Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Gartenfriedhof wird generalüberholt
Hannover Aus der Stadt Gartenfriedhof wird generalüberholt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:37 23.01.2013
Von Conrad von Meding
„Spätbarocke und stilrein klassizistische Begräbnisskulpturen“ finden sich auf dem Friedhof im Warmbüchenviertel. Quelle: von Ditfurth
Hannover

Die städtische Grünflächenchefin Karin van Schwartzenberg hat in einer Informationsveranstaltung umfangreiche Zusagen zur Aufwertung des Kulturparks gemacht. Gemeinsam mit der hannoverschen Wenger-Stiftung, Patenschaften und Bürgerspenden soll ein deutlicher sechsstelliger Betrag investiert werden, um dem Park seine Würde zurückzugeben. Die Grünfläche war zuletzt vor allem wegen Trinkergruppen ins Gerede gekommen. Das eigentliche Problem aber, wie mit Alkoholkonsum und Dauertreffen auf dem Totenfeld umzugehen ist, bleibt ein Politikum. Bei der rot-grünen Mehrheit, auch das wurde während der Veranstaltung klar, gibt es wenig Neigung, den Friedhofspark rechtlich von einer allgemeinen Grünfläche zu einem Sondergebiet hochzustufen, wie es etwa im Großen Garten oder Maschpark der Fall ist.

Denkmalexperten kommen ins Schwärmen, wenn sie vom Gartenfriedhof sprechen. 410 größtenteils „spätbarocke und stilrein klassizistische Begräbnisskulpturen“ seien vorhanden, sagt Gartendenkmalexperte Andreas von Hoeren und spricht von einer „Anlage, die im weiteren Umfeld ihresgleichen sucht“. Der Südniedersachse hat für die städtische Grünverwaltung ein umfangreiches Gutachten zum Friedhofspark erarbeitet mit etlichen Empfehlungen, wie die „Qualität dieses besonderen Ortes“ wieder herausgehoben werden kann. Er hat die Geschichte des Friedhofs, auf dem nahezu alle bedeutenden Familien Hannovers Grabstätten haben, mithilfe von Karten und historischen Quellen seit dem frühen 18. Jahrhundert aufgearbeitet, „wie ein großer Checkup beim Arzt“, sagt er.

Sein Fazit: Der Friedhof sei „ein Kleinod“, der trotz einiger „gestaltender Eingriffe“ im vorigen Jahrhundert seine Grundstruktur erhalten habe. Seine Empfehlung:

  • Mehr Licht: Bäume schneiden, damit wieder mehr Sonne in die Anlage fällt, Rasen wächst und auch die Grabsteine nach Regen besser trocknen;
  • Mehr Ruhe: Zugänge verschmalern, damit der „befriedete Raum“ als solcher erkennbar wird und etwa Radfahrer nicht hindurchrasen; den Zugang im Südwesten ganz sperren, zur Marienstraße Büsche als Lärm- und Sichtschutz pflanzen;
  • Mehr Schönheit: Mit Fliederbüschen und Schneeglöckchen für Farbtupfer sorgen; Steinkanten und die alte Wege- und Platzstruktur wieder aufarbeiten, um „Solitäre wie das sagenumwobene geöffnete Grab“ wieder herauszustellen.

Die Überraschung des Nachmittags: Die Stadt will dafür viel Geld investieren. Van Schwartzenberg spricht davon, dass zusätzlich zu den 125.000 Euro für die Spielplatzaufwertung im Park etwa 150.000 Euro für Wege, Pflanzen und die notwendigsten Grabsteinrettungen nötig seien. 50000 Euro davon könne die Stadt, verteilt über drei Jahre, investieren - das gab Applaus. 50.000 Euro gibt die Wenger-Stiftung, Vorstandsmitglied Peter Königfeld versprach gestern sogar weitere Zuschüsse. Auch Dieter Zinßer vom Bürgerverein Renaissance Gartenfriedhof, der den Park mit viel Beharrlichkeit wieder ins öffentliche Bewusstsein zurückgeholt hat und bereits zwölf Patenschaften für Gräber organisiert hat, versprach finanzielle Unterstützung.

Besonderen Applaus erhielt ein Mann aus der umstrittenen Nutzergruppe, der aufstand und zusagte: „Wir wollen versuchen, den Park so sauber wie möglich zu halten.“ Er selbst wolle auf seine Kumpels, überwiegend Mitglieder der Methadonszene, beruhigend einwirken - mit ihnen Müll einsammeln. „Und wer sich nicht dran hält, den verweisen wir“, sagte er - was Karin van Schwartzenberg zu dem dezenten Hinweis verleitete, nur die Stadt habe das Hausrecht. Und Bezirksbürgermeisterin Anne Bonfert (Grüne) betonte, dass keine Nutzergruppe aus der öffentlichen Grünfläche verdrängt werden dürfe. „Es ist hier im Viertel die einzige - hier lernen Kinder Fahrradfahren, hier darf man Ballspielen und sich unbegrenzt aufhalten.“ Auch das gab Applaus.

Bei aller Harmonie war Hannovers Denkmalpfleger Jörg Maaß der einzige, der den Finger in die Wunde legte. Es handele sich nicht um eine beliebige Grünfläche, sondern um einen Friedhof, auch wenn dieser nicht mehr genutzt werde. Pietät und Moral verlangten, mit solch einer Fläche anders umzugehen. Beim Renaissance-Verein stößt das auf große Zustimmung: Er fordert, eine Sondersatzung für den Friedhofspark zu erlassen, die zum Beispiel Alkoholkonsum verbietet. Darüber soll nun die Kommunalpolitik diskutieren.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Zahl der Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr steigt stetig. Nun wollen alle Akteure ihre Zusammenarbeit verbessern, um noch mehr Passagiere zu gewinnen.

Bernd Haase 26.01.2013

Im ehrwürdigen Gebäude der hannoverschen Börse beobachtet man mit Missfallen, dass die benachbarte Oper das geplante Toilettenhaus im Opernpark verhindern will.

Conrad von Meding 23.01.2013

Starb der Ehemann und Vater, weil Ärzte im Henriettenstift pfuschten? Die Angehörigen wollen Klarheit – und Schadensersatz.

Michael Zgoll 23.01.2013