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„Ich werde den Anblick nie vergessen“

Gedenkveranstaltungen „Ich werde den Anblick nie vergessen“

Mehrere Veranstaltungen erinnern an die Befreiung der hannoverschen Konzentrationslager vor 70 Jahren. Im Gedenkgottesdienst Ahlem haben Schüler jetzt Berichte von Häftlingen vorgetragen.

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Geschichten von ausgeschlagenen Zähnen und öffentlichen Hinrichtungen: Schüler tragen im Gedenkgottesdienst in Ahlem Berichte von Häftlingen vor.

Quelle: Florian Petrow

Hannover. Efeu rankt an Bäumen empor, Vögel zwitschern. Ein fast lauschiger Ort ist dieses kleine Gehölz am Ahlemer Sportplatz. Wären da nicht die geborstenen Fundamente im Waldboden. Und die Scherben und Metallreste, die Archäologen hier ausgegraben und auf dem teils überwuchertem Beton deponiert haben. „Dies war der Appellplatz - ein Ort von Grausamkeit und Willkür“, sagt Matthias Düsterhöft vom Arbeitskreis Bürger gestalten ein Mahnmal.

Düsterhöft steht im Gehölz zwischen zwei Betonplatten, auf denen sich einst die Baracken des KZ Ahlem erhoben. Noch in diesem Jahr will der Arbeitskreis in dem unwegsamen Gehölz nahe der Heisterbergallee einen Rundweg anlegen: Zwei Dutzend Stationen sollen an das Leid der rund 1500 Häftlinge erinnern, die hier zwischen November 1944 und April 1945 hinter elektrischem Stacheldraht gequält wurden. Etwa 750 von ihnen starben. „Der Teil des KZ-Geländes, auf dem die Wäscherei war, gehört heute zum Sportplatz“, sagt Düsterhöft.

Am gestrigen Freitag jährte sich die Befreiung von Hannovers Konzentrationslagern zum 70. Mal. Mit einer Busfahrt an verschiedene Schreckensorte gedachte das städtische Team Erinnerungskultur dieses Tages. Nach der Führung über das ehemalige KZ-Gelände stand ein ökumenischer Gottesdienst am nahen Mahnmal auf dem Programm.

Zehntklässler der Heisterbergschule tragen darin Berichte ehemaliger Häftlinge vor. Es sind Geschichten von Kapos, die Gefangenen die Zähne ausschlagen und die Knochen brechen, Geschichten vom Schuften im Asphaltstollen und von öffentlichen Hinrichtungen. Die Häftlinge, auf die die Amerikaner am 10. April 1945 in Ahlem trafen, waren abgemagert wie Skelette: „Mit Entsetzen habe ich in ihre Gesichter gesehen“, sagt die Zeitzeugin Ruth Gröne, die damals elf Jahre alt war: „Den Anblick werde ich nie vergessen.“

Aus dem niederländischen Leeuwarden ist Symie Zoodsma an diesem Tag nach Ahlem gekommen: „Vater hat nie viel erzählt - über Ahlem wollte er nicht reden“, sagt die 63-Jährige. Ihr Vater Jacob war einer der Häftlinge hier. Nach der Befreiung habe eine deutsche Familie den ausgemergelten Mann 1945 aufgenommen: „Zu der Familie haben wir noch heute Kontakt“, sagt Zoodsma.

Von den sieben hannoverschen Konzentrationslagern ist nicht viel erhalten geblieben: „Nur in Ahlem und in Stöcken gibt es noch die Fundamente der Blöcke“, sagt Karljosef Kreter vom Team Erinnerungskultur. Allerdings ist das Areal des früheren „Akku-Lagers“ in Stöcken kontaminiert und gesperrt.

Dabei ist die Erinnerungsarbeit wichtiger denn je: „Für viele Jugendliche ist das Thema ganz weit weg“, sagt Pastor Holger Hannemann von Ökumenischen Kirchenzentrum Mühlenberg. Dort legt die Bustour, an der 82 Menschen teilnahmen, ihren nächsten Stopp ein. Unweit des Kirchenzentrums stand südlich der Bornumer Straße das KZ Mühlenberg. Die Häftlinge, die hier zusammengepfercht waren, mussten in der Rüstungsindustrie arbeiten. Ebenso wie die Gefangenen im Frauen-KZ Limmer.

Dort erinnert seit gestern eine Informationstafel an das Leid der Gefangenen - sie wurde im Rahmen der Bustour enthüllt. In einem Text schildert die Gefangene Genowefa J. die Strapazen ihrer Schicksalsgenossinnen, die Trümmer räumen mussten: „Die Frauen fielen einfach um, weil sie den ganzen Tag ohne Essen nicht mehr aushalten konnten.“

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