Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Wiedersehen im Wohnzimmer mit Wiebke Puls

Geheimtipp Salonfestival Wiedersehen im Wohnzimmer mit Wiebke Puls

Wie Wiebke Puls – früher Liebling des Schauspiels Hannover – ist für ein kurzes Gastspiel an die Leine zurückgekehrt und hat beim Salonfestival in einer Anderter Wohnung Werke von Leonard Cohen veredelt.

Voriger Artikel
Ärztemangel führt zu Engpässen in Neurologie
Nächster Artikel
Suchst du noch oder wohnst du schon?

Rein in die gute Stube: Wiebke Puls (r.) mit Gitarrist Ivica Vukelic beim Konzert im Wohnzimmer eines Bewunderers in Anderten.Foto: Eberstein

Quelle: Jan Philipp Eberstein 2016

Hannover. Bei „So Long, Marianne“ gibt sie alles. Sie haucht, sie raunt, einmal schreit sie fast. Dann ist ihre Stimme wieder weich. Und danach glashart. Und gleich wieder weich. Als der letzte Ton verklungen ist, klatscht das Publikum, als säßen 200 Leute im Raum. Dabei sind’s nur knapp 50.

Sonnabend, irgendwo in Anderten. Im Rahmen des Salonfestivals findet ein Comeback statt - eines im wörtlichen Sinn und nur für einen Abend. Wiebke Puls ist wieder in der Stadt, die Schauspielerin, die Ende der Neunzigerjahre im Staatstheater und anderswo viele ihrer Kollegen überragt hat, und nicht bloß wegen ihrer 1,85 Meter Größe. In einem sehr eleganten und dennoch behaglichen Wohnzimmer singt und spricht sie Texte von Leonard Cohen. Das mit dem Comeback hat der Hausherr gesagt, ein bekennender Puls-Fan. Sein Name und die Adresse fallen unter die Schweigepflicht: Er und seine Frau wollen nicht genannt werden. Aber ihr Haus wollten sie öffnen, für Wiebke Puls und die 50 Gäste, und das ist ein Geschenk an alle Anwesenden.

Aus München, wo Puls an den Kammerspielen engagiert ist, hat sie Ivica Vukelic mitgebracht, der sie auf der Gitarre begleitet. Zunächst aber erzählt die Schauspielerin von ihrem Elternhaus, einem Pfarrhaus, in dem es drei Meter Schallplatten im Regal gab. Davon 2,90 Meter Kantaten, zehn Zentimeter moderne Musik und darunter zwei LPs von Leonard Cohen. Die hatten es der kleinen Wiebke sofort angetan, obwohl sie damals nichts von den Texten verstand. Dafür versteht sie heute umso mehr davon, denn sie hat einige von Cohens Liedern eigenhändig (und sehr einfühlsam) ins Deutsche übertragen.

Die singt sie nun. Und sie liest: Passagen aus Cohens Roman „Das Lieblingsspiel“, den er 1963 veröffentlicht hat. Cohen war, bevor er ein international bekannter Sänger wurde, bereits ein anerkannter Autor. In dem Buch geht es um Lawrence Breavman (der deutliche Züge von Cohen trägt) und Cohens ewiges Thema, die Liebe: Breavman und Lisa, Breavman und ein Mädchen namens Muffin, Breavman und Tamara.

Schon in diesen Leseabschnitten zeigt sich (wieder), wie mühelos Wiebke Puls bereits mit einem leichten Variieren des Atems einen neuen Charakter skizzieren kann. Und die Wirkung ihres Gesangs ist fast noch größer: Die Schauspielerin verändert die Temperatur im Raum, den Luftdruck und die Spannung in den Körpern ihre Zuhörer. Die größte Faszination geht von dem gar nicht so bekannten „Stranger Song“ aus - und von „Famous Blue Raincoat“, einem Lied, das aus einem Brief an einen Freund und Rivalen besteht: „Du hast meine Frau zu einem Splitter deines Lebens gemacht.“

So filigran und so einfach hat man die Stücke von Cohen noch nie gehört, was auch an Ivica Vukelic liegt, der mit seiner Gitarre vom Typ Hopf Special eine ganze Band aufwiegt. Er zupft verhalten, er schrammelt laut, er säuselt, wenn es sein muss. Bei „Bird on the Wire“ liegen metallische Spitzen in Vukelic’ Akkorden, die von Wiebke Puls’ Stimme sanft ummantelt werden.

Eigentlich ist es ja unwahrscheinlich, dass 50 Menschen tosenden Applaus hinkriegen, aber sie kriegen ihn auch nach diesem Stück hin, sie erklatschen sich eine Zugabe und dann noch eine Wiederholung des ersten Songs. Alle sind froh. Und der Hausherr strahlt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Die Mega 90er-Party in der TUI-Arena

Fun Factory, Captain Hollywood Projekt oder Culture Beat: Bei der Mega 90er-Party haben die Musikgrößen der Neunziger in der TUI-Arena die gute alte Zeit wieder aufleben lassen. Und das Publikum feierte ungenierte zu den Beats seiner Jugend.