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Großes Interesse an Baugruppen

Wohnen in Hannover Großes Interesse an Baugruppen

Für Baugruppen ist die Lage in der Stadt angespannt: Es gibt mehr Bewerber als Objekte. In der Calenberger Neustadt beginnt nun ein Großprojekt mit bis zu 100 Wohnungen. Das Interesse ist groß – die Konkurrenz auch.

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Die Wohnprojekt-Mentoren Michael Beyer-Zamzow und Thekla Fomiczenko-Beyer helfen Baugruppen auf dem Weg ins Glück.

Quelle: Michael Wallmueller

Hannover. Noch ist nichts zu sehen von großen Plänen. Ein leerer Parkplatz, Gebüsch verstellt den Blick aufs nahe Ufer. Schräg gegenüber ragt das Ihme-Zentrum hoch und, eher flach, eine Berufsschule, etwas weiter quietschen Stadtbahnen um enge Kurven. Vermarkter würden über dieses Grundstück sagen: Wohnen am Wasser, zentral und verkehrsgünstig gelegen. Hier, in der Calenberger Neustadt, entsteht ein bis zu sieben Stockwerke hohes Gebäude mit 80 bis 100 Wohnungen. Die Stadt will sie überwiegend an Wohngruppen vergeben, und obwohl die Ausschreibung noch nicht begonnen hat, interessieren sich bereits elf Gemeinschaften für die Adresse, um stadtnah zu leben, als Eigentümer oder Mieter. Im August geht es los, wenn Bauarbeiter einen Zaun um den Parkplatz, die angehende Baufläche, ziehen. Dann folgen erste Grabungen für eine Tiefgarage.

Ein paar Kilometer weiter beobachten Michael Beyer-Zamzow und Thekla Fomiczenko-Beyer in einem Südstädter Büro das Vorhaben. Sie arbeiten im Auftrag des Rathauses als Wohnprojekt-Mentoren und helfen den vielen Bau- und Wohngruppen auf dem langen und erkenntnisreichen Weg von der Idee bis zum Einzug. Erste Erfahrung für Menschen, die sich mit anderen zusammentun wollen: der Mangel an geeigneten Grundstücken und Häusern. Umso wichtiger erscheint der Plan Ohestraße. „Es ist die große Chance für Gruppen, einen Ort zu finden, weil ein ganzes Quartier entsteht“, sagt Thekla Fomiczenko-Beyer. Die Nachfrage ist größer als das Angebot, ähnlich dem Wohnungsmarkt.

Wunsch und Wirklichkeit

Baugruppen oder Genossenschaften haben meist einen langen Prozess hinter sich, ehe ein fester Kreis entschlossen ist, seine Pläne auch umzusetzen. Die Berater aus der Südstadt, studierte Pädagogen, müssen dabei manche schöne Idee zerstören. „Wir sind manchmal die Spielverderber“, sagt Michael Beyer-Zamzow. „Der Anfang der Gruppen ist von Euphorie geprägt, wir müssen die manchmal zerstreuen, was frustrierend sein kann.“

Es geht darum, Wunsch und Wirklichkeit im Wortsinn unter ein Dach zu bekommen. Wenn Gruppen oder Genossenschaften einen schönen großen Gemeinschaftsraum im Haus wünschen, dann sind es die Mentoren, die erklären, dass der womöglich einen sechsstelligen Betrag zusätzlich kostet, umzulegen auf alle Teilnehmer im Projekt. Geld wird dann schnell ein Grund abzuwägen, was man wirklich will. Im Stadtzentrum leben bedeutet meist, weniger Raum und weniger Garten für Gemeinsames zu haben, weil Platz teuer ist. Im Umland ist es günstiger, im Grünen zu wohnen, dafür sind die Wege weiter, wenn man in der City etwas unternehmen möchte. Die Mentoren helfen Gruppen, sich auf ihre Ziele zu besinnen, wenn der ursprüngliche Weg aus den Augen gerät und Konflikte Kompromisse unmöglich erscheinen lassen. Umsonst ist das nicht, die Beratung, einschließlich Kostenkontrolle, Vertragsverhandlungen und Konzeption kostet rund 3 Prozent der gesamten Baukosten.

