Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Gedenken zum Antikriegstag am Ehrenfriedhof
Hannover Aus der Stadt Gedenken zum Antikriegstag am Ehrenfriedhof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:35 04.09.2015
Von Simon Benne
Bürgermeister Thomas Hermann (SPD) spricht vor Gästen auf dem Ehrenfriedhof. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Dabei stand diesmal ein Eklat zu erwarten: Pazifisten der „Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner“ (DFG-VK) hatten gedroht, die Veranstaltung zu verlassen, wenn der ehemalige Berufssoldat und CDU-Bundestagsabgeordnete Wilfried Lorenz als Redner für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sprechen sollte. Am Ende aber sprach Lorenz - und niemand verließ den Ehrenfriedhof, auf dem 386 Zwangsarbeiter aus der NS-Zeit ruhen.

„Nach Gesprächen mit der IG Metall haben wir entschieden, dass bei dieser Veranstaltung die Opfer im Vordergrund stehen sollen - wir wollten an diesem Ort keinen Eklat“, sagt Klaus Falk, Sprecher der DFG-VK. Also sprach Lorenz, während die konfliktfähigen Friedensfreunde ihm mit Flaggen und Transparenten zuhörten.

Zuvor hatte schon Pia Pachauer von der IG Metall an den deutschen Angriff auf Polen vom 1. September 1939 erinnert. „Es ist Satzungsziel der ­IG Metall, eine Welt ohne Krieg zu errichten“, sagte sie. Bürgermeister Thomas Hermann erinnerte an den aktuellen Konflikt in der Ukraine. Und dann kam Lorenz. Er erinnerte daran, dass die Alliierten den Maschsee-Ehrenfriedhof am 16. Oktober 1945 mit militärischem Zeremoniell eingeweiht hatten: „Es waren Soldaten, die Deutschland von der Nazi-Diktatur befreit haben - unter Einsatz ihres Lebens.“ Die Staatengemeinschaft dürfe Völkermorden nicht tatenlos zusehen, erklärte er.

Beifall von den Pazifisten bekam er dafür nicht: „Lorenz hält an militärischen Optionen fest“, kritisierte Klaus Falk. Der Volksbund werde von der Bundeswehr unterstützt, monierte Hartwig Müller-Reiß-Wiek von der DFG-VK. Lorenz hatte den Volksbund in seiner Rede als „eine große, auf Frieden und Versöhnung ausgerichtete Bürgerinitiative mit fast 100-jähriger Tradition“ bezeichnet. Und die DFG-VK, erklärte der CDU-Politiker am Rande der Veranstaltung, sei früher als kommunistische Gruppe von der Stasi unterstützt worden. Bei dem Zwist prallen zwei politische Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Am Ende ließen Jugendliche von der IG Metall und Jugendliche aus einem internationalen Workcamp des Volksbundes weiße Luftballons in den Himmel steigen. An jedem hing der Name eines Opfers vom Maschsee-Ehrenfriedhof. Und viele Besucher zogen mit ihren Regenschirmen weiter, hinüber zur Aegidienkirche. Zur Gedenkveranstaltung des DGB.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Einfach aufs Rad schwingen und ohne große Anstrengung zum Ziel gelangen – dieses Angebot macht die Stadt jetzt allen Hannoveranern. Kostenlos können sich Bürger ab sofort in der Osterstraße 42, der Rundestraße 16 und in der Herrenstraße 6 Elektrofahrräder, die sogenannten Pedelecs, ausleihen.

Andreas Schinkel 04.09.2015

Flüchtlingsheime in Hannover können sich vor Spenden aus der Bevölkerung nicht retten. Eine Welle der Hilfsbereitschaft erreichte die Unterkünfte nach einem Aufruf in der HAZ. Was nun noch fehlt, sind Räume und Mitarbeiter, um die Zuwendungen zu sortieren und zu lagern.

Gunnar Menkens 02.09.2015

Was wünschen sich Menschen, die als Flüchtlinge nach Hannover gekommen sind? Ehrenamtliche Helfer haben die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Ahlem gefragt und eine Liste ins Netz gestellt. Wer will, kann dort die Wünsche einsehen - und in Erfüllung gehen lassen.

04.09.2015