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"Die Kinder sagen, ich höre jetzt besser zu"

Lesung "Die Kinder sagen, ich höre jetzt besser zu"

Eloquent, pointiert, aber zuweilen auch nachdenklich: Gregor Gysi, ehemaliger Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, hat im Gespräch mit dem langjährigen HAZ-Redakteur Klaus Wallbaum in der Buchhandlung Decius gestern seine Stärken unter Beweis gestellt. 

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"Vielleicht als Kanzler?": Gregor Gysi im Gespräch mit dem langjährigen HAZ-Redakteur Klaus Wallbaum bei Decius.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Aus Spitzenämtern in der Politik hat sich Gregor Gysi sich verabschiedet – vorerst. Reden kann er, das weiß man. Gysis Ruf als Schreiber ist nicht ganz so gefestigt, deshalb hat er für sein jüngstes Werk „Ausstieg links“ die Form des Gesprächs gewählt und sich vom Journalisten Stephan Hebe interviewen lassen. Da ist es nur konsequent, dass er auch bei seiner Lesereise nicht liest, sondern die dialogische Form wählt und sich einen Gesprächspartner aufs Podium holt. Wallbaum ahnte, was ihm drohte: „Ich werde wohl kaum zu Wort kommen“, sagte er zu Beginn. Es kam dann aber doch anders.

Mit dem Journalisten Klaus Wallbaum spricht der Politiker über sein Leben. 

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Gysis Kunst ist ja, dass er auf verschiedene Weisen zu antworten versteht. Fragt der Moderator etwa nach Gysis Haltung zu Sahra Wagenknecht, bekommt er erst eine flapsige Antwort („Naja, Humor ist ihre Sache ja nicht“), womit das Publikum schon mal unterhalten ist. Dann aber holt Gysi aus, spannt einen weiten Bogen, ist irgendwann bei Tsipras in Griechenland und dann bei Karsai in Afghanistan, den er allerdings am Mittag in Iserlohn getroffen habe – und kommt dann trotzdem wieder auf den Punkt zurück zur Frage. Das ist rhetorische Kunst.

Wer Enthüllungen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Gysi war charmant und antwortete brav auch mehrfach, wenn Wallbaum ihm etwa zu entlocken versuchte, ob er nicht doch nochmal in Spitzenämter zurückkehren wolle („Naja, wenn sie sagen, sie haben keinen, der Kanzler kann, dann vielleicht aber eigentlich erst mal nicht.“). Dafür erfuhr man Persönliches: „Die Kinder sagen, ich höre jetzt besser zu“. Dass der Bundestagsabgeordnete mit dem Schwinden der Verantwortung ruhiger geworden sei, auch wenn die Terminflut eher zugenommen habe („Ich kann schlecht Nein sagen.“). Er sei „fest entschlossen, das Alter zu genießen“, sagte Gysi. Zugleich aber wolle er sich weiter einmischen. Im Raum war wohl keiner, der das nicht glaubte.

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