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"Die Schule ist bescheuert"

HAZ-Expertenforum "Die Schule ist bescheuert"

"Würden sich Schulen um die Potenziale der Schüler kümmern, müssten drei Viertel der Konsumgeschäfte schließen, etliche Fernsehprogramme und Internetforen auch." Der Neurobiologe Gerald Hüther hat beim HAZ-Expertenforum mal wieder nicht mit provokanten Thesen gespart - und viel Applaus erhalten.

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"Man kann nichts lernen, wenn es nicht emotional aufgeladen ist": Gerald Hüther beim HAZ-Experenforum.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Komplett ausverkauft war das HAZ-Expertenforum am Donnerstagabend, und die etwa 200 Besucher wurden nicht enttäuscht. Der 1951 geborene Hirnforscher Prof. Gerald Hüther bot mit seinen populärwissenschaftlichen Thesen einen unterhaltsamen Abend mit Tiefgang. Im April erst hatte er beim 20. Geburtstag des Kinderwalds in Hannover dazu aufgerufen, Kinder mehr in die Natur zu lassen, um ihre Entfaltung als eigenständige Subjekte besser zu ermöglichen. Mit seinem Vortrag  „Etwas mehr Hirn, bitte“ knüpfte nahtlos nun daran an.

Hüther führt in seinen anekdotischen Vorträgen fast alles auf den Drang des Hirns zurück, einen möglichst konflikt- und damit energiearmen Zustand ("Kohärenz") zu erreichen. Weil der Mensch durch Konkurrenzdruck und schlechte Pädagogik von seinem eigenen Subjekt entfremdet sei, entlaste er sein Hirn mit Ersatzbefriedigungen: als Gesellschaft mithilfe von Kriegen oder der Ausbeutung anderer, als Individuum durch Konsum etwa in Form schneller Autos oder weiter Reisen. "Würden sich Schulen um die Potenziale der Schüler kümmern, dann müssten drei Viertel der Konsumgeschäfte schließen, etliche Fernsehprogramme mangels Zuschauern und auch Internetforen."

Seine Empfehlung: "Es geht nicht darum, die Welt zu verändern, sondern dass man seine eigene Position den Verhältnissen gegenüber findet und Gestaltkraft entwickelt." Jeder Einzelne soll den negativen Kreislauf durchbrechen. Indem man sich vom Chef nicht zusammenstauchen lässt, sondern freundliche Entgegenungen findet, indem man mit anderen Netzwerke bildet, indem man bei Elternabenden immer wieder darauf drängt, dass die Schule Kindern nicht stures Funktionieren beibringen solle, sondern die "angeborene Lust am Lernen" zu fördern.

Überhaupt Schule, eines der Lieblingsthemen des Göttinger Professors. Er war Mitglied in der von Kanzlerin Angela Merkel einberufenen Expertenkommission zur Frage, wie wir künftig lernen wollen, und entwickelte darausmit zwei Mitstreitern die Initiative "Schule im Aufbruch". Seine These: Schulen seien dann gut, wenn es "ein festes Bündnis von Eltern, Lehrern, Schülern und sogar Hausmeister gibt. Wenn die gemeinsam etwas wollen, dann kann ihnen keine Bürokratie etwas anhaben." Aktuell aber sei der Zustand des Bildungssystems doch so, dass "die Schüler am Ende drei Tage saufen müssen, um zu vergessen, und dann ein Jahr nach Australien wollen, um sich selbst zu finden". Hüther sprach von einem "bescheuerten System" , das die Beteiligten in eine Untertanenerolle treibe.

Hüther nahm sich anschließend viel Zeit, Fragen zu beantworten, und gab manchen lebenspraktischen Tipp. Sein Versprechen vom Anfang des Abends, er könne die wesentlichen Grundzüge der Hirnforschung an einem Abend erklären, hielt er vielleicht nicht ganz ein - der Weg dorthin aber war in jedem Fall unterhaltsam.

Das HAZ-Expertenforum wird am 26. Mai mit einem Vortrag von Jörg Laubrinus fortgesetzt. Der Vertriebsexperte spricht über Verhaltensmuster. So könne man seiner Meinung nach Abneigung und Wünsche eines Gesprächspartners mit der passenden Kommunikationsstrategie schnell erkennen und für sich nutzbar machen. Los geht's wie immer um 19.30 Uhr, Karten gibt es in den HAZ-Geschäftsstellen und HAZ-Ticketshops. Eine Übersicht zur Vortragsreihe finden Interessierte unter haz.de/expertenforum.

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