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Mit Pixi-Büchern für Missbrauch sensibilisieren

Geschichten übers Neinsagen

Von Bärbel Hilbig

Pixi-Bücher kennt und liebt wohl fast jedes Kind. Das wollen sich jetzt die Ärztekammer, das Innenministerium und weitere Mitstreiter aus Niedersachsen zunutze machen. Mit zwei neuen bunten Minibüchern soll das Selbstvertrauen von Kindern im Vorschulalter gestärkt werden – damit sie sich rechtzeitig an Vertrauenspersonen wenden, wenn andere Erwachsene sich ihnen gegenüber merkwürdig und unangemessen verhalten.
Foto: Erste Begutachter der Minibücher: Suvelli, Hannah und Christoph von der Internationalen Schule.

Erste Begutachter der Minibücher: Suvelli, Hannah und Christoph von der Internationalen Schule.

© Martin Steiner

Hannover. Kinder vor Missbrauch zu schützen, ohne sie dabei mit dem Thema  direkt zu konfrontieren und zu ängstigen, ist schwierig. „Die Frage, was geschehen kann, sind wir in den Büchern sehr vorsichtig angegangen“, sagt Frank Kühne, Programmleiter beim Carlsen Verlag. Das Pixi-Buch „Lena sagt Nein!“ richtet sich an Mädchen, für Jungen gibt es „Ben sagt Nein!“. In beiden Geschichten will ein Bekannter der Familie das Kind fotografieren und nutzt die Situation für die Annäherung. Den Pixi-Buch-Kindern behagt das nicht, sie haben ein ungutes Gefühl und verweigern Foto und Gespräch.

Die beiden Büchlein sind nicht im Handel erhältlich. In Niedersachsen werden Kinderärzte sie bei den Untersuchungen U-7a bis U-9 für Drei- bis Fünfjährige den Eltern schenken. Auch in den Kinderkliniken werden die Bücher verteilt. „Wir wollen mit den Eltern über das Thema ins Gespräch kommen“, sagt Gisbert Voigt, Vizepräsident der Ärztekammer und selbst Kinderarzt. Er kritisiert die zunehmende Sexualisierung des Alltags. „Selbst kleine Kinder werden bereits mit Nagellack und Haarstyling als besonders attraktiv präsentiert.“

Der Carlsen Verlag hat die Bücher gemeinsam mit Landeskriminalamt, Deutschem Kinderschutzbund, Ärztekammer und den niedersächsischen Ministerien für Kultur, Soziales und Inneres entwickelt. Die Herausgabe der Pixi-Bücher ist eine Aktion des Bündnisses White IT, das seit 2009 versucht, Kindesmissbrauch einzudämmen. Das Bündnis, zu dem auch etliche IT-Firmen gehören, suchte zunächst nach technischen Möglichkeiten, kinderpornografische Inhalte im Internet zu sperren. Inzwischen ist die Vorbeugung vor den Taten selbst in den Vordergrund gerückt. Innenminister Uwe Schünemann kündigte an, dass die Geschichten von Ben und Lena für ältere Kinder fortgesetzt werden. Außerdem sind Übersetzungen in andere Sprachen wie Englisch, Türkisch und Kroatisch geplant.

Die Erstauflage umfasst insgesamt 35 000 Exemplare, je zur Hälfte Mädchen- und Jungenbücher. Die Ärztekammer verteilt zunächst 5000 Bücher, andere Sponsoren wie die Techniker Krankenkasse und die Firma Fujitsu verfügen jeweils über das gleiche Kontingent und stellen die Bücher Mitarbeitern oder Kunden zur Verfügung. Mittelfristig will der Carlsen Verlag die Bücher in sein Programm übernehmen.

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