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Freunde fürs Bauen

Gemeinschaftliche Bauprojekte in Hannover Freunde fürs Bauen

Etwa 30 gemeinschaftliche Bauprojekte sind in Hannover bisher umgesetzt worden. Jetzt kommt an der Ohestraße ein neues dazu. Interessenten schauen sich um, was ihre Vorgänger so fabriziert haben.

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Auf dem Grundstück in der Ohestraße haben die vorbereitenden Bauarbeiten bereits begonnen. 

Quelle: Link

Hannover. Der Bus quält sich durch die enge Kopfsteinpflasterstraße vorbei an verschnörkelten Villen bis zum Ende der Güntherstraße. Dort wartet Friedhelm Oehlerking mit einer ernüchternden Botschaft. „Menschen, die sich schnell benachteiligt fühlen, haben in Baugemeinschaften nichts zu suchen“, rät er den Reisenden in Sachen Gemeinschaftsbauten.  Überhaupt sollten sich nur Leute in gleicher Lebenssituation und mit ähnlichen Interessen zusammentun, und selbst dann ist noch große Kompromissbereitschaft gefordert, wenn es ans Planen und Bauen geht. 

Am Sonnabend hat das bundesweit agierende Forum für gemeinschaftliches Wohnen zu einem Aktionstag aufgerufen. In allen Städten sollten lokale Initiativen ihre Projekte vorstellen. Die Stadt Hannover ließ sich nicht lange bitten und organisierte zusammen mit dem Beratungsbüro Wohnprojektmentoren eine Busfahrt zu vier beispielhaften Gemeinschaftsbauten: in der Nordstadt (Heisenstraße), in der Südstadt (ehemalige Sehbehindertenschule), in Waldhausen (Güntherstraße) und in Linden (ehemalige Albert-Schweitzer-Schule). Die 48 Plätze im Bus waren schnell vergeben. 

„Das Interesse ist riesig“, sagt Yasmine Gottwald vom Fachbereich Wirtschaft. Das mag auch daran liegen, dass die Stadt demnächst ein neues Grundstück für die gemeinschaftliche Bebauung ausschreibt, an der Ohestraße direkt am Ihmeufer. „Wir werden uns darauf bewerben“, sagt Hermann Wefels. Der ältere Herr mit dunklem Mantel und Gehstock entspricht so gar nicht dem Bild eines zupackenden Hausbauers mit Hang zur Kommune. „Eigenarbeit planen wir nicht ein“, sagt Wefels. Zusammen mit der Lindener Genossenschaft Selbsthilfe werde man die Finanzierung stemmen und 14 Menschen ein Zuhause bauen, ohne selbst die Maurerkelle schwingen zu müssen. „Ein Risiko sehe ich nicht“, sagt er.

An die Pioniertage in der Nordstadt kann sich Andreas Böhm noch gut erinnern. Damals, Mitte der neunziger Jahre, hat er sich noch an der sogenannten Muskel-Hypothek beteiligt. Um den Kaufpreis zu drücken, haben die Bewohner bei der Sanierung des maroden Altbaus in der Heisenstraße selbst  den Putz von den Wänden geklopft. „Ich war beruflich sehr eingespannt und dann kam die Arbeit im Haus dazu“, sagt Böhm. Dennoch habe sich die Quälerei gelohnt. In der Nordstadt finde sich kaum eine günstigere Wohnung. Nur das Gemeinschaftsleben hat nach zehn Jahren nachgelassen. Partys im Hof sind selten geworden. „Weihnachten essen wir zusammen, einmal im Jahr veranstalten wir einen Flohmarkt“, erzählt Böhm. 

Einige in der Busgruppe sind enttäuscht. „Das Gemeinschaftsgefühl sollte nicht so schnell flöten gehen“, sagt Magdalena Markones. Auch sie will zusammen mit Freunden ein Haus bauen. Das muss nicht unbedingt im Stadtgebiet sein. „In der Heisenstraße fand ich es recht eng. Wir wollen auf jeden Fall einen großen Garten“, sagt sie. 

Der grüne Hof der ehemaligen Sehbehindertenschule in der Südstadt dürfte solchen Ansprüchen gerecht werden. Zwischen den Gebäuderiegeln erstreckt sich Rasen, einige Beete, Sandkästen für die Kinder. „Eigentlich wollten die Bewohner zunächst eigene Terrassen abteilen, doch der Denkmalschutz genehmigte das nicht. Zum Glück!“, sagt Kai Marlow vom Büro Mosaik-Architekten. So habe man einen weitläufigen Hof bekommen. 

In den alten Klassenzimmern sind jetzt Wohnungen eingerichtet. 57 Quadratmeter misst ein Klassenraum, daraus hat Silke Neuhaus eine gemütliche Wohnung kreiert. „Das ist ein bisschen wie in einer Ferienwohnung zu leben“, sagt sie. Ihr Nachbar hat zwei Klassenräumen in eine Wohnung verwandelt und einige Details übernommen, etwa die alten Lampen. „Unterm Strich war das gesamte Projekt ein richtiges Schnäppchen“, sagt Günter Behrendt.  

In der Güntherstraße starren die Reisenden in Sachen Baugemeinschaft auf eine helle, verputzte Fassade. Gläserne Erker stülpen sich nach außen, der nasse Rasen wirkt frisch gestutzt. „Wir teilen die Gartenarbeit ein. Und wer keine Lust hat, muss Geld zahlen“, sagt Oehlerking. Das funktioniere ganz gut. Ab und zu grille man gemeinsam, aber nicht jede Woche steige eine Party. „Das mit der Gemeinschaft habe ich mir anders vorgestellt“, raunt eine Frau aus der Busgruppe.

Neues Baugebiet an der Ohestraße

Schon jetzt ist das Interesse privater Baugemeinschaften am Grundstück in der Ohestraße groß. Doch bis die Häuser im Süden des Gebietes im Detail geplant werden können, dürften noch ein paar Jahre vergehen. Andreas Weidmann vom städtischen Fachbereich Wirtschaft geht davon aus, dass in der ersten Jahreshälfte 2016 die Ausschreibung startet. „Zeitnah werden wir mit der Vergabe für die Ankergrundstücke beginnen“, sagt er. Damit meint Weidmann zwei Areale nahe der Humboldtstraße. Dort sollen sich keine Baugemeinschaften niederlassen, sondern professionelle Bauträger die Planung in die Hand nehmen. Aus der Kommunalpolitik kommt der Wunsch, dass in den beiden mehrstöckigen Gebäuden auch Unterkünfte für Flüchtlinge geschaffen werden. Die Bauträger für die Ankergrundstücke sollen zudem die Tiefgarage für das Neubaugebiet errichten. Wie viele Baugruppen im südlichen Teil der Fläche Platz finden, hängt von den Detailentwürfen ab. Weidmann schätzt, dass 9 bis 12 Gruppen unterkommen können.

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