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Zur Entschädigung fehlt nur eine Minute

Flugreise Zur Entschädigung fehlt nur eine Minute

Weniger als eine Minute – diese Zeit fehlte zwei Urlaubern, um in den Genuss einer Entschädigung von 800 Euro zu kommen. Ihr Ferienflieger landete mit einer Verspätung von knapp drei Stunden im portugiesischen  Faro, genau genommen öffnete eine Flugbegleiterin die Außentür zur Gangway mit einem Verzug von zwei Stunden und 59 Minuten.

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Entscheidend ist der Zeitpunkt, an dem die Flugzeugtür geöffnet wird.

Quelle: Zgoll

Hannover. Rechne man für das Öffnen der Sicherheitstür noch einige Sekunden hinzu, so sagte die hannoversche Amtsrichterin Dagmar Frost am Donnerstag im Zuge eines Zivilprozesses, hätte der erste Passagier die Maschine immer noch vor Ablauf von drei Stunden verlassen können.

Ab drei Stunden Verspätung steht Reisenden laut Fluggastrechte-Verordnung – bei einer Distanz zwischen 1500 und 3500 Kilometer – eine Entschädigung von 400 Euro pro Person zu. Die Maschine, mit der das Stuttgarter Ehepaar im Juni 2015 in die Sonne fliegen wollte, sollte um 7.55 Uhr in Faro landen. Wie die beiden später zu Protokoll gaben, hätten sie ihr Ziel aber erst um 11.15 Uhr erreicht, also mit deutlich mehr als drei Stunden Verzug. Allerdings blieb ihr Anwalt Gerhard Suhren am Donnerstag trotz mehrerer Nachfragen die Antwort schuldig, wo und wie die beiden diese Ankunftszeit ermittelt hatten. Das Fluglogbuch des Jets wies jedenfalls nur eine Ankunftsverspätung von 2 Stunden und 59 Minuten aus.

Wann genau ist ein Flugzeug gelandet? Für die International Air Transport Association (IATA) ist dies der Zeitpunkt, an dem eine Maschine ihre Parkposition erreicht, manche Verordnungen nennen auch das erste Aufsetzen der Räder auf der Landebahn. Doch der Europäische Gerichtshof (EuGH) kam den Verbrauchern im September 2014 ein Stück entgegen: Er urteilte, dass eine Ankunft im Sinn der Fluggastrechte-Verordnung für den Zeitpunkt steht, an dem mindestens eine Außentür geöffnet ist und der erste Fluggast die Maschine verlassen kann.

„Es weiß doch jeder, dass das so nicht funktioniert: Die Tür geht auf und man fällt raus“, argumentierte Rechtsanwalt Suhren. Doch laut Richterin Frost spielt es keine Rolle, ob die Stuttgarter in Reihe 1 oder Reihe 37 saßen – sie halte sich an das Urteil des EuGH. Zur Dauer des Öffnens einer Flugzeugtür habe ihr das Luftfahrtbundesamt mitgeteilt, dass dieser Vorgang durchschnittlich 36 Sekunden brauche. Sie selbst habe aufgrund eigener Ermittlungen bei zwei Flügen festgestellt, dass das Öffnen sogar nur 10 Sekunden gedauert habe. Die Kläger könnten beim Luftfahrtbundesamt aber gern ein Gutachten in Auftrag geben, um die Türöffnungszeiten zu überprüfen – allerdings koste dies 5000 bis 6000 Euro.

Das rechne sich nicht, meinte Gerhard Suhren, und verzichtete auf die Expertise. In einer Woche wird Richterin Frost ihr Urteil verkünden – doch es ist offenkundig, dass das Ehepaar keinen Cent Entschädigung kassieren wird. Dieses Schicksal würde es dann mit zwei anderen Passagieren des Flugs Stuttgart-Faro teilen, deren Schadensersatzforderungen das Amtsgericht Hannover bereits abgeschmettert hat.

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