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Aus der Stadt Gestohlene Stradivari ist wieder da
Hannover Aus der Stadt Gestohlene Stradivari ist wieder da
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22:19 09.09.2009
Am Dienstag stellte die Polizei Stradivari-Geige sicher. Quelle: Tim Schaarschmidt

Es war ein millionenschwerer Diebstahl und die Beute weltberühmt. Das Verschwinden der Stradivari vom Rittergut Bennigsen, dem Wohnsitz von Freiherr Roderic von Bennigsen und seiner Frau, der Geigerin Jeanne Christée, sorgte im vergangenen Oktober rund um den Globus für Schlagzeilen. Gut zehn Monate nach der Tat haben Beamte des Spezialeinsatzkommandos am Dienstag zwei Tatverdächtige in Linden festgenommen – und das wertvolle Instrument von Jeanne Christée mit einem Versicherungswert von 1,5 Millionen Euro unbeschädigt sichergestellt. Die Polizei vermutet, dass die wertvolle Beute den Raum Hannover seit der Tat nicht verlassen hat, möglicherweise die gesamte Zeit in einer unscheinbaren Wohnung in der Bardowiecker Straße in Linden lagerte.

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch bekannt gaben, standen verdeckte Ermittler bereits seit Wochen in Kontakt mit den Tätern und fädelten erfolgreich ein Scheingeschäft ein. Für 500.000 Euro – so gaben die Beamten vor – wollten sie die gesamte Beute, darunter die Stradivari-Geige sowie eine Wagenladung Antiquitäten und Silberwaren im Wert von nochmals rund 1,5 Millionen Euro erwerben. „Uns war klar, dass die Täter versuchen würden, ihre Beute zu Geld zu machen“, sagte Harry Blome vom Zentralen Kriminaldienst. In Kunst- und Musikforen im Internet hätten die Ermittler gezielt auf den Diebstahl hingewiesen und um Hinweise gebeten. Bereits im Juli gab ein Szenekenner den entscheidenden Tipp und brachte die Beamten auf die Spur der Diebe.

Nach der Kontaktaufnahme bereiteten die Täter am Dienstag die Übergabe der heißen Ware vor und verfrachteten sie am helllichten Tage in der Bardowiecker Straße in einen Transporter. Zu dem von ihnen erhofften Abschluss des Geschäfts sollte es nicht kommen. Um 17.21 Uhr überwältigten Beamte des Spezialeinsatzkommandos die beiden 56- und 43-jährigen Männer. Beide stammen aus dem Kosovo und sind seit Jahren in Hannover gemeldet. Ein Richter ordnete am Mittwoch Untersuchungshaft für sie an, die Festgenommenen schweigen zu den Vorwürfen. Noch am Dienstag durchsuchte die Polizei weitere Wohnungen in Vinnhorst und in der Innenstadt. Unter anderem stellten die Ermittler zwei Computer sicher. Durch die Auswertung der Daten erhoffen sie sich Hinweise auf zwei flüchtige Mittäter im Alter von 33 und 37 Jahren. Die Männer sind ebenfalls in Hannover gemeldet.

Offen ist bisher, ob die Diebe wussten, welch wertvolles Instrument ihnen in die Hände fallen würde, als sie am Abend des 17. Oktober 2008 durch ein Fenster in das Wasserschloss des Ritterguts Bennigsen eindrangen. Nach den Erkenntnissen der Polizei bereiteten sie ihre Tat zwar genauestens vor. Als professionelle Kunstdiebe sind sie jedoch nicht bekannt. „Alle vier haben bereits Einbruchsdiebstähle begangen, bisher aber in einer anderen Liga gespielt“, sagte Polizeisprecher Stefan Wittke. Sie seien in normale Wohnhäuser eingestiegen. Völlig ausschließen wollen die Ermittler allerdings nicht, dass die Bande womöglich auch in der Vergangenheit schon in andere spektakuläre Diebstähle verwickelt gewesen sein könnte.

Die Besitzer der Stradivari und der anderen gestohlenen Objekte zeigten sich gestern überaus zufrieden mit dem Erfolg der Polizei. „Meine Mandanten sind sehr erleichtert und erfreut“, sagte Carsten Fricke, Rechtsanwalt der Familie von Bennigsen. Er teilte mit, dass Ehepaar wolle sich nicht persönlich äußern. „Der Vorfall und die Zeit der Ermittlungen waren für sie sehr belastend.“ Das Ehepaar habe bereits seit einigen Wochen gewusst, dass die Ermittlungen gut vorangehen. Bisher habe der Freiherr die sichergestellten Gegenstände nicht begutachten können. „Somit ist noch nicht klar, ob wirklich die komplette Beute wieder aufgetaucht ist“, sagte Fricke.

Bis Roderick von Bennigsen die Familienerbstücke auf seinem Gut entgegennehmen kann, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Die Polizei geht davon aus, dass die Ermittlungen noch Wochen andauern werden. Seine Gattin ist indes gar nicht mehr die Eigentümerin der Stradivari. Jeanne Christée hat sich die Versicherungssumme in Höhe von 1,5 Millionen Euro bereits auszahlen lassen. Somit gehört das wertvolle Stück nun dem Versicherungskonzern. Instrumenten-Liebhaber sollen bereit sein, für eine Stradivari einen Preis zu zahlen, der weit über dem Marktwert liegt.

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