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Welche Stadtbahn ist die beste?

Modelle der Üstra Welche Stadtbahn ist die beste?

Die grünen Stadtbahnen, die seit 1975 durch Hannover fahren, müssen deutlich länger in Betrieb bleiben als eigentlich geplant. Zwar sind 100 neue Bahnen vom Typ TW 3000 bestellt – doch der Bedarf ist damit noch lange nicht gedeckt. Viele Hannoveraner sehnen das Ende der alten grünen Bahnen herbei. Andere indes halten dieses Modell für das beste in Hannover. 

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Ob die alte Grüne, Silberpfeil oder TW3000: Hannoveraner haben ihre ganz eigenen Vorlieben für die Stadtbahntypen.

Quelle: Archiv/M

Hannover. Jedes Mal ist es eine Tortur: Zwei Männer müssen helfen, den Kinderwagen in die grüne Stadtbahn zu tragen. Kein Hochbahnsteig weit und breit, die Mutter ist auf Hilfe angewiesen. Menschen zwängen sich vorbei. Schließlich rumpelt die Bahn weiter. Wer sich unterhalten will, muss die Stimme heben, um den Lärm der Straßenbahn zu übertönen. „Das sind doch Schrottbahnen – weg damit!“, sagt Üstra-Kunde Heiko Bonath. Doch es gibt auch ausdrückliche Befürworter des in die Jahre gekommenen Modells.

„Die sind viel zu laut. Die Neuen sind besser“

Die alten Bahnen vom Typ TW 6000, die seit 1975 durch Hannover fahren, müssen deutlich länger in Betrieb bleiben als eigentlich geplant. Zwar sind 100 neue Bahnen vom Typ TW 3000 bestellt, wovon schon 31 ausgeliefert sind. Doch weil die Üstra ihr Streckennetz ständig erweitert, wächst der Bedarf an Bahnen stark. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, 46 zusätzliche Stadtbahnwagen zu kaufen – allerdings gibt es noch keine Zusage über die notwendige Landesförderung. Und selbst wenn sie kommt, wären nach Üstra-Kalkulation eigentlich noch 24 weitere neue Bahnen nötig. Weil dafür absehbar kein Geld vorhanden ist, rumpeln die grünen Bahnen länger als geplant. Zum Leid vieler Fahrgäste. „Die sind viel zu laut. Die Neuen sind besser“, sagt Nutzer Bonath. Die Sitze könnten zwar weicher sein, trotzdem sei der TW 3000 sein Favorit. „Oder der TW 2000, die sind auch in Ordnung“, sagt Bonath.

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Das grüne Modell von 1975, der Silberpfeil oder der TW 3000: Welche Stadtbahn gefällt Ihnen am besten?

Besonders unbeliebt sind die alten Wagen bei Rollstuhlfahrern. „Ich habe einen Mann mit Behinderung, da sind die silbernen Bahnen natürlich bequemer“, erzählt Rosa Schatschneider. „Die alten Bahnen sind wirklich eng für Rollstühle.“ Doch auch das ganz neue Modell könne sie nicht so überzeugen wie die „Silberpfeil“ getauften TW 2000. „Der TW 3000 ist zwar auch bequem und modern, aber an den ,Silberpfeil’ hat man sich einfach gewöhnt“, sagt Schatschneider: „Die Silberne ist für mich meine Bahn.“

„Die Grüne ist eine Katastrophe“

Auch Katrin Tjarks hat Probleme mit den alten Bahnen. Die 56-Jährige sitzt im Rollstuhl. „Die Grüne ist eine Katastrophe“, sagt sie. Deshalb fährt sie, wenn überhaupt, mit den Silberpfeilen oder dem aktuellen Nachfolgemodell TW 3000. „Die haben einen besseren Fahrkomfort – als würde man schweben“, sagt Tjarks. „Das ist sehr angenehm.“ Bei den grünen Bahnen bestehe zudem die Gefahr, dass sie beim Verlassen des Waggons andere verletze. Schließlich brauche sie viel Schwung, um mit dem Rollstuhl aus der Bahn heraus zu kommen, erklärt Tjarks. Dabei könne sie nicht auch noch auf andere achten – und so gerate schnell mal ein Fuß unter ihre Räder.

