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Großer Andrang bei Erste-Hilfe-Übung

Clementinenhaus Großer Andrang bei Erste-Hilfe-Übung

Was tun im Notfall? Mehr als 100 Interessierte haben ihre Kenntnisse in Erster Hilfe aufgefrischt - und gelernt, dass das Eingreifen bei einem Herzstillstand eigentlich einfach ist. "Nur wenn Sie nichts machen, machen Sie etwas falsch", sagt Mathias Gnielinski, Ärztlicher Leiter im Clementinenhaus.

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"Nur wer nichts macht, macht etwas falsch": Anästhesie-Chef Mathias Gnielinski mit Marion Balzer und der Übungspuppe beim Erste-Hilfe-Workshop.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Das Kind, das leblos im Lister Bad im Babybecken treibt; der Rentner, der in der Masch beim Radfahren zusammenbricht - Hannover hat in letzter Zeit einige spektakuläre Fälle erlebt, in denen mutig zupackende Ersthelfer anderen das Leben retten konnten. Viele scheuen sich aber, im Notfall anzupacken - aus Angst, mit einem Fehlgriff alles noch viel schlimmer zu machen. Oder weil der Erste-Hilfe-Kursus zu lange her ist. Im Clementinenhaus haben Ärzte und Pflegepersonal jetzt Interessierten gezeigt, mit wie wenig Kenntnis man Großes leisten kann. Mehr als 100 Interessierte haben am Mittwoch mitgemacht.

Rentnerin Marion Balzer hat zwar selbst früher im medizinischen Bereich gearbeitet, findet aber, dass es wichtig ist, am Ball zu bleiben und die Kenntnisse immer wieder aufzufrischen. Die meisten Besucher, die an diesem Tag ins Lister Krankenhaus kommen, haben irgendwann einmal gelernt, dass man in einem genau koordinierten Procedere Herzdruckmassagen und Mund-zu-Mund-Beatmung abfolgen lassen muss, wenn bei einem Unfallopfer das Herz stehen geblieben ist. "Viel zu kompliziert", beruhigt Gnielinski. Diese Hilfeverfahren gälten längst als veraltet. Eigentlich sei heute alles recht einfach.

Gnielinski sagt: Weil meist noch genug Sauerstoff im Blut ist, um das Hirn am Leben zu halten, muss man bei der Ersthilfe vor allem das Blut zum Zirkulieren bringen: Der Sauerstoff muss ins Hirn. Deshalb ist das Beatmen nicht so wichtig - sondern das Drücken.

„100 pro Reanimation – ein Leben retten“, heißt die Kampagne: Bei der Herz-Lungen-Massage muss der Brustkorb etwa 100-mal pro Minute kräftig gedrückt werden. Also fast zweimal pro Sekunde, betont Gnielsinski. Im HAZ-Interview (unten) hat er erklärt, warum man am besten die Melodie von "Staying Alive" von den Bee Gees dazu summt.

Der Workshop in der Kantine des Clementinenhauses war kurzweilig. Das Krankenhaus überlgt, weitere Angebote zu machen: "Die Nachfrage zeigt, wie groß das Interesse ist", sagt Klinikchef Gnielinski.

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Hier dokumentieren wir das Interview mit Dr. Gnielinski, das wir am 30. August 2016 nach einem Notfalleinsatz vberöffentlich haben:

„Das war eine sensationelle Ersthilfe“
Wie holt man ein kleines Mädchen ins Leben zurück? Nach dem spontanen Rettungseinsatz einer 23-jährigen Kleefelderin an einem ertrinkenden Kind im Lister Bad gibt Mathias Gnielinski, Chefarzt im DRK-Clementinenhaus, Tipps zur Ersthilfe
 

Herr Gnielinski, haben Sie von dem lebensrettenden Einsatz der jungen Kleefelderin im Lister Bad gehört?

