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Dicker Ast kracht auf Auto – doch wer zahlt?

Gericht Dicker Ast kracht auf Auto – doch wer zahlt?

Ein dicker Ast einer Kastanie bricht ab und fällt auf ein Auto. Die Reparatur kostet 3600 Euro – doch wer soll die zahlen? Die Haftpflichtversicherung der WEG, auf deren Grundstück der Baum steht, weigert sich. Die Teilkaskoversicherung greift nicht. Auch die Stadt fühlt sich nicht verantwortlich.

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Der Ast der Kastanie fiel quer über die Sarstedter Straße auf das parkende Fahrzeug.

Quelle: privat

Hannover. Anwohner Rolf Marscholek aus der Sarstedter Straße in Mittelfeld ist bedient. Am 11. September dieses Jahres brach ein dicker Ast einer Kastanie ab, aus heiterem Himmel, und krachte auf seinen am Straßenrand geparkten Golf. Die Reparaturkosten für die Blech- und Lackschäden belaufen sich auf knapp 3600 Euro - doch die Frage ist, wer ihm diesen Betrag ersetzt. Weil der 71-Jährige bislang vergeblich auf eine befriedigende Antwort wartet, hat er einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

Die Haftpflichtversicherung der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG), auf deren Grundstück am Militscher Weg der angeknackste Baum steht, weigert sich zu zahlen. Der Hausmeister habe die Kastanie laufend Sichtprüfungen unterzogen und nichts zu beanstanden gehabt, insofern liege keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vor, sagt sie. Die Auto-Teilkaskoversicherung von Marscholek muss nicht für den Schaden eintreten, weil an jenem Septembersonntag kein Sturm über Windstärke 8 wehte. Und seine Vollkaskoversicherung möchte der Anwohner nicht bemühen, weil ihm dies eine Herabstufung um eine Schadensfreiheitsklasse und dementsprechend höhere Beiträge bescheren würde.

Als die Feuerwehr den Ast nach dem Bruch zersägte, erzählt Marscholek, hätten ihm Anlieger berichtet, dass die WEG schon vor geraumer Zeit eine Fällgenehmigung für die Kastanie beantragt habe. Der Baum sei als gefährdet angesehen worden, zumal er stark mit Efeu bewachsen ist. Diese Genehmigung habe die Stadt jedoch nicht erteilt.

Doch dieser Sachverhalt wird von der Stadtverwaltung anders dargestellt. 2015 sei tatsächlich ein Antrag zum Fällen von zwei Bäumen eingegangen, erklärte Pressesprecher Alexis Demos. Dieser sei zwar abgelehnt worden - jedoch sei es bei der Anfrage um zwei Birken gegangen, nicht um eine Kastanie. Erst Ende September 2016, also nach dem Astbruch, habe die WEG einen Antrag zur Fällung von zwei Birken und einer Kastanie gestellt; dieser werde derzeit noch geprüft. Anwohner versichern allerdings, dass vor einigen Monaten bereits zwei Birken gefällt wurden - gab es weitere Anträge oder geschah dies illegal?

Nach Auskunft von Demos könnte es sich bei dem Vorfall in der Sarstedter Straße um einen „Grünbruch“ handeln. Ein solches Ereignis trete oft spontan ein, ohne äußere Einflüsse wie Sturm oder Gewitter. Dass ein Baum einen vermeintlich gesunden Ast abwirft, sei jedoch vorab nicht zu diagnostizieren.

Rechtsanwalt Benjamin Schmidt will nun prüfen, bei wem er die Erstattung der Reparaturkosten von Rolf Marscholeks Golf geltend macht: bei der Haftpflichtversicherung der WEG oder bei der Stadt. Er will klären, ob hier nicht doch ein Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht vorliegt - und ob man wirklich nicht habe erkennen können, dass der starke Efeu-Bewuchs die Stabilität der Kastanie massiv gefährdet.

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