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Gastronomischer Erlebnispark in Hannover eröffnet

Kulinarische Mischung Gastronomischer Erlebnispark in Hannover eröffnet

Im Reich der Riesenrestaurants: Im Westen Hannovers an der Bundesstraße 6 ist eine Art gastronomischer Erlebnispark entstanden. Ein Besuch in Bayern, am Mittelmeer und in der Karibik.

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Urig und alpenländisch: In der Bavaria Alm gibt es dunkles Holz, warmes Licht, zünftiges Essen und frisch gezapftes Bier – fast wie in der bayerischen Skihütte. 

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Einmal auf der Bundesstraße 6 falsch eingeordnet, und man ist dran vorbeigefahren. Dann bleibt der neue, auf mediterran getrimmte Gastronomietempel an Hannovers westlicher Stadtgrenze erst einmal links liegen. Wenden ist wieder hinter der Autobahn möglich, in Garbsen. Und trotzdem ist der Parkplatz vor der Finca & Bar Celona an der Garbsener Landstraße abends meistens voll. Und voll bedeutet hier etwa hundert Autos. Die Gäste wissen also bereits, wo sie abbiegen müssen.

Dabei hat diese Riesenmischung aus Café, Kneipe, Bar und Restaurant für bis zu tausend Hungrige und Durstige erst seit ein paar Wochen geöffnet. Ein paar Hundert Meter weiter, in Garbsen, hätten Falschabbieger zudem Alternativen gefunden. Nebeneinander, verbunden durch einen noch größeren Parkplatz als an der Finca, buhlen bereits seit 2007 zwei Riesenrestaurants um Kunden. 430 Gäste finden in und an der Bavaria Alm Platz, 450 im Cafe Del Sol. An der B6 ist eine Art gastronomischer Erlebnispark entstanden. Besucher haben die Wahl zwischen den Themenbereichen Mittelmeer, Bayern, sowie Karibik, Süd- und Mittelamerika. Von Konkurrenz ist keine Rede. Sebastian Hirsch von der Bar Celona-Betreibergesellschaft benutzt stattdessen den Begriff der „Mitbewerber, die das Geschäft beleben“.

Die Betreibergesellschaft Celona Gastro, die bereits zwei weitaus kleinere Bar Celonas in der hannoverschen Innenstadt betreibt, hat für die Finca eine alte Scheune mit einem Wohnhaus verbunden. Drinnen werden die Gäste auf zwei Etagen bewirtet. Es gibt eine große Theke, eine Terrasse, eine offene Küche, eine Spielecke, einen Spielplatz und zwei abtrennbare Seminarräume. Täglich wird das Frühstücks- vom Mittagsbüfett abgelöst, das wiederum in die Kuchenzeit übergeht. Dann ist schon wieder Abendessen. Den Abschluss bildet die Cocktail-Happy-Hour. „Wir haben durch die Bank alles“, sagt Hirsch. Er ist Assistent der Geschäftsführung des Oldenburger Unternehmens und beobachtet die ersten Tage des Betriebs. 3,5 Millionen Euro hat die Firma alles in allem investiert.

Alles zu haben verlangt nach viel Platz. Und genau deswegen schaut der Havelser Kegelverein „Ohne Ernst“ zum Erstbesuch in die Bar Celona. Wichtigster Wunsch: „Dass wir an einem Tisch sitzen dürfen“, sagt Karin Withus. Für zwölf Vereinsmitglieder hat sie im Vorfeld reserviert. Woanders sei das nicht immer so einfach. Umso sorgenvoller zählt sie die Anzahl der reservierten Plätze nach. Bei zehn ist Schluss. Auch Kegelbruder Reiner Krüger ist erst mal skeptisch. „Mir ist es eindeutig zu laut“, ruft er durch das phonstarke Stimmengewirr und die Hintergrundmusik.

