer und Vater dreier Kinder bereits vor ein paar Tagen aus der Justizvollzugsanstalt Sehnde entlassen. Der Hamburger Jurist Johann Schwenn, Wittes neuer Rechtsanwalt, hatte die Wiederaufnahme des Verfahrens erreicht. Er geht davon aus, dass die Staatsanwaltschaft entlastendes Material zurückgehalten hat. Die Ermittlungsbehörde weist diesen Vorwurf zurück.

Im September 2004, vier Monate nach Ralf Wittes Verurteilung, hatte sich das Missbrauchsopfer erneut an die Staatsanwaltschaft gewandt. „Das Mädchen hat ausgesagt, dass sie bereits als Achtjährige von ihrem Vater vor laufender Kamera vergewaltigt worden sei“, sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker. In der Verhandlung gegen Ralf Witte hatte Jennifer jedoch angegeben, erst als 15-Jährige durch den Angeklagten entjungfert worden zu sein.

Für Rechtsanwalt Johann Schwenn, der bereits Radsportler Jan Ullrich, Ex-VW-Betriebsrat Klaus Volkert und DDR-Spionagechef Markus Wolf vertreten hat, ist dieser Widerspruch ein Beweis für die grundsätzliche Unglaubwürdigkeit des jungen Mädchens. Kathrin Söfker verweist dagegen auf die Aussagen von zwei Gutachtern während des Verfahrens gegen Ralf Witte: „Beide Experten waren zu dem Schluss gekommen, dass die Zeugin absolut glaubwürdig ist.“ Inzwischen hat das für die Wiederaufnahme zuständige Landgericht Lüneburg ein neues Gutachten erstellen lassen. Darin heißt es, es gäbe deutliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin.

Doch Rechtsanwalt Johann Schwenn geht noch einen Schritt weiter. Er bezeichnet die Vorgänge bei der Staatsanwaltschaft in dem Fernsehbeitrag als „Justizskandal“, weil die Behörde seiner Einschätzung zufolge die Ermittlungen nach den neuen Aussagen des Mädchens mehr als drei Jahre lang ruhen ließ. „Selbstverständlich haben wir versucht, den Wahrheitsgehalt der Angaben zu überprüfen“, widerspricht Staatsanwältin Söfker. Verdeckte Ermittler seien im Einsatz gewesen, um die von dem Mädchen beschriebenen Orte, an denen die Filmaufnahmen stattgefunden haben sollen, zu finden.

Zwei Personen, die von dem Mädchen als Mittäter beschrieben worden waren, konnten ebenfalls nicht ermittelt werden. „Immer wieder haben wir versucht, Kontakt mit der Zeugin aufzunehmen“, sagte Söfker. Drei Jahre lang sei dies der Behörde jedoch nicht gelungen. Mal habe Jennifers Anwältin den Ermittlern mitgeteilt, ihre Mandantin befände sich im Ausland. Mal hieß es, die Zeugin lebe unter einem falschen Namen in Hannover und sei deshalb nicht aufzufinden.

Erst im Januar 2008 ließ die Zeugin die Behörde wissen, dass sie in der Sache keine Angaben mehr mache wolle. Die Staatsanwaltschaft leitete deshalb ein Ermittlungsverfahren gegen die heute 20-Jährige wegen des Verdachts der Falschaussage ein. Es ist noch nicht abgeschlossen.

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