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Trinkbecher aus dem Mittelalter gefunden

Archäologische Grabungen Trinkbecher aus dem Mittelalter gefunden

Die archäologischen Grabungen auf dem Marstall sind abgeschlossen. Viele bedeutende Relikte aus Hannovers mittelalterlicher Vergangenheit haben die Forscher zutage gefördert, darunter ein gläserner Trinkbecher. Erste Ergebnisse präsentierten die Archäologen am Mittwochabend im Historischen Museum.

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Schaufel für Schaufel legen Archäologen auf dem Marstall Relikte aus Hannovers Vergangenheit frei.

Quelle: Florian Petrow

Hannover. „Die Stadtgeschichte muss nicht neu geschrieben werden, aber wir haben ein paar ergänzende Hinweise bekommen“, sagt Friedrich-Wilhelm Wulf, Bezirksarchäologe vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. So habe man auf der westlichen Ausgrabungsstelle die Reste eines Kellers gefunden sowie Anzeichen für einen weiteren Stadtgraben entdeckt. Das bedeutet: Ein Wohnhaus wurde damals abgerissen, um eine Verteidigungsanlage zu bauen.

Zudem stießen die Forscher im Westen des Marstalls auf Keramiken aus dem 13. und frühen 14. Jahrhundert, etwa Töpfe und Kannen. „Teller gab es damals noch nicht“, sagt Wulf. Bedeutendster Fund sind die Scherben eines Trinkbechers aus rotem Glas. Eine genauere Untersuchung ergab, dass der Becher vermutlich aus dem Rheinland stammte. Dort habe man bereits solch hochwertiges Glas herstellen können, wie es der Fund in Hannover aufweist.

Von ästhetischem Reiz ist eine gut erhaltene, verzierte Ampulle aus Blei, wie sie Pilger im Mittelalter um den Hals trugen. "Die Flasche dürfte mit geweihtem Wasser gefüllt sein", vermutet Archäologe Markus Brückner. Auch entdeckten die Archäologen Schmelztiegel und Schlacken im Erdreich. Das deutet auf eine ehemalige Metallgießerei hin. "Weitere Scherben aus vorchristlicher Zeit haben wir gefunden", sagt Brückner. Das zeige, dass es bereits in römischer Kaiserzeit in der Nähe Siedlungen gegeben haben muss.

Vor einigen Monaten hatten die Forscher im Osten des Platzes (Bereich Hohes Ufer) die Reste eines Fachwerkhauses aus dem 17. Jahrhundert entdeckt. Dabei handelte es sich um ein Armen- und Waisenhaus, gestiftet im Jahr 1642 vom Unternehmer Johann Duve. Allerlei kuriose Alltagsgegenstände schaufelten die Forscher frei, darunter 31 Mini-Nachttöpfe. „Jetzt folgt die wissenschaftliche Bearbeitung der Funde“, sagt Wulf. Er könne sich vorstellen, dass manche Relikte nach der Restauration in einer Vitrine im Historischen Museum ausgestellt werden.

Anlass für die archäologischen Grabungen sind zwei Bauprojekte jeweils im Osten und Westen des Marstalls. Direkt am Hohen Ufer (Westseite des Platzes) schafft die städtische Immobilientochter GBH 25 Wohnungen in einem Neubau. Am Ostende des Marstalls errichtet die Strabag ein Büro- und Wohnhaus. Dort soll auch ein Restaurant mit asiatischer Küche einziehen. Der Platz selbst verändert ebenfalls sein Gesicht. Die Stadt lässt neues Natursteinpflaster verlegen und frisches Grün anpflanzen. Ästhetischer Höhepunkt ist ein beleuchtetes Wasserspiel mit Nebeldüsen im östlichen Bereich.

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