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Aus der Stadt Gibt es in Hannover die grüne Welle oder nicht?
Hannover Aus der Stadt Gibt es in Hannover die grüne Welle oder nicht?
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16:19 22.01.2010
In Hannovers City wie hier in der Schillerstraße kommt es regelmäßig zu Staus und Wartezeiten. Quelle: Christian Behrens (Archiv)

Durchschnittlich 25 Kilometer pro Stunde brachte das Protokoll des HAZ-Tests zur grünen Welle in Hannover mittags auf der Podbielskistraße. Auf der Vahrenwalder Straße, wo am Stadtrand teilweise Tempo 70 gilt, waren es fast zur gleichen Zeit sogar durchschnittlich 37 km/h. Und im Berufsverkehr morgens gegen 8 Uhr kam unsere Testfahrt auf der Vahrenwalder Straße zum Traumergebnis von immerhin gut 31 Stundenkilometern – bei dieser Fahrt zwischen den Haltestellen Berliner Platz (Langenhagen) und Werderstraße nahe der Stadtmitte war das Auto zur Überraschung aller Beteiligten sogar der mit Vorrangschaltung ausgestatteten Stadtbahn deutlich überlegen und kam gut eine Minute früher ins Ziel. Wer aber mit dem Auto viel unterwegs ist, der weiß: Solche Traumwerte sind nicht immer gegeben auf Hannovers Straßen.

Jetzt diskutiert Hannover wieder über das Konzept der grünen Welle, seit Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) neue Vorschläge zur „Verflüssigung des Verkehrs“ erbeten hat, als er zur Freude vieler Bürger die jüngste Stufe der Umweltzone ins Visier genommen hat. Grüne Welle, das bedeutet möglichst freie Fahrt auf den Hauptverkehrsstraßen und schlimmstenfalls lange Wartezeiten auf den Nebenstraßen, wenn sich Autos in den Hauptstrom einfädeln wollen. Verkehrsplaner arbeiten bereits mit neuen, sogenannten adaptiven Modellen, bei denen ganze Pulks von Autos auf ihrem Weg quer durch die Stadt identifiziert werden. So sollen auch Autoströme von Nebenstraßen besser behandelt werden. Nötig ist das immer dann, wenn mittelgroße Straßen sich mit großen Straßen kreuzen – in Hannover wäre das etwa an den Knotenpunkten von Niedersachsenring mit Vahrenwalder Straße oder Altenbekener Damm mit Hildesheimer Straße.

Die Technik ist allerdings kompliziert und teuer . Wer beobachtet, wie häufig schon die Induktions- und GPS-Technik der hannoverschen Vorrangschaltungen hapert, indem sie zum Beispiel Bussen grünes Signal gibt, obwohl die eine Kreuzung längst passiert haben, oder mehrfach hintereinander Stadtbahnen bevorzugt, was angeblich gar nicht gehen soll, der ahnt, dass es auch mit den Wolken-Wellen in der Praxis nicht ganz so einfach wird. Metropolen wie Hamburg und Berlin haben zwar Fachberichten zufolge bis zu 20 Prozent Fahrzeiten mit der Technik eingespart. Allerdings war ihre Ampeltechnik zuvor auf einem völlig veralteten Stand. Hannovers Verkehrstechnik dagegen gilt wegen der Expo-Investitionen im Bundesvergleich als hochmodern, eine Erneuerung würde daher deutlich geringere Effekte zeitigen.

Hannover setzt hingegen seit einem Ratsbeschluss von 1971 auf das Bevorrechtigungskonzept für den öffentlichen Nahverkehr. Das tun bundesweit inzwischen fast alle Städte, weil bestimmte Förderprojekte an Vorrangschaltungen für Busse und Bahnen geknüpft waren. In Hannover aber wird, ähnlich wie Freiburg, Karlsruhe oder Stuttgart, dem öffentlichen Nahverkehr eine besonders hohe Priorität eingeräumt. „Keine absolute Priorität“, wie üstra-Sprecher Udo Iwannek betont: „Es geht noch schärfer.“ Aber die Priorität ist durchaus spürbar.

Im HAZ-Test vom Donnerstag etwa war eindeutig zu registrieren, dass die Stadtbahnen den Autoverkehr auf den Hauptverkehrsstraßen regelrecht „mitziehen“. Ganze Pulks von Autos gleiten dann förmlich auf einer grünen Welle mit der Bahn durch die Stadt. Wenn die Stadtbahn aber an Haltepunkten stoppt, kommt auch der Autopulk zum Stehen – und dieselt Abgase in die Stadtluft. Und wer das Pech hat, auf Nebenstraßen zu stehen, dem beschwert die Vorrangschaltung ähnlich wie eine grüne Welle immer wieder lange Wartezeiten. Spürbar ist das etwa an der Einmündung der Klingerstraße in die Podbi oder an der Kreuzung von Niedersachsenring mit der Vahrenwalder Straße. Besonders schlimm ist es an der Kreuzung von Marienstraße mit Berliner Allee und Sallstraße. Dort verkehrt die stark frequentierte Buslinie 121 und bringt den übrigen Verkehr häufig lange zum Erliegen – nervige Rückstaus sind die Folge.

Es geht auch anders. Hannover kann durchaus auch grüne Wellen schalten. Der Beweis spielt täglich auf der Hildesheimer Straße. Wer dort strikt 50 fährt und mit dem jeweiligen Pendlerstrom morgens stadteinwärts, nachmittags stadtauswärts fährt, der gleitet auf einer freigeschalteten Welle durch die Stadt – wenn kein Pakettransporter die rechte Spur blockiert oder eine große Zahl Linksabbieger die linke.

Die Welle an der Hildesheimer Straße funktioniert aber nur dort, wo die Stadtbahn unterirdisch fährt. Südlich des Döhrener Turms gilt wieder das Prinzip der Vorrangschaltungen. Nach Meinung der Üstra schließen sich Vorrangschaltungen und Grüne Wellen aber nicht aus, wie Sprecher Iwannek sagte. Über die Grundsätze zur „Verflüssigung des Verkehrs“, wie der Umweltminister es wünscht, soll nun ja noch einmal gesprochen werden.

Von Conrad von Meding

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