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Aus der Stadt Schlösschen vor ungewisser Zukunft
Hannover Aus der Stadt Schlösschen vor ungewisser Zukunft
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00:15 24.07.2013
Von Conrad von Meding
Schmuckstück am Rande der Innenstadt: Das Palais des Grafen Grote. Quelle: Ralf Decker
Hannover

Die Entwicklung am Groteschen Palais wird immer undurchsichtiger. Im Frühjahr wollte der Eigentümer, die Maharischi-Weltfriedensstiftung, das Gebäude für 4,8 Millionen Euro verkaufen. Jetzt war am Amtsgericht überraschend eine Zwangsversteigerung anberaumt, ist aber vor wenigen Tagen abgesagt worden.

Das schlossartige Gebäude auf einer Grundstücksinsel zwischen Schiffgraben und Sophienstraße war 2005 für 900.000 Euro vom Land an die Stiftung verkauft worden, die darin Seminare mit dubiosen Titeln anbietet. Unter anderem geht es darum, Techniken zum „yogischen Fliegen“ zu erlernen. Vom Vorsitzenden Emanuel Schiffgens war zu der abgesagten Zwangsversteigerung keine Stellungnahme zu erhalten.

Das Palais ist einer der eindrucksvollsten neugotischen Stadtpaläste Hannovers. Architekt Otto Goetze hatte die Pläne erarbeitet, nach denen es in den Jahren 1862 bis 1864 für Graf Grote errichtet wurde, der damals der Gesandte des hannoverschen Königs in Madrid war. Während des Weltkriegs wurde das Gemäuer 1943 ausgebombt, 1951 machte das Land es zum Sitz der Straßenbauverwaltung. Damals erhielt es auch sein sehr nüchternes Zentraltreppenhaus, von dem die insgesamt 38 Räume abzweigen. Die zentrale Erschließung macht das Gebäude schwer teilbar, sodass eine Nutzung als Bürogebäude stets schwierig war. Wer allerdings überladenen Prunk liebt, wird sich darin wohlfühlen: Alles ist mit Gold und Schmuck ausstaffiert. Für die Reparatur des linken Kandelabers an der Auffahrt, eigentlich eine Auflage des Denkmalschutzes, hatte man in den vergangenen Jahren hingegen offenbar kein Geld.

Der Maharischi-Kult ist umstritten. Er will mithilfe von Massenmeditiationen den Weltfrieden herbeiführen. Unter anderem sollen dafür bis zu 24.000 vedische Pandits, eine Art Meditations-Gastarbeiter, zum Einsatz kommen, die in mehreren „Universitäten“ der Stiftung geschult werden. Wie weit die Vorbereitungen gediehen sind, liegt im Dunkeln. Was dem Vernehmen nach hingegen ganz gut funktioniert, ist das Geldeinsammeln. Die Stiftung soll über Millionenbeträge verfügen, die vor allem aus Seminarbeiträgen und Spenden akquiriert werden. Über das Finanzgebaren wird öffentlich aber nicht gesprochen.

Das Gebäude ist jetzt im Zwangsversteigerungsverfahren auf drei Millionen Euro taxiert worden. Warum das Land bei seinem Verkauf 2006 weniger als ein Drittel erlöst hatte, bleibt unklar.

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