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Aus der Stadt Fury in the Slaughterhouse unelektrisiert im HCC
Hannover Aus der Stadt Fury in the Slaughterhouse unelektrisiert im HCC
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11:45 02.11.2017
Mit den Akustik-Klängen schaffen die Musiker eine ganz ungewohnte familiäre Atmosphäre im Kuppelsaal.  Quelle: Rainer Droese
Hannover

Viele Dinge, an denen Kabel mit Steckern baumeln, funktionieren ohne Strom nicht so gut. Ein Mixer mixt ohne Kontakt zur Steckdose nicht, ein Staubsauger saugt nicht. In der Musik hingegen gelten sogenannte Unplugged-Konzerte als Geheimrezept, um Altbekanntes nochmals sentimental schimmern zu lassen. Aus der Distanz lässt sich manches reflektiert und differenziert betrachten, warm arrangiert und ungewöhnlich instrumentiert. Wenn alles gut geht, verleiht die Entschleunigung Ruhe und Tiefe. Wenn nicht, drohen Betulichkeit und Kitsch.

Kuppelsaal schafft familiäre Atmosphäre

Die hannoverschen Indie-Pioniere von Fury In The Slaughterhouse lassen sich im Rahmen ihrer Feierlichkeiten zum 30-jährigen Jubiläum auf das naheliegende Wagnis ein. Vor zwei Monaten erschien das Akustik-Album „Little Big World“, das die Band im Hamburger Club Grünspan aufnahm. Auf der folgenden Tournee gastiert sie für zwei Abende in Hannover. Bei den letzten Konzerten in der Heimat übertraf der Andrang alle Erwartungen: An drei Abenden pilgerten im März insgesamt 35000 Fans in die TUI-Arena. Passend zu den leiseren Arrangements ist das Ambiente diesmal intimer, fast schon feierlich.

Der Kuppelsaal ist zwar ausverkauft, aber die 2300 Besucher wirken im Gegensatz zu den Massen bei den zurückliegenden Großereignissen eher familiär. Der Eindruck lässt sich bei einem Fury-Auftritt in Hannover ohnehin nicht vermeiden: Die Musiker sind immer noch Nachbarn und Mitbürger, man ist mit ihnen älter geworden, ihre Songs haben Lebensgefühl mitgeprägt. Mit vier Millionen verkauften Alben und über 1000 weltweiten Konzerten war Fury In The Slaughterhouse einst wesentlicher Teil der kulturellen Außenwirkung Hannovers. Da lassen die sanfteren, innigeren Versionen der alten Hits schon fast an Hausmusik in der guten Stube denken.

Im Kuppelsaal des HCC begeisterten Fury in the Slaughterhouse am Mittwochabend ihr Publikum. 

Die Stube ist indes fast zu gut: Der bestuhlte Kuppelsaal eignet sich in seiner edlen Schlichtheit wohl besser für klassische Konzerte als für entspannte Indie-Evergreens. Furys Songs ließen sich schon immer gut auf bequemen Sofas hören, auf dem Rücken im Gras liegend, beim Autofahren oder auf Gartenpartys. Andererseits hilft das konzentrierte Sitzen, den feinsinnigen Arrangements des Münsteraner Produzenten Jan Löchel nachzuspüren – wie auch dem handwerklich hohen Niveau der Musiker. Die haben in den vergangenen 30 Jahren ihre große stilistische Vielfalt noch erweitert, haben solo Erfahrungen jenseits von Rock und Pop gesammelt.

So klingen Hits wie „Radio Orchid“, “Milk And Honey”, “Won’t Forget These Days” oder „Time To Wonder” zugleich vertraut und frisch. Sie profitieren von Einflüssen aus Folk, Country, Swing oder Chanson, von Klarinette, Harmonium, Violine und Trompete – und einer damit eng verbundenen Spielfreude. Dass diese Lebendigkeit oft mit Melancholie einhergeht, liegt in der Natur der Kompositionen. Furys Songs vermochten schon immer, Weltschmerz, Zweifel, Trost und Trotz zu einer eigentümlichen Mischung zu verschmelzen, ohne dabei ins Schnulzige abzurutschen. Das funktioniert ohne Strom fast noch besser – und ist geradezu elektrisierend manchmal.

Von Thomas Kaestle

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