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Das sollten Sie aus dem Urlaub nicht mitbringen

Zoll Hannover klärt auf Das sollten Sie aus dem Urlaub nicht mitbringen

Sommerzeit ist Reisezeit. Aber Vorsicht: "Viele Menschen bringen mehr mit nach Deutschland zurück, als sie dürfen", warnt Hans-Werner Vischer vom Zoll Hannover. Ein Gespräch über Muscheln, Schmuggel, Mehrwertsteuer und darüber, welche Urlaubsandenken nicht erlaubt sind.

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Von Raubtierfellen bis 
Schuhen aus Krokodilleder: Geschützte Tiere dürfen 
nicht mit nach Deutschland gebracht 
werden – egal ob tot, lebendig, 
ganz oder in Teilen. Hans-Werner Vischer vom Zoll Hannover zeigt, was nicht erlaubt ist.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Herr Vischer, "Sommerzeit ist Reisezeit" schreibt der Zoll in einer Pressemitteilung. Ist Reisezeit nicht eher Schmuggelzeit? Sehr viel dürfen Urlauber aus Ländern ja nicht mitbringen, wenn sie nicht zur EU gehören.
Schmuggelzeit würde ich nicht sagen. Viele Menschen machen aus Unwissenheit Fehler und bringen mehr mit nach Deutschland zurück, als sie dürfen.

Zur Person

Hans-Werner Vischer ist Pressesprecher des Zolls Hannover. Zu den Sommerferien rät er Urlaubern, sich vorher schlau zu machen über Erlaubtes und Unerlaubtes. Als Grundsatz gilt: Was in Deutschland nicht erlaubt ist, darf nicht mitgebracht werden. Bestimmte Kampfhunde zum Beispiel, verfassungsfeindliche Schriften und nicht zugelassene Medikamente.

Das ist diplomatisch formuliert. Was ist denn erlaubt, ohne dass Gebühren fällig werden?
Bleiben wir einmal bei Ländern außerhalb der EU. Da dürfen es zum Beispiel 200 Zigaretten sein und ein Liter Alkohol, falls die Person mindestens 17 Jahre alt ist. Andere Waren, zum Beispiel Textilien oder Unterhaltungselektronik, dürfen nur einen Wert von höchstens 430 Euro haben.

Da sind zwei Flaschen Wein oder ein Tablet aus den USA schon mehr, als der Zoll erlaubt. Das wird doch locker im Koffer versteckt und im Flugzeug über die Grenze geschafft, oder?
Man sollte sich nicht täuschen. Wir haben die Möglichkeit, Gepäck zu röntgen, das kriegen Reisende nicht immer mit. Zigaretten kann man gut im Gepäck erkennen, ebenso Waffen, die schimmern so bläulich. Das sind natürlich nur Stichproben, mehr könnten wir technisch nicht schaffen. Lückenlose Kontrollen sind aber auch nicht gewollt.

Was ist, wenn Reisende zulässige Mengen überschreiten?
Kommt drauf an. Eine Stange Zigaretten, also 200 Stück, kostet sie bei der Einreise 38 Euro, Alkohol 6,80 Euro je Liter.

Was passiert, wenn ein Urlauber etwa einen Tabletcomputer für 700 Euro einführen will?
Dann wird eine Abgabe von 17,5 Prozent fällig. Sind Waren teurer als 700 Euro, wird nach dem Zolltarif versteuert, der ist je nach Ware unterschiedlich hoch. 12 Prozent auf Textilien zum Beispiel oder 74,9 Prozent auf Tabak für Wasserpfeifen, immer vom Kaufpreis gerechnet. Dazu kommt noch Einfuhrumsatzsteuer, das sind nochmal 19 Prozent. Ein Tablet ist zollfrei, wir erheben aber 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Das heißt, der Tabak kostet bei der Einreise fast noch einmal so viel wie beim Kauf im Ausland?
Ja, Tabak ist teuer.

In der Asservatenkammer des Zolls sammeln sich zahlreiche skurrile Dinge, die Reisende an der Grenze abgeben mussten. Ein Affenschädel zum Beispiel.
Ja, Artenschutz, da wird auch viel falsch gemacht von Touristen. Manchmal bringen sie Muscheln vom Strand mit und wundern sich, wenn wir das konfiszieren. Die Leute sagen dann, die seien doch schon tot gewesen, aber das ist egal. Geschützt ist geschützt, auf den Zustand kommt es nicht an.

Tot oder lebendig oder in Teilen?
Genau, deshalb dürfen zum Beispiel Schuhe aus Krokodilleder nicht nach Deutschland mitgebracht werden.

Viele Urlauber kaufen im Ausland Imitate von Markenprodukten. Können sie so etwas mit nach Hause bringen?
Grundsätzlich schon. Erst bei Mengen, die wohl kaum für den privaten Gebrauch gedacht sind, greifen wir zu. Das erreicht dann aber oft bereits kriminelle Dimensionen. Wer braucht schon 200 
T-Shirts, die er für zwei Euro gekauft hat?

Können Urlauber und Reisende beliebig viel Bargeld mitnehmen oder einführen?
Bis zu einer bestimmten Summe. Wer mehr als 10 000 Euro dabei hat, muss das angeben. Tut er es nicht, sind empfindliche Strafen möglich. Das ist nötig, um Geldwäsche zu verhindern.

Bis jetzt haben wir über Regeln für Länder außerhalb der EU gesprochen. Gelten sie im Grundsatz auch für Staaten der Europäischen Gemeinschaft, inklusive Großbritannien?
Innerhalb der EU sind keine Zollkontrollen vorgeschrieben. Trotzdem gibt es Bestimmungen, die etwa die Einfuhr von Zigaretten auf 800 Stück, Alkohol auf zehn Liter oder Kaffee auf zehn Kilogramm beschränken.

Wie ergiebig sind denn Kontrollen des Zolls?
Im letzten Jahr haben wir am Flughafen Langenhagen 190 000 Zigaretten sichergestellt und für Waren über den erlaubten Mengen 380 000 Euro Abgaben gefordert. Ach so: und drei Tonnen Lebensmittel aus Drittländern. Die kommen in Spezialtonnen und dann zur Müllverbrennung.

Interview: Gunnar Menkens

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