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Aus der Stadt Fünfjähriger Vincent gewinnt Hochschulstipendium
Hannover Aus der Stadt Fünfjähriger Vincent gewinnt Hochschulstipendium
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12:51 02.12.2010
Der fünfährige Vincent, der ein Hochschulstipendium gewonnen hat, bekommt von Karl Müllers-Siebers, Präsident der Fachhochschule für die Wirtschaft Hannover, FHDW, ein Brennstoffzellen Modellauto. Quelle: Steiner
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Mit der Technik ist es ja bekanntlich so eine Sache, manchmal eben auch für gestandene Wissenschaftler. So ist an einem Abend in einem hell erleuchteten Seminarraum der privaten Fachhochschule für die Wirtschaft (FHDW) folgende Situation zu beobachten: Der Hochschulpräsident, ein Professor für Mechatronik und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter sitzen auf dem Boden und probieren in einem Selbstversuch mit Hochspannungsnetzteil, Wasser, Salz und Kupferteilen, Wasserstoff zu erzeugen – sie wollen damit ein Spielzeugauto in Gang bekommen.

Und während das Kupfer patiniert und die Flüssigkeit im Glas vor ihnen in eine grüne Brühe verwandelt statt, wie gewollt, in Wasser- und Sauerstoff zerlegt wird, stemmt Vincent Kahmann, fünf Jahre alt, die Hände in die Hüften und sagt: „Also fährt das Auto nun oder nicht?“

Vincent hatte bei der Abschlussveranstaltung des „Wissenschaftsmonats“, den die hannoverschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen im November ausgerichtet hatten, bei einer Tombola den ersten Preis gewonnen – einen Gutschein über ein Studium an der privaten Fachhochschule für Wirtschaft im Wert von 20 000 Euro. Den kann er zwar auch noch in 15 Jahren einlösen, aber für einen Fünfjährigen ist so ein in die Zukunft weisender Gewinn naturgemäß weniger aufregend. Deshalb entschied sich die Hochschule in der Bult jetzt, dem Jungen mit einem „kindgerechten Spielzeug“ die Wartezeit zu versüßen.

FHDW-Präsident Prof. Karl Müller-Siebers überreichte dem Jungen nach einem Rundgang in seinen mutmaßlich zukünftigen Lehrräumen den Bausatz für das Modellauto, das mit Brennstoffzellen betrieben wird. „Das ist die Zukunft der Automobilindustrie“, sagte Müller-Siebers und zwinkerte. Ein innovatives Spielzeug, das auch für ausgemachte Experten eine Herausforderung ist, wie sich herausstellte.

Der Hochschulpräsident hatte den Jungen schon bei der Abschlussveranstaltung der Wissenschaftler in sein Herz geschlossen. Dort war von Kindern und Jugendlichen – der eigentlichen Zielgruppe, die es für technisch-wissenschaftliche Berufe zu begeistern gilt – kaum etwas zu sehen. „Eigentlich kommen fast nur Rentner“, sagt Müller-Siebers im Rückblick.

Als nun Vincent auf die Bühne kam, seinen Preis entgegennahm und munter ins Mikrofon plauderte, mit seinen Eltern viele Veranstaltungen des „Wissenschaftsmonats“ besucht zu haben, dass er Technik mag und einen Gameboy erfinden wolle, der mit Solarenergie funktioniert, da war das an Symbolkraft kaum zu überbieten. „Wir hatten das große Glück, mit Vincent den Prototyp für unsere Sache auf der Bühne zu haben“, freut sich Müller-Siebers. „Das hat der Wissenschaft Charme und Wärme verliehen.“

Der Wissenschaftsbeauftragte der Stadt und Organisatorin Theda Minthe sollen bei Vincents kleinem, aber bedeutungsschweren Auftritt sogar Tränen in die Augen gestiegen sein. Dem Fünfjährigen prognostiziert Müller-Siebers, schon in zehn Jahren studieren zu können. Denn Vincent, der die erste Klasse der privaten „Kämmer International School“ besucht, in der schon von der ersten Klasse an bilingual unterrichtet wird, kann schon lesen und Matheaufgaben in Englisch lösen.

Doch ob er einmal Betriebswirtschaft, einen technischen oder wissenschaftlichen Beruf ergreifen möchte, das weiß er eben „noch nicht so genau“, wie er mit einem Schulterzucken sagte. Schließlich ist Vater René Kahmann Oberarzt am Nordstadtkrankenhaus und Spezialist in Sachen Handchirurgie, und wer weiß, ob sich Vincent da nicht eher für einen medizinischen Beruf begeistern lässt. Zumindest tüftelte Vincent ordentlich mit, als es galt, das Brennstoffzellenauto auf Touren zu bringen; er inspizierte die Zeichnungen auf der Bedienungsanleitung, steckte Kabel und schraubte die Fernbedienung zusammen.

Vermutlich hätte er es auch ohne große Hilfe geschafft, wenn im Bausatz nicht das destillierte Wasser gefehlt hätte. Das wiederum weckte den Ehrgeiz der großen Forscher. So lange, bis Vincent müde wurde und Präsident Müller-Siebers kurzerhand zum Baumarkt fuhr und das dringend benötigte destillierte Wasser kaufte.

Sonja Fröhlich

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