Bunt, solidarisch und selbstbestimmt

Etliche Dinge sind im Laufe der Jahre zu klären, und wer nicht bereit ist, auch einmal nachzugeben, kommt nicht sehr weit mit einer Gruppe. In vielen Planungsgemeinschaften ist die Fluktuation hoch, berichtet Thekla Fomiczenko-Beyer: „Der Knick kommt oft, wenn man einen Ort gefunden zu haben glaubt. Manchem gefällt der Stadtteil nicht, andere schrecken vor der plötzlichen Verbindlichkeit eines Vertrages zurück, oder das Projekt wird einigen zu teuer.“ Was viele Baugemeinschaften verbindet sind die Schlagworte, die das künftige Leben abbilden sollen. „Bunt“ soll es zugehen, solidarisch und selbstbestimmt sowieso, man will teilen und einiges Grün drumherum haben. Sinnfällige Namen drücken das aus. Die Gruppen nennen sich „Himmelblau“ oder „WoHnSinn“, „GemischtGenutz.01“ oder „Lebensraum“. Aber etliche Gemeinschaften, die vom Zusammenleben träumen, von Mehrgenerationenhäusern, gegenseitiger Hilfe in der Nachbarschaft und Alten-Wohngemeinschaften, scheitern seit Jahren bei der Suche nach einem Ort. Sind da Ansprüche vielleicht zu hoch? Beyer-Zamzow sieht es so, dass eher „die Realität den Wünschen im Weg steht“.

Die Baugemeinschaft „Jung und Alt in der Wasserstadt Limmer“ hat im zweiten Anlauf einen Ort gefunden. Walter Zuber, 68, ein ehemaliger Ratspolitiker der Grünen, plant auf dem sanierten Grundstück der früheren Continental AG zwei Anlagen mit jeweils 25 Wohnungen, darunter zehn Einheiten für Künstler oder Studenten mit Wohngeldberechtigung. Ein gemeinsamer Verein soll ein Blockheizkraftwerk und eine Fotovoltaikanlage betreiben und Energie sogar verkaufen. Zwischen 19 und 72 Jahre alt sind die Mitglieder bisher, 20 Parteien können sich noch beteiligen bei der Wasserstadt. Zuber machte bereits beim Projekt „Wabe“ in der Nordstadt mit, und er lobt den Vorzug gemeinschaftlichen Planens und Lebens: „Die soziale Kontrolle ist größer, man passt aufeinander auf. Dass hier jemand wochenlang tot in seiner Wohnung liegt, das gibt es einfach nicht.“ Jeder lebe in der eigenen Wohnung, der Hof sei so etwas wie der Flur in einer Wohngemeinschaft. Zuber hat inzwischen erlebt, dass besonders ältere Menschen und junge Familien lange Planungsphasen nicht mitmachen und öfters aussteigen. Den einen laufe gegen Lebensende die Zeit davon; die anderen fänden schneller eine geeignete Wohnung.

Projekt für Pflegekinder

Auf einem Resthof im weiteren Umkreis Hannovers dagegen wollen Andrea Maschke und Marcus Hellmuth, Sozialpädagogin und angehender Erzieher, ein Wohnprojekt gründen für Familien mit Pflegekindern und eigenem Nachwuchs. Dazu suchen sie Bewohner, in Miete oder Eigentum, der Generation 50 plus. „Der naturnahe Hof soll positiven Einfluss auf die Kinder haben, die Älteren können in Ruhe leben und guten Einfluss auf die Kinder nehmen“, so stellen sie sich das Leben in einer Zukunft vor, die in vielleicht zwei Jahren in einem Dorf beginnen soll. Zwei Orte sind in der engeren Wahl, entschieden ist nichts. Hinter dem Dorfprojekt steckt auch eine soziale Idee. Andrea Maschke sagt, dass sich zunehmend weniger Familien für Pflegekinder entschieden, ihr Projekt will ein wenig dagegen tun.

In der hannoverschen Ohestraße wird der Bebauungsplan wohl im März 2016 rechtskräftig. Danach beginnt die Konkurrenz, Baugruppen haben drei Monate Zeit, sich mit eigenem Architektur- und Wohnkonzept zu bewerben. Kommt alles Pech zusammen, dann finden Archäologen indes wertvolle Stücke. Das Quartier liegt an einem Bereich der ehemaligen Stadtmauer von Hannover.

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