„Es muss sich noch einspielen“, sagt Manager Hirsch entschuldigend. 120 Mitarbeiter wurden eingestellt. Da fehlt es manchmal noch ein bisschen an der Feinjustierung. Für den Fall, dass es mal richtig voll wird, also tausend Plätze besetzt sind, wird derzeit auf der Terrasse noch ein Selbstbedienungsstand aufgebaut. Sonst sei die Masse der Bestellungen für das Personal kaum zu stemmen, sagt Hirsch. Es haben schließlich nicht immer alle 120 Mitarbeiter Dienst.

Gaby Traue und Martina Michla sind bereits überzeugt vom Konzept. Zwischen ihnen steht eine Flasche Weißwein in einem mit Eiswürfeln gefüllten Kühler. „Ich liebe das Mediterrane“, sagt Traue. „Ich war bestimmt schon zehnmal auf Mallorca.“ Beide wohnen um die Ecke in Stöcken.

Überhaupt kommen die meisten Gäste aus der direkten Umgebung. Auch auf dem Gemeinschaftsparkplatz der beiden Großrestaurants einige Hundert Meter weiter nördlich auf Garbsener Seite, zwischen Bavaria Alm und Cafe Del Sol, dominieren trotz der Nähe zu den Fernstraßen die Autokennzeichen mit dem „H“.

Ingo Becken und seine Partnerin aus Gehrden sind vergleichsweise weit gereist, um genau dort einzukehren. Sie beschließen eine Woche Nordseeurlaub bei Brathendl und Rippchen in der Bavaria Alm. Das Durchschnittsalter der Gäste ist hier etwas höher, die Lautstärke deutlich geringer, das Ambiente ein wenig uriger. In der Mitte sorgt ein Kamin für optische und gefühlte Wärme. Am Wochenende tragen die Bedienungen Dirndl. „Wir genießen die Atmosphäre“, sagt der 70-Jährige. Und die Beständigkeit. „Wir haben hier noch nie schlecht gegessen.“ Deswegen kehrt das Paar auch regelmäßig in der Alm-Filiale in Torfhaus im Harz ein. „Da ist jeder Nagel gleich“, sagt Becken.

Und so wollen es die Betreiber auch haben. Jede Bavaria Alm – fünf gibt es in Deutschland – hat eine Deckenhöhe von acht Metern, in allen 23 deutschen Filialen des Nachbarn Cafe Del Sol können die Gäste neun Meter in die Höhe blicken. „Architektur als Corporate Identity“ nennt die Betreiberfirma das. Beide Ketten werden von der Firma Gastro & Soul aus Hildesheim verwaltet. In Garbsen hat das Unternehmen sich selbst eine Konkurrenzsituation geschaffen. Silke Knopf von Gastro & Soul sieht das natürlich anders: „Die beiden ergänzen sich“, glaubt sie. Viele Gäste speisten in der Alm, zum anschließenden Cocktail wechselten sie dann ins Cafe Del Sol. „Auch zwischen den Belegschaften gilt im Notfall, wenn es logistisch brennt, das Prinzip der Nachbarschaftshilfe“, sagt Marcel Heinrich, Schichtleiter im Cafe Del Sol. Wenn Schnitzeltag ist, bringen er und seine Kollegen bis zu 800 Essen an einem Abend an die Tische.

Als „Fullservice-Freestander-Restaurants“ bezeichnet das Gastronomieunternehmen die überall gleichen Bauten. Übersetzt bedeutet dies: Frei stehend müssen die Restaurants sein und alle Wünsche bedienen. Außerdem sollen sie verkehrsgünstig und generell in der Nähe von Autobahnen gelegen sein. „Im Zentrum lässt sich unser Konzept schwer umsetzen“, sagt Silke Knopf von Gastro & Soul. Kein Wunder bei 5000 Quadratmetern, die das Unternehmen pro Restaurant veranschlagt. Trotzdem muss man zweimal abbiegen, bis man auf den Garbsener Parkplatz einschert. Der direkte Zugang von der B 6 fehlt ebenso wie eine Ausschilderung. Aber wer auf der Bundesstraße in Richtung Hannover die Abbiegung verpasst, findet ja wiederum einige Hundert Meter weiter den nächsten gastronomischen Erlebnispark.

Sebastian Harfst

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