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Aus der Stadt Kleinkind aus der Region stirbt an Influenza
Hannover Aus der Stadt Kleinkind aus der Region stirbt an Influenza
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02:58 09.03.2018
Im Kinderkrankenhaus Auf der Bult ist ein Kleinkind an Grippe gestorben.  Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

 Die Grippewelle in der Region Hannover zeigt dramatische Auswirkungen – ein kleines Mädchen aus Altwarmbüchen ist an den Folgen der Influenza gestorben. In der Kita, die das Kind besucht, hieß es,  die Trauer sei groß, man benötige jetzt ein wenig Zeit, um mit der Nachricht fertig zu werden. Das Kinderkrankenhaus Auf der Bult bestätigte, dass ein Kind aus der Region an Grippe gestorben sei. Nähere Angaben zu den Umständen, dem Alter des Kindes oder möglichen Vorkrankungen machten Kita, Krankenhaus und andere Behörden nicht.

Seit Beginn der Grippewelle im vergangenen Herbst seien bereits 19 Personen in Niedersachsen an der Influenza gestorben, sagte Holger Scharlach vom Landesgesundheitsamt, elf davon seien älter als 65 Jahre, ein Kind sei darunter. Ob das jetzt gestorbene Mädchen aus Altwarmbüchen schon mitgezählt wurde oder nicht, ist unklar. 

Die Zahl der Grippeerkrankungen hat in Niedersachsen einen neuen Höchststand erreicht. Wie schützt man sich am besten vor der Ansteckung bei Grippe und grippalen Infekten?

Seit nunmehr sechs Wochen ist die Grippewelle auf dem Höchststand. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass 5551 von 27.152 in Kitas betreuten Kindern wegen Grippe krankgemeldet worden war. Auch Schulen vermelden Krankenstände von einem Fünftel der Schüler.

Kein Bett mehr für Kinder frei – viele Patienten mit Grippe- und Norovirus

Das Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult berichtet ebenfalls von vielen Fälle mit schweren Erkältungen und Grippe, vor allem Klein- und Vorschulkinder seien mit Atemwegserkrankungen durch Influenza betroffen, sagt Sprecher Björn-Oliver Bönsch. Nun seien noch zusätzlich einige Magen-Darm-Erkrankungen durch Noroviren hinzugekommen. Magen-Darm-Grippen seien zurzeit weitverbeitet, aber im üblichen Rahmen, heißt es vonseiten des Landesgesundheitsamte. 

Die Suche nach weiteren freien stationären Plätzen für Kinder in anderen Krankenhäusern gestalte sich immer wieder schwierig, da auch die Kinderkliniken im Umkreis von 100 Kilometern, wie die Medizinische Hochschule, aber auch Kliniken in Hildesheim, Braunschweig, Neustadt, Celle und Hameln kaum noch Kapazitäten hätten, sagt Pressesprecher Bönsch.

Vorerkrankungen erhöhen tödliches Risiko

Das Risiko an Grippe zu erkranken sei in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kitas stets höher als im Büro, betont Thomas Buck, Obmann der hannoverschen Kinderärzte. Auch seine Sprechstunde ist seit Wochen voll, „wir müssen aber immer unterscheiden, ob ein Kind chronische Krankheiten mitbringt oder nicht." Diese kleine Patienten würde er stets vorsorglich impfen, allerdings müssen vor allem Kleinkinder zweimal in einem Abstand von vier Wochen geimpft werden, damit der Wirkstoff sich entfalten kann. In jeder Saison gebe es Grippetote und schwere Verläufe, sagt Buck. „Die virale Infektion kann man schwer behandeln, kommt etwa eine Lungenentzündung dazu, können wir zwar handeln, allerdings erhöht sich dann auch das Risiko."

Buck rät Eltern vor allem von Kindern mit chronischen Erkrankungen wie Asthma oder Mehrfachbehinderungen, mit ihrem Arzt das weitere Vorgehen abzusprechen und genau auf die Verläufe zu achten. "Ich gehe aber davon aus, dass sich die Grippewelle in den kommenden Wochen deutlich abschwächt." Man sei spät dran gewesen mit den Infektionen in diesem Jahr, aber die hohe Aktivität der Viren dürfte zurückgehen.

Ärzte raten: Sich auch jetzt noch impfen lassen

Amtsarzt Mustafa Yilmaz empfiehlt auch jetzt noch, sich impfen zu lassen. Zwar könne die Grippewelle in zwei Wochen vorbei sein, sie könne sich aber auch noch bis zu sechs Wochen hinziehen, je nach Wetterlage. 

Das Robert-Koch-Institut hat mittlerweile statt der bislang verbreiteten Dreifachimpfun die Vierfachimpfung empfohlen. Die könne aber frühstens im Herbst zum Einsatz kommen, sagt Yilmaz. Vorher müsse der Gemeinsame Bundesausschuss entscheiden, ob die Kassen die Kosten übernehmen. Yilmaz warnt vor vorschnellen Schulzuweisungen. Es sei sehr schwierig vorherzusagen, welcher Grippetyp sich ausbreiten werde. Auch Scharlach vom Landesgesundheitsamt weist darauf hin, dass der Vierfachimpfstoff erst einige Jahre auf dem Markt sei.  Die Dreifachimpfung wirkt gegen zwei Varianten der Influenza A und einen der Influenza B, aber nicht gegen den jetzt vorrangig um sich greifenden B-Typ Yamagata.

Haben die Behörden bei der Bereitstellung des Impfstoffs eine Fehlentscheidung getroffen? Professor Tobias Welte, Direktor der Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, hatte diesen Vorwurf erhoben. Demnach haben die Krankenkassen sich aus Kostengründen entschieden, einen Dreifachimpfstoff zu bezahlen anstatt eines wirkungsvolleren Vierfachimpfstoffs. Die Dreifachimpfung wirkt nicht gegen den jetzt vorrangig um sich greifenden B-Typ Yamagata.

Doch so schnell könne das System nicht reagieren, entgegnen andere Experten. Das Robert-Koch-Institut hat mittlerweile statt der bislang verbreiteten Dreifachimpfung die Vierfachimpfung empfohlen. Die könne aber frühestens im Herbst zum Einsatz kommen, sagt Mustafa Yilmaz, Amtsarzt der Region Hannover. Vorher müsse der Gemeinsame Bundesausschuss entscheiden, ob die Kassen die Kosten übernehmen.

Yilmaz warnt vor vorschnellen Schuldzuweisungen. Es sei sehr schwierig, vorherzusagen, welcher Grippetyp sich ausbreiten werde.

Von Saskia Döhner, Frank Walter, Susanna Bauch und Mathias Klein

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