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Aus der Stadt Größte polizeigeschichtliche Sammlung Deutschlands ist in Hannover
Hannover Aus der Stadt Größte polizeigeschichtliche Sammlung Deutschlands ist in Hannover
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12:57 02.09.2009
Gerhard Haase ordnet im Polizeimuseum in Hannover an einem nachgestellten Tatort die Beweisstücke. Quelle: ddp (Archiv)

Gerhard Haase weiß genau, wie alles angefangen hat mit der Polizei in Deutschland. Er kennt das Strafmaß für mittelalterliche Delikte wie das „Vollsaufen“, erzählt von Stadtknechten, die auf Befehl ihrer Fürsten als „Kaffeeriecher“ und Steuereintreiber tätig waren, und zeigt Besuchern ein 400 Jahre altes Richtschwert aus Norddeutschland.

Haase legt jedoch Wert darauf, dass historische Vorläufer der Polizeiarbeit von den späteren Aufgaben der Beamten zu unterscheiden sind. So hätten frühere Prügelstrafen für „Säufer“ nichts mit polizeilichen Dienstaufgaben zu tun. Und auch die Stadtknechte, die im 16. Jahrhundert darüber wachten, dass kein Bürger sich verbotenen Luxus wie Kaffee oder Kleider aus Seide leistete, will Haase nicht als erste Polizisten verstanden wissen. „So sollte die Polizei gerade nicht sein“, sagt er.

Vielmehr wurden aus den Stadtknechten im Laufe der Jahrhunderte Beamte, die Gefahren von der Bevölkerung abwenden und Straftäter fangen sollten. Diese Aufgaben legte der „alte Fritz“, König Friedrich II. von Preußen, im 18. Jahrhundert für die Polizei fest.

Wenn Haase in der ehemaligen Fabrikhalle in Hannover über die Historie referiert, hat er stets ein passendes Ausstellungsstück parat. Für das Zeitalter der Preußen präsentiert er mehrere Pickelhauben. Auch alte Uniformen, an Schaufensterpuppen drapiert, lassen Polizisten aus vergangenen Zeiten lebendig wirken. „Viele Stücke habe ich geschenkt bekommen, aber das hat mich oft einiges an Überredungskunst gekostet“, erzählt er.

Zu seinen Prachtstücken zählt ein Nachbau der Zelle des berüchtigten Hannoveraner Massenmörders Fritz Haarmann. Zwischen 1919 und 1924 tötete und zerstückelte Haarmann mindestens 24 Jungen. Haase zeigt auch das originale Hackebeil, mit dem Haarmann seine Opfer zerteilte, und er führt die Kamera vor, mit dem das polizeiliche Täterbild des Mörders aufgenommen wurde. „Das finden besonders Kinder immer wieder spannend“, berichtet er über das Besucherinteresse.

Der ehemalige SEK-Beamte Haase hat alle Erklärungstexte der Ausstellung auf Schautafeln selbst geschrieben und von Historikern prüfen lassen. Zu fast jedem Stück weiß der 60-jährige Hauptkommissar eine Geschichte zu erzählen. Wie viele Requisiten er in der Polizeigeschichtliche Sammlung zusammengetragen hat, weiß Haase selbst nicht genau. Seit den 90er Jahren sammelt er leidenschaftlich gerne alte Polizeiutensilien. Jedes Jahr führt er rund 7000 Besucher durch die Schau in Hannover. „Es könnten ruhig noch mehr sein, leider sind wir nicht so bekannt“, sagt Haase.

Der ehemalige Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei, Wolfgang Dicke, lobt die Ausstellung in Hannover als eine der wenigen staatlichen Sammlungen dieser Art. Geschichte zu dokumentieren sei für Behörden wie die Polizei eine freiwillige Angelegenheit und falle meist dem Sparzwang zum Opfer. „Was da an Geschichte verloren geht, ist unglaublich“, sagt Dicke.

Hauptkommissar Haase hat sich in Hannover ganz der geschichtlichen Aufklärung über die Polizeiarbeit verschrieben. Bevor er in knapp einem Jahr in Rente geht, will er noch viele Besucher durch die Ausstellung führen - und junge Polizeischüler mit dem Blick in die Geschichte für ihren Beruf begeistern. Als Orientierung rät Haase Berufsanfängern, sich auch heute noch am Leitspruch der Polizei aus dem frühen 20. Jahrhundert zu orientieren. Damals eröffnete ein Polizeibeamter, der um Hilfe gebeten wurde, ein Gespräch stets mit der Frage: „Bürger, womit kann ich dienen?“.

ddp

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