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Aus der Stadt Tour de France-Fahrer gehen auf den Hotdog-Kurs
Hannover Aus der Stadt Tour de France-Fahrer gehen auf den Hotdog-Kurs
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00:15 22.07.2016
Von Gunnar Menkens
Letzte Messungen im Wind: Claudia Lingner, Paul Lübow und Eduard Hoffer (von links) planen das Gerüst für Start und Ziel. Dienstag sprinten die Rad-Profis wieder durch Hannover. Quelle: Tim Schaarschmidt/Archiv
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Hannover

Über Nacht stand Stefanie Eichel vor einem Problem, wie sie manchmal auftauchen, wenn man glaubt, jetzt sei alles geschafft. Wahlplakate. Große Westermänner und kleine Motivplakate, eins neben dem anderen festgezurrt an Bäumen entlang dem Grünstreifen am Friedrichswall. „Das hat uns kalt erwischt“, sagt Eichel. Sie organisiert das Profi-Radrennen „Die neue Nacht von Hannover“, und ihr Problem ist: Das Rennen ist nächsten Dienstag. Drei Stunden lang rasen Fahrer um das Oval vorm Rathaus, und alles war so geplant, dass Zuschauer beide Seiten der Strecken einsehen können. Und nun: SPD, CDU, Grüne.

 "Die Nacht ist ein Wagnis"

Klar ist, dass die Reklame weg muss. Nicht klar war zunächst, mit wem darüber zu sprechen ist. Mit der Stadt? Oder jeder einzelnen Partei? Die Lösung fürs Erste: Mitarbeiter fotografieren jedes Plakat, damit jedes einzelne am Tag nach dem Rennen wieder an seinen Originalplatz zurückkommt. Am Dienstag kam dann Entwarnung. Die politische Reklame darf weg, schon aus Sicherheitsgründen, sagte ein Stadtsprecher.

Das überraschende Plakatproblem ist von denen, die Stefanie Eichel gewohnt ist. Ihre Agentur richtet auch den Hannover-Marathon aus, Überraschungen gehören da zum Geschäft. Mit dem Radrennen will sie eine Tradition aufleben lassen, die 2011 abbrach. Rennen führten um die Markthalle, später ums Opernhaus. Hannover sah prominente Fahrer wie Jan Ullrich, Erik Zabel und Mario Cipollini, deren Erfolge jedoch erhebliche Schattenseiten hatten. Zahlreiche Dopingenthüllungen später hatte der Radsport den Ruf wie heute Russlands Leichtathletik. Es wurde immer schwerer, Sponsoren zu finden. Stefanie Eichel ist selbst gespannt, wie das Ereignis mit deutschen Topfahrern angenommen wird. „Die Nacht ist ein Wagnis.“ Sie möchte nicht schätzen, wie viele Zuschauer wohl kommen. Das wieder aufgelegte Rennen hat einen Etat von 120 000 Euro, etwa ein Drittel, sagt Eichel, erhalten die Profis.

Im Hotel am Rathaus beherbergt Hausherr Kurt Lühmann etliche Teilnehmer. 25 der 40 Zimmer hat Eichels Agentur gebucht, nur ihren privaten Verbrauch zahlen die Athleten selbst. Lühmann hat am eigenen Leib gespürt, welche Strapazen sie mitunter erleiden, als er sich einmal auf den berühmten Gipfel Mont Ventoux quälte, aus Hobby. 21 Kilometer von Bedoin, 1900 Meter hoch, die Steigung dort beträgt im Schnitt über 7 Prozent. „Knapp drei Stunden habe ich gebraucht“, sagt Lühmann. Dienstag nimmt er seine Gäste in Empfang, unter ihnen fünf Fahrer, die erst am Sonntag die Frankreich-Fahrt beenden. Stefanie Eichel hat ihm schon gesagt, worauf er achten muss. „Die Fahrer sind mit ihrem Rad verheiratet und wollen es am liebsten aufs Zimmer nehmen.“ Alles schon erlebt, aber für die Räder gibt es gesicherte Räume im Rathaus. Ins Hotel, das geht nicht.

"Das ist ein Ziehharmonikakurs"

Gestartet wird auf Höhe des Rathauses, dann geht es ins Oval, immer den Friedrichswall hoch und runter. Hotdog-Kurs heißt so eine Streckenführung in der Szene. Jonas Bokeloh, Lokalmatador und Junioren-Weltmeister von 2014, beschrieb am Dienstag, was das bedeutet. „Das ist ein Ziehharmonikakurs, man sprintet auf Tempo 60 auf den Geraden und bremst vor den 180-Grad-Kurven stark ab.“ Da staucht sich das Feld, um beim Antritt wieder auseinanderzufallen. Er schätzt, dass das Feld für eine Runde wohl eine Minute benötigt. Bokeloh hofft, dass er unter den ersten zehn landet. Die Zuschauer können es direkt an der Strecke verfolgen. Was sie nicht unmittelbar erleben, überträgt TVN auf eine Großbildleinwand. Acht Kameras stehen am Kurs, die Bilder sollen in Livestreams zu sehen sein und Grundlage für die Vermarktung der Veranstaltung werden. Stefanie Eichel glaubt, dass das Rennen am Dienstag auch junges Publikum anzieht, Anlass vielleicht für eine „After-Work-Party“. Dazu gehören Buden, die Hotdogs in jeder Form verkaufen.

Dienstag warb sie noch einmal für die neue Nacht. Sie erwarte ein „außergewöhnliches Medienereignis, wie wir es in Hannover lange nicht mehr gesehen haben“. Mitstreiter Christian Leben, ein Ex-Profi, erinnerte an vergangene Rennen in der Stadt. „Es hatte in Fahrerkreisen immer einen ganz besonderen Stellenwert.“ Das Rathaus informiert rund 150 Flüchtlinge im Maritim am Friedrichswall, dass ein Rennen stattfindet. Es fallen ja Schüsse, Startschüsse.

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