Ja, das war eine sensationelle Ersthilfe. Ich habe das heute früh in der Zeitung gelesen. Was mich doppelt freut: Erstens hat die junge Frau wirklich alles richtig gemacht, und zweitens schaffen Sie als Zeitung mit Ihren Berichten eine positive Öffentlichkeit für solche Hilfe. Wir brauchen couragierte Menschen, die im Notfall einfach zupacken und anderen Menschen helfen. Dass sie in dem Fall sogar einem Kind das Leben gerettet hat, geht noch einmal besonders zu Herzen.

Die 23-Jährige ist von Beruf Arzthelferin, sie hat uns erzählt, dass sie in einer Augenarztpraxis in Kleefeld arbeitet. Braucht man eine medizinische Ausbildung, um Ersthilfe zu leisten?

Überhaupt nicht! Jeder erwachsene Mensch ist in der Lage, einen Verunglückten ins Leben zurückzuholen. Natürlich mag das Menschen etwas leichter fallen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Aber das schmälert weder den Einsatz der jungen Arzthelferin, noch darf es als Ausrede dienen, dass jemand im Ernstfall keine Ersthilfe leistet. Es ist wirklich einfach – und ich rate jedem, die Kenntnisse immer mal wieder aufzufrischen.

In Ordnung, dann fangen wir doch mal an. Wie reanimiere ich?

Viele glauben, sie müssten mit der Mund-zu-Mund-Beatmung anfangen. Das ruft bei einigen Zurückhaltung hervor, weil es direkten Körperkontakt bedeutet, und diese Reihenfolge wäre auch nicht optimal. Die Wiederbelebung startet mit der Herz-Druck-Massage. Denn meist ist noch genug Sauerstoff im Blut – es muss nur dringend schnell ganz ins Hirn transportiert werden, damit dort keine Zellen absterben. Genau das hat die 23-Jährige absolut richtig gemacht.

Jeder fragt sich: Wie schnell soll ich drücken?

Die Kampagne heißt nicht ohne Grund: „100 pro Reanimation – ein Leben retten“. Bei der Herz-Lungen-Massage muss der Brustkorb etwa 100-mal pro Minute kräftig gedrückt werden. Also fast zweimal pro Sekunde.

Nun kommt das im Ernstfall jedem viel zu schnell vor, deshalb haben Notfallmediziner eine musikalische Eselsbrücke ...

Genau: Es ist das Stück „Staying Alive“ von den Bee Gees. Das kennt heute fast jeder, es ist ein echter Gassenhauer. Wenn Sie die Refrainzeile „Stay-, Stay-, Stay-, Stay-, Staying Alive“ singen, während sie den Brustkorb drücken, dann haben Sie automatisch das richtige Tempo gefunden. Im Übrigen ist es ja auch ein passender Text – übersetzt heißt die Zeile schließlich: „Am Leben bleiben.“

Nun hat die junge Frau im Lister Bad ja ein Kind wiederbelebt. Darf man da so fest drücken wie bei einem Erwachsenen? Oder ist das Risiko nicht zu groß, dass alle Rippen brechen und die Lunge punktiert wird?

Erinnern Sie sich an den Fall des ehemaligen Gehrdener Bürgermeisters Heldermann, der in der Masch einen Infarkt hatte und ebenfalls von einem Ersthelfer gerettet wurde. Der musste sehr lange reanimiert werden, weil der Notarzt den Weg nicht gefunden hat. Bei ihm waren alle Rippen gebrochen. Das war später sehr schmerzhaft – aber er hat überlebt! Allein das zählt. Zu Ihrer Frage mit dem Brustkorb eines Kindes: Sicherlich sollte man ein ganz bisschen rücksichtsvoller sein, andererseits haben Kinder noch viele Knorpel dort, wo bei uns alles verhärtet ist: Da bricht nichts so schnell.

Können Interessierte auch in diesem Jahr wieder bei Ihnen die Reanimation üben?

Am Mittwoch, 21. September, 16 Uhr, beginnt bei uns im DRK-Krankenhaus Clementinenhaus in der List, Lützerodestraße 1, anlässlich der „Woche der Wiederbelebung“ wieder ein Vortrag mit anschließenden Übungen. Alles kostenfrei, ohne Anmeldung – und eigentlich auch immer sehr unterhaltsam.

Interview: Conrad von Meding

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