Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Gedenktafel erinnert an jüdischen Direktor

Kestnergesellschaft Gedenktafel erinnert an jüdischen Direktor

Noch in der NS-Zeit stellte er moderne Künstler aus, dann musste er aus Deutschland fliehen. An der Kestnergesellschaft erinnert jetzt eine Gedenktafel an den jüdischen Direktor Justus Bier. Ministerpräsident Stephan Weil enthüllte diese - und brach eine Lanze für die Unbeugsamkeit der Kunst.

Voriger Artikel
City-Ampeln stehen am Wochenende länger auf Grün
Nächster Artikel
25 Advents-Geschichten für guten Zweck

Uwe Reuter und Stephan Weil enthüllten an der Goseriede die Gedenktafel für Justus Bier

Quelle: Körner

Hannover. Er war den Nazis gleich zweifach verhasst - als Jude und als Ausstellungsmacher, der moderne Kunst förderte. Hitler war schon lange an der Macht, da organisierte der Kunsthistoriker Justus Bier als künstlerischer Leiter der Kestnergesellschaft noch Ausstellungen von Paula Modersohn-Becker und August Macke. Noch 1936 waren dort Werke von Franz Marc zu sehen. "Er war ein Forscher, neugierig, präzise, ein Kunsthistoriker par excellence", sagt Biers Amtsnachfolgerin Christina Végh.

Jetzt erinnert an der Kestnergesellschaft eine Gedenktafel an Justus Bier - und an ein bemerkenswertes Zeugnis der Zivilcourage: Da die Kestnergesellschaft sich damals weigerte, ihren jüdischen Direktor zu entlassen, wurde sie 1936 von der Reichskammer der bildenden Künste geschlossen. "Wenn die Kestnergesellschaft Grund hat, stolz zu sein, hängt das auch damit zusammen, dass sie damals eher die eigene Existenz aufs Spiel setzte als sich anzupassen", sagte Ministerpräsident Stephan Weil, der die Gedenktafel enthüllte.

Weil gratulierte der Kestnergesellschaft, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert - sie zähle "zu den Glanzpunkten des Kulturangebots in Hannover", erklärte er bei einem kleinen Festakt. Das Beispiel von Justus Bier lehre, dass die Kunst frei sein müsse: "Sie darf sich nicht beugen", sagte Weil. Im Anschluss an die Feier stand ein Konzert in der Villa Seligmann auf dem Programm: Der jüdische Musikprofessor Andor Izsàk und die Pianistin Erika Lux spielten Stücke von Komponisten, die in der NS-Zeit verfemt waren.

Justus Bier emigrierte 1937 in die USA, wo er eine Professur in Kentucky übernahm. Er starb 1990 in North Carolina als angesehener Kunsthistoriker. Sein Wirken erwies sich für Hannover auch über seine Flucht hinaus als Segen: "Der aktive Widerstand war die Grundlage für den großen künstlerischen Erfolg der Kestnergesellschaft nach dem Krieg", sagt deren Vorstandsvorsitzender Uwe Reuter. Künstler aus den USA zeigten hier ihre Bilder. In einer Institution, die unbelastet war.

Bis zum 13. November ist an der Goseriede die Ausstellung „100 Jahre Kestner Gesellschaft“ zu sehen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Die Mega 90er-Party in der TUI-Arena

Fun Factory, Captain Hollywood Projekt oder Culture Beat: Bei der Mega 90er-Party haben die Musikgrößen der Neunziger in der TUI-Arena die gute alte Zeit wieder aufleben lassen. Und das Publikum feierte ungenierte zu den Beats seiner Jugend.