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Aus der Stadt Gerd Andres scheitert in eigenem Wahlbezirk
Hannover Aus der Stadt Gerd Andres scheitert in eigenem Wahlbezirk
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00:15 02.05.2016
Von Andreas Schinkel
Niederlage, erster Teil: Gerd Andres muss Belgin Zaman zum ersten Listenplatz für die Kommunalwahl gratulieren. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Die Niederlage für Gerd Andres könnte kaum größer sein. Eigentlich wollte der 65-jährige SPD-Mann im Herbst in den Rat der Stadt einziehen und endlich jene „Defizite“ beheben, die ihn in der Stadtpolitik schon lange ärgern, etwa die Straßenausbaubeitragssatzung abschaffen, eine alte CDU-Forderung. Oder den Bau eines weiteren Flüchtlingswohnheims in Groß-Buchholz verhindern. Und dann schafft er es nicht einmal auf einen vorderen Platz der Kandidatenliste in seinem Wahlbezirk. „Ich kandidiere für nichts mehr“, sagt Andres einen Tag nach dem Debakel. Wenn seine Partei ihn nicht wünscht, dann müsse er das hinnehmen. In der SPD wird der Rückzug Andres’ mit gemischten Gefühlen gesehen. Manche meinen, dass die Genossen den Falschen vom Hof gejagt haben, andere sind der Überzeugung, dass Andres ohnehin nur auf Krawall im Rat aus gewesen sei. Klar ist auch: Der Fall Andres hat einen tiefen Riss durch die SPD im Osten Hannovers gezogen.

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Die SPD Buchholz-Kleefeld hat ihren Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl gewählt.

Gerd Andres gehört zweifellos zu den SPD-Größen Hannovers. Jahrzehntelang saß er im Bundestag, war Parlamentarischer Staatssekretär, errang regelmäßig die absolute Mehrheit in seinem Bundestagswahlkreis. Der Weg in den Rat schien sicher.

Doch da erhebt am Donnerstagabend im Gasthof Zur Eiche ein junger Mann den Arm, den Andres schon vor Monaten in die Knie gezwungen hatte. Henning Hofmann, 34 Jahre alt und Bezirksbürgermeister, wollte Spitzenkandidat der Buchholzer SPD werden, wurde aber von Andres im November verdrängt. Am Donnerstag nun meldet sich Hofmann zurück und bietet Andres im Kampf um Platz zwei der gemeinsamen Liste aus Buchholz und Kleefeld die Stirn. Wenige Minuten zuvor hat sich Andres bereits einer türkischstämmigen Frau, der 47-jährigen Belgin Zaman geschlagen geben müssen. Am Ende gewinnt Hofmann mit einer hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme die Wahl und beendet die kommunalpolitischen Ambitionen seines Konkurrenten.

„Menschen im Stadtbezirk und in der SPD haben mich dazu ermuntert“

In der SPD hat kaum einer damit gerechnet, dass Hofmann seinen Hut in den Ring wirft. „Menschen im Stadtbezirk und in der SPD haben mich dazu ermuntert“, sagt Hofmann. Manchen Genossen habe sein Husarenstück nicht gepasst, räumt er ein. Das zeige sich daran, dass er für die Wahl zur Bezirksratsliste ein denkbar schlechtes Ergebnis einfuhr. Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci appelliert jetzt an die Solidarität. „Beide Ortsvereine aus Kleefeld und Buchholz müssen im Wahlkampf zusammenstehen“, sagt er. Die SPD brauche Persönlichkeiten wie Andres und Hofmann.

Dennoch scheiden sich an beiden die Geister. Hofmann ist zwar als Bezirksbürgermeister in seinen Stadtteilen beliebt, er setzt sich vorbildlich für die Integration von Flüchtlingen ein, doch manche Genossen vermissen eine Bindung an die Partei. „Er inszeniert sich gern selbst“, sagt eine Sozialdemokratin.

Ein unerfüllter Wunsch

Andres erzählt, die Genossen in Kleefeld hätten ihn im Vorfeld gebeten, Bezirksbürgermeister zu werden, weil sie mit Hofmanns Auftreten nicht zufrieden seien. „Ich wollte aber für den Rat kandidieren“, sagt Andres. Diesen Wunsch wollten ihm die Kleefelder Sozialdemokraten nicht erfüllen. „Letztlich war es ein Votum gegen Andres, und nicht für Hofmann“, sagt ein Genosse.

Belgin Zaman glaubt, dass der Ärger vermeidbar gewesen wäre. „Andres hätte sich von Anfang an mit Platz zwei begnügen sollen“, sagt sie. Die Chance auf einen Einzug in den Rat wäre bei seiner Popularität nicht gering gewesen. „Letztlich hat sich Andres verrannt“, sagt ein Genosse.

Stationen einer Karriere

Gerd Andres kann auf eine steile politische Karriere zurückblicken. Der 65-Jährige gehört zu jenen SPD-Politikern aus der Gerd-Schröder-Generation, die nicht aus einem akademischen Umfeld stammen, sondern sich hochgearbeitet haben. Nach der Volksschule absolvierte Andres eine Lehre zum Maschinenschlosser. In der Abendschule erwarb er sich die Fachhochschulreife. Seinen Weg durch die Institutionen begann er als Gewerkschaftssekretär bei der IG Chemie, Papier, Keramik.

Seit 1968 ist Andres Mitglied der SPD. Zunächst engagierte er sich bei den Jusos, 1987 wurde er als hannoverscher Abgeordneter zum ersten Mal Mitglied des Bundestages. 22 Jahre gehörte Andres dem Bundestag an. Unter der Regierung von Kanzler Gerhard Schröder wurde Andres zum Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium ernannt. Als 2005 die Regierung Schröder eine Wahlschlappe hinnehmen musste und Angela Merkel an die Macht kam, blieb Andres Staatssekretär. Doch zwei Jahre später, als Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) zurücktrat, schied auch Andres aus dem Amt. 

   
Nicht ohne Stolz berichtet Andres, dass er stets als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag eingezogen sei. 2009 trat er aber nicht mehr an. Die SPD nominierte Kerstin Tack für seinen Wahlkreis. Sie schaffte es erneut, das Direktmandat zu holen.

Andres ist verheiratet und hat drei Kinder, die alle schon ausgezogen seien, wie er sagt.

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