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Ganztagsschule als Hort-Ersatz?

Skepsis bei Lehrern und Eltern Ganztagsschule als Hort-Ersatz?

Es regen sich Unmut und Skepsis - aber Eltern, Erzieher und Lehrer wollen zunächst abwarten, was es mit der jüngsten Ankündigung der Stadtverwaltung auf sich hat, Horte mit Ganztagsschulen zusammenzuführen.

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Hortleiterin Anja Schumacher-Antonijevic mit Rosa (v. l.), Nora, Justine und einer weiteren Nora in der GS Mengendamm.

Quelle: Kathrin Kutter

Hannover. „Das Ganztagsangebot müsste deutlich verbessert werden, um Horte zu ersetzen“, sagt Georg Weil, Sprecher des Kita-Stadt­elternrats. Er erinnert an das Versprechen von ­Ex-OB Stephan Weil (SPD), dass es auch in 20 Jahren noch Horte geben werde. „So schnell entscheidet man sich also um.“

Auch Anja Schumacher-Antonijevic, Leiterin des Hortes Mengendamm, hat Bedenken. „Im Hort sind Fachkräfte beschäftigt, die ihren Beruf über Jahre gelernt oder sogar studiert haben“, sagt sie. Im Ganztagsprogramm der Schulen setze die Stadt zum Teil ungelernte Hilfskräfte und Vereinstrainer ein. Zudem sei die Fluktuation der Mitarbeiter groß, im Hort gebe es feste Ansprechpartner. „Das ist insbesondere für die ganz jungen Schulkinder wichtig“, sagt die Hortleiterin. Der Leiter der Lindener Grundschule Salzmannstraße, Hinrich Netzel, hält zwar eine engere Kooperation zwischen Schulen und Horten für bedenkenswert, doch fragt er sich, wie die Stadt am Ende Geld sparen will.

Ersparnisse sollen in Umbau von Grundschulen fließen

Tatsächlich hatte Kämmerer Marc Hansmann (SPD) die Fusion von Horten und Ganztagsschulen damit begründet, dass künftig nicht mehr zwei parallele Betreuungssysteme unterhalten werden müssen. 10 Millionen Euro sollen dabei gespart werden, das Geld bleibe aber „im System“, wie Hansmann in seiner Haushaltsrede betonte. Das bedeutet, dass Ersparnisse beim Umzug der Horte in die Schulen nicht in den großen Haushaltstopf fließen, sie finanzieren vielmehr den Ausbau der Grundschulen zu Ganztagsbetrieben. Zwar kündigt Hansmann an, auch die Horterzieher in den Ganztagsbetrieb einzubinden, doch am Ende dürfte es auf die eine oder andere Personaleinsparung hinauslaufen.

„Letztlich scheint es also darum zu gehen, mit weniger Ressourcen bei der Nachmittagsbetreuung auszukommen“, vermutet Schulleiter Netzel. Seine Schule ist noch eine klassische Halbtagsschule mit Unterricht von 8 bis 13 Uhr. In mehreren Horten innerhalb und außerhalb der Grundschule sind 80 Schüler untergebracht. „Das funktioniert insgesamt sehr gut“, sagt Netzel. Daher hält sich sein Interesse, die Schule zum Ganztagsbetrieb auszubauen, in Grenzen.

Wahlfreiheit berücksichtigen

Anfreunden kann er sich aber mit dem Konzept einer „gebundenen Ganztagsschule“. Es beinhaltet einen verpflichtenden Nachmittagsunterricht für alle Kinder. Erzieher und zusätzliche Lehrer wären in das Nachmittagsprogramm eingebunden. Das Modell kostet aber viel Geld und benötigt zusätzliche Förderungen aus der Landeskasse, die bisher verwehrt wurden. Daher hat sich die Verwaltung mit der „offenen Ganztagsschule“ beholfen, deren Nachmittagsangebote freiwillig sind.

Die CDU im Rat bricht eine Lanze für Horte. „Eine schleichende Abschaffung werden wir nicht akzeptieren“, sagt CDU-Jugendpolitiker Lars Pohl. Man müsse die Wahlfreiheit der Eltern berücksichtigen und ein vielfältiges Angebot bereithalten.

Von Andreas Schinkel und Jutta Rinas

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Die Stadt Hannover will sich in den kommenden Jahren von der Hortbetreuung verabschieden. Die Horte, die zum Teil noch außerhalb der Grundschulen angesiedelt sind, sollen Schritt für Schritt in Ganztagsschulen „integriert“ werden, wie Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) sagt.

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