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Starb Shilan H. wegen gefälschter Nacktbilder?

Bluthochzeit in Vahrenheide Starb Shilan H. wegen gefälschter Nacktbilder?

Warum wurde die 21-jährige Kurdin Shilan H. bei einer Hochzeit in Vahrenheide erschossen? Neue Recherchen zeigen, dass von einem verschmähten Verehrer gefälschte Nacktbilder der Grund für ihren Tod gewesen sein könnten. So geriet die junge Frau ins Zentrum eines Familienkonflikts. 

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Shilan H. wurde am 13. März von ihrem Cousin ermordet. 

Quelle: privat/Archiv

Hannover. Als die 21-jährige Kurdin Shilan H. im März dieses Jahres bei einer Hochzeit in Vahrenheide von ihrem Cousin erschossen wird, findet eine Fehde zwischen zwei Familien ihren traurigen Höhepunkt. Doch das Zerwürfnis hat offenbar schon lange vor ihrer abgelehnten Zwangsverlobung begonnen, wie jetzt Recherchen der Wochenzeitung „Die Zeit“ nahelegt. Manipulierte Nacktfotos sollen der Grund sein, warum Shilan überhaupt erst ins Zentrum des Konflikts innerhalb einer Großfamilie geriet, die sich zur grausamen Tat auswuchs.

Etwa anderthalb Jahre vor ihrem Tod hatte die junge Studentin einen Mann kennengelernt. Er ist ein Freund von Shilans Cousin Sefin Nahmann Pesso, der die junge Frau später töten wird. Nur einmal ging sie mit dem Bekannten essen, dabei entstand ein gemeinsames Foto vor einem Spiegel. Wie die „Zeit“ schreibt, verliebte sich der Mann in sie, doch Shilan wies ihn zurück. Mit der Zurückweisung konnte er anscheinend nicht umgehen und drohte ihr mit dem Tod durch ihre eigene Familie. Dann soll er am Computer Shilans Gesicht aus dem Foto geschnitten und auf Fotos von nackten Frauenkörpern montiert haben. Anschließend verschickte er die Bilder an die Kinder von Shilans Onkel.

In Vahrenheide sind Schüsse auf einer Hochzeitsfeier gefallen, eine 21-Jährige starb.

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Hassen H., Shilans Bruder, bestätigt die Existenz dieser Fotos. Doch zu Gesicht bekommen habe seine Familie sie nie. Nur das Originalfoto sei ihnen bekannt. „Aber wenn ihr Verehrer Shilan schaden wollte, warum hat er die Fotos nicht direkt an uns geschickt, sondern an unsere Onkel?“, fragt sich Hassen H. Vermutlich, weil sie dort mehr Schaden anrichten würden, wie der „Zeit“-Bericht vermuten lässt. Sein Vater Ghazi H. hatte seine elf Kinder für jesidische Verhältnisse sehr liberal erzogen. Als Shilan ihm von den Drohungen und den gefälschten Fotos erzählt, sagt er laut Hassen H. nur: „Lass ihn doch machen, und zeig ihn an.“ Das soll Shilan auch getan haben und eine Anzeige wegen Stalkings bei der Polizei aufgegeben haben. Ob sie in diesem Zusammenhang auch die Fotos erwähnte und was die Beamten unternommen haben, wollte die Polizei am Freitag gegenüber der HAZ mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.

"Wir hätten ihn anzeigen sollen"

Die beiden Brüder des Vaters dagegen, sehr traditionell orientiert, sollen Shilans Ehre durch die Fotos beschmutzt gesehen haben - und darin ihre Chance, dem ungleich erfolgreicheren Ghazi H. eins auszuwischen. Denn wie die „Zeit“ schreibt, könne nach jesidischer Logik der älteste Bruder die Schande tilgen, indem er seinen ältesten Sohn als Ehemann zur Verfügung stellt. So soll es zu jener Zwangsverlobung zwischen Sefin Nahmann Pesso und Shilan gekommen sein, die kurze Zeit später von Ghazi H. wieder gelöst wurde - zum Ärger seiner Brüder.

„Damals hätten wir sie bei der Polizei anzeigen sollen“, sagt Hassen H.. „Aber wir haben nie damit gerechnet, dass sie diesen letzten Schritt zum Mord gehen würden.“ Immer habe die Familie gehofft, dass sich die Brüder wieder annähern würden. Doch das geschieht nicht, stattdessen verschärft sich der Konflikt weiter. Im Januar trifft sich Ghazi H. in der irakischen Hauptstadt Bagdad mit seinem zweitältesten Bruder und einem von dessen Söhnen. Im Verlauf des Gesprächs verliert der Bruder die Nerven und befiehlt seinem Sohn, den Onkel zu töten. Doch der junge Mann weigert sich. Schließlich kommt es zu jenem Abend am 13. März, als die Familien auf einer Hochzeit im Star-Event-Center an der Straße Alter Flughafen aufeinandertreffen. Sefin Nahmann Pesso schießt seiner Cousine Shilan dreimal in den Kopf, sie stirbt wenig später im Krankenhaus. Sefin Nahmann Pesso ist seit diesem Tag auf der Flucht, seine Spur verliert sich in Mailand. Shilans Familie vermutet, dass er sich mit Hilfe von Familienmitgliedern im Irak versteckt hält.

Für gewöhnlich halten sich Jesiden in Familienangelegenheiten sehr bedeckt. Shilans Familie dagegen will erzählen, um ein Zeichen zu setzen, wie ihr Bruder Hassen sagt. „Wir wollen andere dazu bewegen, Familienfehden nicht eskalieren zu lassen.“ Denn dass sie nicht eher zur Polizei gegangen seien, das würden sie wohl ein Leben lang bereuen.

Von Isabel Christian

Auf der Flucht

Der 22-jährige Sefin Nahmann Pesso ist seit seiner Tat am 13. März auf der Flucht. Sein Bruder Hamid brachte ihn mit einem schwarzen VW Golf vom Tatort weg. Das ist belegt, denn beide gerieten um 22.21 Uhr in eine Radarfalle auf der Vahrenwalder Straße. Eine Funkzellenabfrage von Hamids Handy soll ergeben haben, dass die beiden über Bielefeld und Hamm nach Süden flohen. Seither wird mit internationalem Haftbefehl nach Nahmann Pesso gefahndet.

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