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Aus der Stadt Grillverein erfüllt Wünsche von Obdachlosen
Hannover Aus der Stadt Grillverein erfüllt Wünsche von Obdachlosen
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10:01 23.12.2015
Von Uwe Janssen
Etwas Warmes: Grillexperte Horst Waizenegger (l.) erfüllt mit seinem Verein Charcoal Street BBQ Obdachlosen Wünsche auf dem Georgsplatz. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Am Anfang war die Wurst. Und das Steak. „Barbecue“, sagt Horst Waizenegger, „ist eine Lebenseinstellung.“ Waizenegger grillt. Gern und oft. Aber irgendwann reichte ihm das nicht mehr. Die Facebook-Gruppe, in der er sich mit Gleichgesinnten austauschte, entwuchs schon bald dem Netz, man traf sich, zum Grillen – klar. Aber das war es auch noch nicht. „Wir wollten zeigen, was man mit Grillen alles bewegen kann“, sagt Waizenegger. Sie gründeten einen Verein, und nun stehen sie an einem verregneten, aber milden Dienstag vor Weihnachten auf dem Georgsplatz, und hannoversche Obdachlose können wärmstens nachfühlen, was Grillen so alles bewegen kann.

Denn der Verein Charcoal Street BBQ, aus dessen Namen man auch Wohltätigkeit herauslesen kann, hat bei  einer Grillaktion für Obdachlose in der HDI-Arena nicht nur Essen verteilt, sondern in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Asphalt“ auch Wunschzettel schreiben lassen – und erfüllt die Wünsche nun. Auf dem Georgsplatz geben die Vereinsmitglieder Schlafsäcke, dicke Jacken, warme Schuhe, Handschuhe, aber auch Campingkocher, Rucksäcke, 96-Trikots und Eintrittskarten für Spiele in der Arena aus. Der Bundesligist ist als Partner bei der Aktion im Boot und zeigt sich großzügig. Während der Ausgabe fahren zwei 96-Bullis vor, die Getränke und Brötchen, Weihnachtsmänner und Zipfelmützen an die Bedürftigen verteilen. Weitere Sponsoren, die den guten Zweck unterstützen, könne der Verein immer gebrauchen, sagt Waizenegger. 

"Wohnungslose brauchen dringend Räume"

Diakonie warnt vor Euphorie: Auch wenn der Wohnungsbau in Hannover derzeit boomt wie seit Jahren nicht mehr – für die geschätzt 3000 Obdachlosen in Hannover gibt es angesichts knapper Angebote und steigender Preise kaum Chancen, eine Wohnung zu finden. Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes fordert daher, dass in Neubaugebieten wie der Wasserstadt Limmer stets „eine Anzahl an kleinen, kostengünstigen Wohnungen für die große Zahl wohnungsloser Menschen vorgehalten wird – am besten per Quote“. So werde eine soziale Durchmischung gewährleistet. Das Diakonische Werk verwaltet derzeit rund 1000 Postadressen für Wohnungslose in Hannover.

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„Super Aktion“, sagt Dennis Neubauer, der sich wie Freundin Janny eine 96-Kapuzenjacke gewünscht hat. Nun probieren sie die schwarz-weiß-grünen Stücke an und freuen sich. „Wir sind eigentlich da hingegangen, weil wir Hunger hatten“, sagt Dennis, der seinen Job als Dachdecker verloren hat und nun auf der Straße lebt. „Das ist ein Teufelskreis: ohne Wohnung kein Job, ohne Job keine Wohnung“, sagt Janny, die wie Dennis aus Nordrhein-Westfalen kommt und nun überlegt, wieder zurückzugehen. „Meine Mutter lebt hier, aber die ist voll in der Szene. Ich kenne von Hannover Steintor, Bahnhof, Raschplatz. Ich bin 21, ich kann mein Leben noch in den Griff kriegen, aber nicht, wenn ich mein altes Leben die ganze Zeit vor Augen habe.“ Sollte sich für die beiden eine Wohnung finden, würden sie aber doch in Hannover bleiben, sagt Dennis. Ein bisschen Lokalpatriotismus tragen beide jetzt ja auch auf dem Leib – und bedanken sich herzlich bei den Grillfreunden.

Deren Chef ist richtig aufgewühlt. „Dieses Gefühl, wenn du merkst, dass du gerade jemanden richtig glücklich gemacht hast, das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Horst Waizenegger, der als Headhunter in der Lebensmittelbranche sein Geld verdient. „Wir hauen uns das Fleisch in den Wanst, und wenn du dann siehst, dass andere sich nichts zu Essen leisten können, dann schmeckt es dir nicht mehr so gut.“ Jetzt schmeckt es wieder besser.

Nach der Aktion geht es gleich weiter zur MHH. Für die Kinderonkologie hat der Verein kürzlich sein zweites Charity-Grillen veranstaltet, damit die Klinik ein teures Gerät kaufen kann. Bei der Wunschzettelaktion ist ein wenig Geld übrig geblieben. Das ist nun zu Spielzeug geworden und wird kranken Kindern Weihnachten eine Freude machen.

Weitere Infos gibt es unter charcoal-worker.de.

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