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Aus der Stadt Zwei Bomben halten Hannovers Norden in Atem
Hannover Aus der Stadt Zwei Bomben halten Hannovers Norden in Atem
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00:22 22.07.2015
Markus Rausch und Thomas Bleicher vom Kampfmittelbeseitigungsdienst mit der entschärften britischen Bombe (links) und dem amerikanischen Blindgänger. Quelle: Uwe Dillenberg
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Langenhagen

An einem der Verdachtspunkte hatte der Kampfmittelbeseitigungsdienst eine britische, an einem weiteren eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe unschädlich gemacht. Der dritte Verdachtsort unter Autobahn entpuppte sich als ungefährlich. Dort stießen die Bombenräumer lediglich auf eine sogenannte Rammkernsonde, die offensichtlich bei Bodensodierungsarbeiten auf der A 2 vergessen worden war.

Die Autobahn war wegen der Bombensuche ab 12 Uhr zwischen Herrenhausen und dem Kreuz-Ost in beide Richtungen voll gesperrt. Der Zeitplan der seit Langem geplanten Bombenräumaktion war bereits am Vormittag gehörig durcheinander geraten. Ursprünglich hatten die Kampfmittelbeseitiger und die Stadt Langenhagen damit gerechnet, dass das Evakuierungsgebiet gegen 13 Uhr, trotz der rund 200 Transporte von gehbehinderten und bettlägerigen Menschen aus Alten- und Pflegeheimen, vollständig geräumt sei würde. Doch immer wieder trafen Polizisten oder Feuerwehrleute auf Betroffene, die nur sehr zögerlich ihre Wohnungen verlassen wollten. Selbst als gegen 14 Uhr der Polizeihubschrauber Phoenix mit einer Wärmebildkamera an Bord über das Gebiet flog, entdeckten die Beamten beispielsweise in einer Kaserne mehrere Personen. Auch auf einem Parkplatz der eigentlich abgesperrten A 2 entdeckte die Hubschrauberbesatzung plötzlich zwei Fahrzeuge. „Das hat unsere Arbeit deutlich verzögert“, sagt Thomas Bleicher, der Chef des Kampfmittelbeseitigungsdienstes.

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Der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist in Langenhagen eingetroffen.

Betroffenen, die am Sonntag nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen konnten, stand während der Evakuierung das Schulzentrum Langenhagen offen. Dort wurden sie mit Nudelsuppe verpflegt, für Kinder gab es eine Hüpfburg und Schminkaktionen, für Muslime richteten die Johanniter einen eigenen Gebetsraum ein.
Insgesamt waren an der Bombenräumung mehr als 650 Einsatzkräfte der Polizei, der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und der Johanniter Unfallhilfe beteiligt. Die Deutsche Bahn leitete wegen der Bombenentschärfungen 42 Züge um, 50 wurden ersatzlos gestrichen. Der Einsatz am Sonntag war dennoch nicht die größte Aktion diese Art. Im Jahr 2009 wurden nach Angaben des kampfmittelbeseitigungsdienstes an einem Tag sechs Verdachtspunkte überprüft.

Ein Kommentar von Hendrik Brandt

Ein Fall für die Profis

Am Ende ist alles gut gegangen – und das bleibt das wichtigste Ergebnis der sonntäglichen Bombenräumaktion. An weiteren Punkten in der Region ist die Bedrohung durch Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg nun endgültig Geschichte. Der Tag hat jedoch auch einmal mehr verdeutlicht, dass im Management solcher Großaktionen, die als Anwohner, Helfer oder staugeplagte Autofahrer Zigtausende Menschen betreffen, noch Luft nach oben ist.

Wie schon zuvor bei der Sicherung einer Bombe in Seelze vor einigen Monaten ist auch in Langenhagen klar geworden: In den Rathäusern im Umland fehlen zuweilen Wissen und Erfahrung, um solche gewaltigen Einsätze mit Ruhe zu bewältigen. Das gilt nicht zuletzt für die Kommunikation. Langenhagen hatte diesmal sogar einen ordentlichen zeitlichen Vorlauf; dennoch waren Angaben zu den Fundorten bestenfalls schwammig, Evakuierungsradien zu lange unklar und die zeitlichen Angaben zur Sperrung der A 2 schlicht falsch. Zudem fehlte die Feinabstimmung: Kommune, Polizei, Verkehrsmanagement, Stadt Hannover, Hilfsorganisationen – jeder wusste etwas, aber niemand alles. Am Ende informierte Langenhagens Bürgermeister gestern sogar selbst via Facebook – nicht unbedingt der Job eines Verwaltungschefs in so einer Lage. Gut, dass die Profis vom Kampfmittelbeseitigungsdienst souverän ihre Arbeit machten.

Das Bomben-Thema wird die Region noch länger beschäftigen. Es könnte also lohnen, im Regionshaus mal den Gedanken einer übergreifenden Management-Einheit für solche Fälle zu prüfen. Hier müssen mehr erfahrene Profis in die Verantwortung, etwa die der hannoverschen Feuerwehr. Das ist rechtlich kompliziert, mancher Verwaltungschef müsste über einen langen Schatten springen – aber am Ende wäre den Bürgern gedient.

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