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Gemeinde feiert bewegenden Auszug aus der Athanasiuskirche

Kirche entwidmet Gemeinde feiert bewegenden Auszug aus der Athanasiuskirche

Knapp 50 Jahre nach ihrer Errichtung ist die Athanasiuskirche kein Gotteshaus mehr. In einem bewegenden Gottesdienst hat die evangelische Südstadt-Gemeinde am Sonntag Abschied von ihrer Kirche genommen. Taufbecken, Osterkerze und Abendmahlutensilien wurden in einer Prozession zur Pauluskirche getragen.

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Am Sonntag haben sich zahlreiche Gemeindemitglieder ein letztes Mal in der Athanasiuskirche versammelt, um bei der Entwidmung der Kirche dabei zu sein.

Quelle: Kleinschmidt

Hannover. Es war ein ungewöhnliches Bild, das sich gestern am späten Vormittag Passanten und Autofahrern rund um die Hildesheimer Straße bot. Etwa 250 Gottesdienstbesucher zogen in gemächlichem Gang von der entwidmeten Kirche in der Böhmerstraße zur Pauluskirche in der Meterstraße. Dort werden die Gegenstände aus dem bisherigen Gotteshaus künftig aufbewahrt. Das Überqueren der Hildesheimer Straße ohne Nutzung einer Ampel gefiel nicht allen Autofahrern. Einer bremste erst im letzten Moment, ein anderer hupte ungeduldig.

Vor Beginn der Prozession hatte Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann zum Ende des Gottesdienstes den entscheidenden Satz gesagt: „Von nun an ist die Athanasiuskirche nicht mehr dem Dienst Gottes geweiht.“ Bei vielen Kirchenbesuchern flossen daraufhin die Tränen, wie zum Beispiel bei Maria Lange. Die 44-Jährige lebt zwar erst seit zweieinhalb Jahren mit ihrer Familie in Hannover. Aber die Kirchenschließung nimmt sie sehr mit. „Noch nie bin ich in einer Kirchengemeinde so gut aufgenommen worden wie in Athanasius“, berichtet sie. Deshalb sei sie von der Schließung ganz besonders berührt.

Die Kirchengemeinde hat sich am Sonntag zu einem letzten Gottesdienst in der Athanasiuskirche versammelt.

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Noch ein bisschen schmerzlicher wurde der Verlust für einige Gemeindemitglieder außerdem durch die eisigen Temperaturen. Nach dem Gottesdienst in der wohltemperierten Athanasiuskirche und der Prozession durch die Südstadt musste die Gemeinde in der Pauluskirche frieren – dort war ausgerechnet an diesem Tag die Heizungsanlage ausgefallen.

Spieckermann begründete in ihrer Predigt die Schließung der Kirche mit dem stetigen Rückgang der Zahl der evangelischen Christen in Hannover. Sie erinnerte daran, dass nur noch 14 Prozent der Kinder in Hannover getauft werden. Die Südstadtgemeinde ist mit rund 10 000 Mitgliedern eine der größten Kirchengemeinden der Landeskirche Hannovers. Sie war im Jahr 2009 aus dem Zusammenschluss mit der Paulusgemeinde und der Nazarethgemeinde entstanden. „Die Südstadtgemeinde hat die Möglichkeit, aus ihren drei Kirchen ein gemeinsames Konzept zu entwickeln, gut genutzt“, betonte die Pastorin. Außerdem seien Gebäude für Christen ohnehin nicht so wichtig. Letztendlich sei es egal, wo sich die Gläubigen versammelten, meinte Spieckermann in Anwesenheit von Superintendent Thomas Höflich und der drei Gemeindepastoren.

Die Südstadtgemeinde will die Athanasiuskirche jetzt zu einem Veranstaltungs- und Kulturzentrum umbauen. Dort, wo derzeit noch der Altar steht, sollen demnächst Künstler auftreten. Gedacht ist an Chöre, Kabarettisten und Theatergruppen. Die Kosten für den Umbau betragen 300.000 Euro und werden von der Kirchengemeinde getragen. Die Gemeinde will das Kulturprogramm selbst organisieren. „Wir wollen wissen, was dort stattfindet“, sagt Kirchenvorsteherin Meike Zillmer.

Zwar hat Landessuperintendentin Spieckermann die Kirche am Sonntag entwidmet, aber ein Gottesdienst wird dort doch noch gefeiert. Montagabend findet in der Böhmerstraße um 18 Uhr eine Abendandacht statt. Danach ist endgültig Schluss.

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