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Diskussionsabend der Stadtverwaltung

Geplante Logistikhalle: Anwohner sind skeptisch

Von Conrad von Meding

Es war eine überwiegend faire Debatte am Donnerstag bis in den späten Abend. Die Spitze der Stadtverwaltung hatte sich zum Dialog mit den Bürgern eingefunden, um über die geplante Ansiedlung eines großen Internet-Versandhandels auf den Messeparkplätzen südlich von Mittelfeld und Bemerode zu diskutieren.
Der Saal im Annastift ist bis auf den letzten Platz gefüllt: Oberbügermeister Stephan Weil (r.) spricht mit den Anwohnern.

Der Saal im Annastift ist bis auf den letzten Platz gefüllt: Oberbügermeister Stephan Weil (r.) spricht mit den Anwohnern.

© Nancy Heusel

Hannover. Viele Fragen blieben unbeantwortet – aber dass das so sein werde, hatte Oberbürgermeister Stephan Weil gleich zu Beginn angekündigt. „Wir stehen am Anfang eines außergewöhnlichen Ansiedlungsverfahrens“, sagte er. Offenbar sind die entscheidenden vier Gutachten zu Verkehr, Lärm, Luftbelastung und Regenwasserversickerung in dieser Woche in Auftrag gegeben worden, die Ergebnisse soll es vor Jahresende geben. Dann kann der Dialog fortgesetzt werden: Wahrscheinlich soll es in Kürze ein Internetforum geben, in dem Fragen artikuliert werden können, und für Dezember oder Januar ist ein weiteres öffentliches Diskussionsforum geplant.

Rund 400 Bürger waren zu der Versammlung im Berufsbildungswerk des Annastifts gekommen. Und sie hatten weitaus mehr Fragen mitgebracht, als beantwortet werden konnten – nach mehr als zwei Stunden Aussprache brach Weil die Sitzung ab. Deutlich wurde aber die Skepsis, mit der die Bürger das Riesenprojekt verfolgen, das 1000 Dauerarbeitsplätze und in Spitzenzeiten bis zu 1500 weitere Jobs schaffen soll. Mehrere Fragesteller wollten wissen, welche Qualität die Arbeitsplätze haben sollen. Weil und Wirtschaftsdezernent Hans Mönninghoff versprachen, dass es sich um sozialversicherungspflichtige Jobs handele. Weil sagte auch, dass die Höhe der Entlohnung „einer Diskussion standhalten“ könne. Zur konkreten Höhe wollte er sich aber nicht äußern, das sei Sache des Unternehmens. Den Mindestlohn werde die Stadt nicht fordern, weil das keine kommunale Frage sei.

Andere stellten die Qualität der Standortwahl infrage und warfen der Stadt vor, Umweltverschmutzung inkauf zu nehmen: „Da wird die grüne Seele für Billiglohnarbeitsplätze verkauft“, stichelte eine Bewohnerin des Kronsbergs. Mönninghoff widersprach: Wegen der guten Anbindung an das Stadtbahnnetz würden bei dieser Standortwahl zahlreiche Autofahrten der Mitarbeiter verhindert. „Stadtferne Standorte lösen deutlich mehr Autoverkehr aus“, bestärkte OB Weil ihn. Die junge Frau entgegnete: „Die Kinder, die mit den Verkehrsbelastungen leben müssen, würden aber lieber einen stadtfernen Standort sehen.“ Weil wiederum betonte, dass das Unternehmen Hannover gerade wegen des Arbeitskräftereservoirs und der Nahverkehrsanbindung präferiere.

Viele andere Fragesteller zweifelten daran, dass die Lärmgrenzwerte eingehalten werden, was Baudezernent Uwe Bodemann mit Gutachterberechnungen auf Grundlage unter anderem von zwei großen Verkehrszählungen sicherstellen will. Mutmaßungen, es handele sich um Gefälligkeitsgutachten, ließ er nicht gelten. „Die gesetzliche Verpflichtung ist, die Wohngebiete vor Lärm zu schützen – sonst geht diese Ansiedlung nicht.“ Er bekräftigte aber auch, dass die Stadtspitze bisher relativ sicher ist, dass die Ansiedlung gelingen kann. Im Zweifelsfall würden Lärmwälle erhöht oder Durchfahrtverbote in Wohngebieten geschaffen.

„Die grüne Seele wird für Billigjobs verkauft“

In der Diskussion ging es aber auch um persönliche Enttäuschung. „Als die Bauplätze ausgeschrieben wurden, da war von einem Naherholungsgebiet in der Nachbarschaft die Rede“, sagte eine Dame. Wenn sie von einer derartigen Ansiedlung gewusst hätte, „dann hätten wir vor fünf Jahren nie unser Haus im Zooviertel verkauft“. Baudezernent Bodemann allerdings zeigte anhand von Karten, dass das Gelände der 3200 nördlichen Messeparkplätze, die jetzt bebaut werden sollen, schon seit über einem Jahrzehnt als Gebiet für Gewerbe und ähnliche Nutzungen ausgewiesen ist.

Andere Besucher wiesen dringend darauf hin, dass außer der Siedlung Seelhorst am Südrand Mittelfelds auch Bemerode, Kronsberg, Wülferode und Kirchrode betroffen seien, weil der Autoverkehr und insbesondere die Kleintransporter sich bei Überlastung der Schnellstraßen ihre Wege durch Wohngebiete suchten. Ohnehin seien die Schnellwege jetzt schon häufig überlastet, sagte ein Mittelfelder: „Wir brauchen Ihre Berechnungen und Durchschnittswerte nicht, wir sehen das morgens, wenn wir zur Arbeit wollen.“

Insgesamt blieb die Debatte aber sachlich, nur sehr vereinzelt kam es zu Zwischenrufen. Als ein Bürger aufstand und forderte, als repräsentative Bürgerbefragung im Saal die Mehrheit für das Projekt abzufragen, reagierte OB Weil souverän: „Ich kann Ihnen versichern, dass bei einer stadtweiten Umfrage riesige Mehrheiten zusammenkämen“, sagte er. Weil aber klar sei, dass die unmittelbaren Anlieger Bedenken hätten, genössen diese besonderen Schutz: „Deshalb wollen wir soweit wie möglich in Ruhe mit Ihnen sprechen und den Dialog fortsetzen.“

Über die gesamte Diskussion hinweg hielten sich die Teilnehmer an die Bitte des Oberbürgermeisters, keine Spekulationen über den Namen der ansiedlungswilligen Firma anzustellen. Die Stadt habe sich verpflichtet, den Namen nicht zu nennen, betonte Weil, versprach aber, dass die Firma bei erster Gelegenheit einen Vertreter in die Bürgerdiskussion schicken werde. „Dann können Sie Ihre Fragen direkt an das Unternehmen richten.“

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