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Geiselnehmer muss zwölf Jahre in Haft

Tochter der Opfer weint um Täter Geiselnehmer muss zwölf Jahre in Haft

Ein Mann muss wegen erpresserischen Menschenraubes für zwölf Jahre ins Gefängnis. Er hatte ein Ehepaar im November 2010 stundenlang gefoltert. Seine Freundin weinte im Gericht um ihn - obwohl es ihre Eltern waren, die er gefoltert hatte.

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Quelle: dpa

Hannover. Minutenlang wirkt das Gesicht des Angeklagten wie versteinert, als das Urteil verkündet wird. Seine Freundin weint auf der Zuschauerbank um ihn – obwohl es ihre Eltern waren, die er im November 2010 stundenlang gefoltert hatte. Bertram M., so die Entscheidung des Schwurgerichts, muss wegen erpresserischen Menschenraubes für zwölf Jahre ins Gefängnis. Zudem ordnete die Kammer die Sicherungsverwahrung für den zehnfach vorbestraften Mann an. Der gesamte Tatablauf sei „so widerlich“ gewesen, dass „dies selbst einem, der auf diesem Platz sitzt, ausgesprochen selten begegnet“, resümierte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch im Hinblick auf seine langjährige Erfahrung als Strafrichter.

Vom Vorwurf des versuchten Mordes sprach die Kammer den Angeklagten allerdings frei. M. habe viele Möglichkeiten gehabt, seine Opfer zu töten – dies aber nicht getan, stellte Rosenbusch fest. Die Fesselung, mit der er sie zurückließ, sei zwar gefährlich gewesen. Aber sie sei im Zweifel gewollt so gesetzt worden, dass den Opfern eine Befreiung gelang.

Warum der Angeklagte derart aggressiv gegen die Eltern seiner Freundin vorging, war in dem Prozess bis zum Schluss nicht klar geworden. Nachdem ihre Tochter Bertram M. über das Internet kennengelernt hatte, nahmen sie den arbeitslosen Mann in ihrem Haus auf und versorgten ihn auch. Die Beziehung zu dem Ehepaar brach auseinander, nachdem M. ihnen dann das Auto gestohlen hatte. Schließlich versteckte die Tochter M. in ihrer Wohnung im Obergeschoss. Er habe die Behandlung der Eltern als unangemessen angesehen und sich rächen wollen, vermutet Rosenbusch. So habe er sich am 6. November spontan dazu entschlossen, „eine Geiselnahme durchzuziehen“. M. setzte das Paar einem stundenlangen Martyrium aus, bei dem er die beiden schlug, fesselte, strangulierte und mit Morddrohungen überzog – bevor er mit ihrem Geld und einer EC-Karte flüchtete. Rosenbusch verwies auf die zahlreichen Vorstrafen des Angeklagten, bei denen er eine „enorme Rückfallgeschwindigkeit“ und eine „steigende Tatintensität“ an den Tag gelegt habe. Auch die Masche ähnelte sich: So hatte er zwei Exfreundinnen über längere Zeit misshandelt, sie mit dem Tode bedroht und schließlich ihre PIN-Nummern für die EC-Karten erpresst. Rosenbusch glaubt, auch in diesen Fällen habe M. es den beiden Frauen wegen deren Trennungsabsichten heimzahlen wollen.

Die Eltern waren nur einmal, zu ihrer Zeugenaussage, in den Gerichtssaal gekommen. Sie seien schwer traumatisiert, sagte ihr Anwalt Marco Burckhardt in seinem Schlusswort. „Die Frau kann nicht mehr allein sein. Der Mann ist aus der Bahn geworfen“, und zum Angeklagten gewandt: „Sie haben Ihnen das letzte Stück vom Leben versaut.“

Die Tochter der Opfer fehlte dagegen nicht einen Verhandlungstag. Vor Gericht hatte sie erklärt, mit ihrer „großen Liebe“ zusammenbleiben zu wollen. Nach dem ersten Schreck traf man noch im Gerichtssaal eine Verabredung für einen baldigen Besuch im Gefängnis.

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