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Girokarte mit eingebautem Risiko

Kritik an Funkchip Girokarte mit eingebautem Risiko

Immer mehr Experten warnen vor neuem Funkchip „girogo“. Verbraucherschützer fordern mehr Sicherheit.

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Werbung für den Großversuch Hannover: Auch am Hauptbahnhof wirbt die Deutsche Kreditwirtschaft für das schnelle Bezahlen mit „girogo“.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat die Kreditinstitute aufgefordert, die Sicherheitstechnik bei den neuen Girokarten mit dem Funkchip „girogo“ nachzubessern. Außerdem vermisst die Verbraucherzentrale eine Aufklärung über die Sicherheitsrisiken, sagte der für Finanzdienstleistungen zuständige Referatsleiter, Andreas Gernt. „Wir sind überrascht, wie leicht es offenbar ist, Daten von der Karte auszuspähen“, sagte Gernt. Die Verbraucherzentrale sei gegenüber „girogo“ keineswegs negativ eingestellt gewesen, betonte er. Denn die Karte biete auch Vorteile, weil man damit  kleinere Beträge in Geschäften bargeldlos und ohne Geheimzahl begleichen kann.

Wie berichtet hat der Landesdatenschutzbeauftragte Joachim Wahlbrink erhebliche Sicherheitsbedenken gegen die neue Karte. Denn die mit dem Funkchip ausgerüsteten Karten könnten zu leicht von Betrügern ausgelesen und missbraucht werden, sagt Wahlbrink. Im Gegensatz zur Sparkasse Hannover hat die Hannoversche Volksbank diese Auslesefunktion gesperrt. Bislang haben 170.000 Sparkassenkunden die neue Karte bereits erhalten, die Volksbank hat 50.000 verschickt. Die Sparkasse Hannover wollte auch gestern nichts zu den Sicherheitsbedenken sagen.

„Die vernünftigste Lösung wäre ein Optionsmodell“, sagt Michael Ebeling, vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. Dann könnten die Kunden von Banken und Sparkassen selbst wählen, ob sie ein Karte mit oder ohne den neuen Funkchip haben wollen. Diese Wahlmöglichkeit ist aber weder bei der Volksbank noch bei der Sparkasse vorgesehen. Wenn Kunden Sicherheitsbedenken hätten, bräuchten sie auf den Chip kein Geld laden, sagte gestern eine Sprecherin der Sparkasse. Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass die Daten des Chips auch dann ausgelesen werden können.

Namen oder Kontonummer sind dabei zwar nicht erkennbar, Ebeling spricht aber dennoch von einer „bedrohlichen Situation“. „Jeder Funkchip ermöglicht das unbemerkte Auslesen der Chipnummer, und die wiederum kann über die vielen Datenbanken mit anderen Daten verknüpft werden“, sagt er. Auch könnten so Bewegungsprofile erstellt werden, wer sich wo mit wem getroffen habe. „Das ist nicht mehr kontrollierbar“, sagt er. Und wenn Geld auf dem Chip gebucht sei, dann könnten Hacker Möglichkeiten finden, an dieses Geld heranzukommen. Der Datenschutzexperte weist noch auf eine weitere Gefahr hin, die beim Bezahlen mit „girogo“, aber auch mit der EC-Karte und Kreditkarte bestehe. Handelsunternehmen könnten so penible Daten über das Einkaufsverhalten der jeweiligen Kunden sammeln und verwenden. „Diese Daten sind wertvoll“, sagt er. Sie könnten zum Beispiel an Krankenversicherungen für viel Geld verkauft werden.

Nach Angaben des Datenschutzbeauftragen können die Daten aus den neuen Karten mit einfachen Geräten ausgelesen werden, die sich mit Bauteilen aus dem Elektrofachhandel zusammenbauen lassen. Dies sei dann auf eine Entfernung von einem halben Meter oder mehr problemlos möglich. Gefährlich seien aber auch frei verfügbare Apps für Smartphones, die der Sparkassenverband selbst herausgegeben hat. Gedacht sind die Apps eigentlich zur Selbstkontrolle, aber auch jede andere „girogo“-Karte kann damit ausgelesen werden. Voraussetzung ist, dass das Smartphone nah genug an die Karte gehalten werden kann, berichtet der Experte des Computermagazins „c’t“, Axel Kossel. Unter anderem ist dann der auf dem Chip vorhandene Betrag zu erkennen, die letzten 15 Bezahlvorgänge und die vorherigen drei Ladevorgänge.
Um sich gegen das Auslesen zu Schützen, wissen die Experten nur einen Rat. Die Karte müsste in eine Spezialhülle gesteckt werden, die den Datenzugriff unmöglich macht. 

Bis zu 200 Euro passen auf den Chip

Die neue Girokarte mit dem Funkchip „girogo“ wurde Ende März in Hannover vorgestellt. Im Großraum Hannover, der in diesem Fall bis Braunschweig reicht, läuft derzeit ein Großversuch der Deutschen Kreditwirtschaft. Der neue Chip soll die bisherige Geldkarte ersetzen, die von den Kunden kaum angenommen wurde. Bezahlt werden können mit der neuen Karte Beträge bis zu 20 Euro, das Bezahlen ist einfach und funktioniert in Sekundenschnelle. Die Karte muss nur vor ein Gerät von der Größe einer Zigarettenschachtel gehalten werden. Die Karte muss aufgeladen sein, maximal können 200 Euro geladen werden.

Die Zahl der Geschäfte, in denen man sie einsetzen kann, ist überschaubar. Unter anderem beteiligen sich Edeka-Märkte, Esso-Tankstellen, der Discounter Netto und die Douglas-Gruppe (Parfümerien, Confiserie Hussel, Buchhandel Thalia). Für die Händler ist „girogo“ im Vergleich zu anderen elektronischen Bezahlformen günstig. Bis fünf Euro zieht die Bank einen Cent von der Rechnung ab, bei 10 Euro sind es zwei Cent, bei höheren Beträgen drei Cent.

Matthias Klein/mak

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