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Aus der Stadt In die Fremde – aber nicht so lange
Hannover Aus der Stadt In die Fremde – aber nicht so lange
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00:17 22.01.2016
Im Freizeitheim Vahrenwald stellen Austausch-Veranstalter ihre Programme vor.  Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Die ersten deutschen Schüler haben 1948 ein Jahr in den USA verbracht – mittlerweile gehen jährlich rund 23.000 junge Menschen für ein Highschool-Jahr nach Amerika, Neuseeland, Australien, Kanada oder Großbritannien. Die Verkürzung der Oberstufe auf zwei Jahre hat die Reiselust der Jugendlichen allerdings in den vergangenen Jahren etwas gebremst. Viele waren verunsichert, ob sie das Auslandsjahr nach der 9. oder nach der 10. Klasse absolvieren sollten.

Mittlerweile ist der jetzige 9. Jahrgang der letzte, der das Abitur nach zwölf Jahren ablegt. Und die Lust auf eine Horizonterweiterung ist ordentlich gestiegen – allerdings wollen die Schüler nur für vier oder sechs Monate ins Ausland, um dann die zweite Hälfte der zehnten Klasse wieder in Deutschland zu absolvieren. Denn wenn sie ein Jahr lang in Amerika oder England zur Schule gehen, müssen sie in der Regel die 10. Klasse wiederholen und danach noch drei statt wie bisher zwei Jahre Oberstufe für den G  9-Abschluss dranhängen.

„Aus diesem Grund haben wir in diesem Jahr eine besonders große Nachfrage nach kürzeren Auslandsaufenthalten“, erklärt Ingrid Friebel von der Austauschorganisation Stepin, die mit vielen anderen am Wochenende ihr Programm während einer kleinen Messe im Freizeitheim Vahrenwald präsentiert hat. „Die Schüler scheuen sich, dann zwei Jahre länger zu machen und nutzen die kürzeren Angebote“, sagt Friebel. Auch an den Ständen der Kollegen interessieren sich Neuntklässler vorrangig für Aufenthalte zwischen August und Januar.

Die Koordinatorin an der Ricarda-Huch-Schule hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Wegen des Wechsels zu G 9 entscheidet sich kaum noch ein Schüler für ein ganzes Jahr, alle wollen nur sechs Monate wegbleiben.“ An der Wilhelm-Raabe-Schule indes wählen immer noch viele Schüler den Jahresbesuch im Ausland. „Allerdings sind das Schüler, die nach der 10. Klasse gehen, die müssen dann nur ein Jahr länger zur Schule“, sagt eine Mitarbeiterin. Schulleiterin Beate Günther von der Schillerschule verzeichnet beide Trends. „Viele gehen Anfang der 10. Klasse für sechs Monate weg, andere nach der 10. Klasse für ein ganzes Jahr.“ Grundsätzlich unterschreibe sie seit Jahren etliche Anträge für einen Auslandsaufenthalt, immer mehr Jugendliche zieht es während der Schulzeit in die Ferne. „Die Kinder sind heute viel mobiler als früher, und ein Auslandsaufenthalt ist immer eine bereichernde Erfahrung.“

Auf der kleinen Messe in Vahrenwald drängen sich Jugendliche mit ihren Eltern um die Stände. Die Nachfrage in diesem Jahr sei gewaltig, sagen die Mitarbeiterinnen der Organisationen Xplore und Kaplan – nur zwei von rund 80 Anbietern für die Auslandserfahrung. Viele Jugendliche würden sich auch nur für einen sogenannten Term, also drei Monate, interessieren. Und auch Sprachreisen in den Sommerferien seien immer stärker nachgefragt. „Bei allem sind USA, Kanada und Großbritannien am beliebtesten.“     

Es geht auch ohne ein Jahr zu wiederholen

Als G 8-Schüler gibt es mehrere Möglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt: Abhängig von dem Zeitpunkt des Schüleraustausches kann der Schüler nach der Rückkehr in den alten Jahrgang zurückkehren oder das im Ausland verbrachte Jahr wiederholen. Für besonders leistungsstarke Schüler gibt es in Niedersachsen auch Ausnahmen, da diese auf Antrag auch während der Qualifikationsphase (derzeit noch Klasse 11) einen Schüleraustausch machen können. Wer nach Rückkehr aus dem Schüleraustausch wieder in den alten Jahrgang zurückkehren möchte, sollte den Austausch während der 10. Klasse, also der Einführungsphase, machen. Damit ein Schüler jedoch später in die 11. Klasse aufrücken kann, muss die Klassenkonferenz am Ende der 9. Klasse beschließen, dass er die 10. Klasse überspringen darf. Hierfür sind in der Regel gute Leistungen Voraussetzung.

Besonders leistungsstarke Schüler können in Niedersachsen auch im 2. Halbjahr der 10. Klasse, im 1. Halbjahr der 11. Klasse, sowie bei einem halbjährigen Schüleraustausch auch im 2. Halbjahr der 11. Klasse ins Ausland gehen und sich die dort erbrachten Leistungen anrechnen lassen. Jedoch wird zuvor geprüft, ob diese Leistungen gleichwertig mit den deutschen sind. Sollten die beiden Möglichkeiten zum Überspringen eines Schuljahres nicht geeignet sein, kann man ein Schuljahr zwischen der 10. und 11. Klasse einschieben, oder ein Halbjahr in Jahrgang 10. Mit diesen Varianten machen die Jugendlichen ihr Abitur dann nach 13 beziehungsweise 12 Jahren. 
     

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