Ohne Hilfe klappt der Einstieg mit Kinderwagen nicht: Menschen mit eingeschränkter Mobilität schätzen die grünen Wagen nicht.

Quelle: Kutter

Mit Platzproblemen haben auch Menschen, die mit Kinderwagen oder Fahrrad im grünen TW 6000 unterwegs sind, zu kämpfen. Bei den neuen Modellen ist das anders. Sonja Hulzer wartet mit Kinderwagen an der Station. Die Linie 7 Richtung Misburg kommt, und die 37-jährige Mutter kann problemlos einsteigen. Die Wagen sind voll, aber alle haben Platz. Auch die Lautstärke hält sich in Grenzen. Beim leisen Surren der Bahn können sich alle normal unterhalten. Nach wenigen Haltestellen steigt Hulzer aus. Sie freut sich, wenn sie eine neue Bahn erwischt. „Da ist viel mehr Platz“, sagt sie. Außerdem störe sie an den grünen Bahnen, dass diese oft als Einzelwagen unterwegs sind. An den Haltestellen müsse sie daher oft einen Spurt einlegen: „Bis man dann da vorne angekommen ist, fährt sie schon weg“, sagt Hulzer.

„Die neue Bahn sieht aus wie ein Ufo"

Doch es gibt nicht nur Gegner der grünen Bahnen. Marleen Hubrich fährt täglich Bahn und mag die alten am liebsten. „Die Sitzplätze sind besser aufgeteilt, sie sind einfach praktischer“, sagt sie. „Die neue Bahn sieht aus wie ein Ufo und hat ganz komische, schreckliche Sitze.“ Mit dieser Meinung ist Hubrich nicht alleine, viele Fahrgäste kritisieren die Sitze des TW 3000 – zu rutschig seien sie. Tatsächlich kommen sich, als der Fahrer etwas abrupt abbremst, auf den Längsreihen manche Fahrgäste näher, als ihnen vermutlich lieb ist. Beim Vorgänger kann so etwas wegen der Sitzkuhlen nicht so schnell passieren. Bei den grünen Modellen erst recht nicht – diese haben gar keine Sitze in Längsrichtung.

Auch Stefan Detert sagt: „In den älteren Bahnen sitzt man viel besser.“ Dass die grünen Bahnen länger fahren sollen, findet er gut: „Ich bin sowieso ein bisschen Oldschool.“ Auch Walter Koch findet die Sitze des TW 6000 am besten. „Die sind stabiler“, sagt der 69-Jährige. Dennoch gefallen ihm auch die neueren Versionen sehr gut. „Bei den neuen hat man das Gefühl, in einem Film zu fahren. Sie sind modern, alles blinkt“ sagt er: „Das will ich mir nicht entgehen lassen.“

Koch ist einer der wenigen Üstra-Kunden, der mit allen drei Modellen gerne fährt. Vielen gefällt entweder die ganz alte oder die ganz neue Version – die „Silberpfeile“ findet dagegen fast jeder in Ordnung. Sie sind leiser als die grünen Wagen, aber noch nicht so leise wie die Neuen. Ihre Sitze sind härter als die der alten Bahnen, aber nicht so rutschig wie die Plätze im TW 3000. Ein klassisches Mittelding also. Die Kunden werden ohnehin auf Jahre mit allen drei Modellen leben müssen.

Das sagen die Fahrgäste:

Walter Koch (69): „Es stimmt schon – die grünen Modelle sind etwas ausgedient, man müsste sie vielleicht reparieren. Ich mag sie trotzdem, finde aber auch die neuen toll. Es ist ein ganz anderes Fahrerlebnis. Man hat das Gefühl, in einem Film zu fahren.“

Christel Weitschat (75): „Ich finde es schlecht, dass die alten Bahnen noch länger fahren. Die Treppen sind für Ältere oder Menschen mit Kinderwagen problematisch. Da sind die neuen Modelle besser. Ich bin leider überwiegend mit den älteren Bahnen unterwegs.“

Viktor Goncarov (17): „Die grünen Bahnen sind super, aber sie stinken sehr nach Metall und Rost. Die neuen gefallen mir sehr vom Stil her. Mit denen fahre ich auch sehr oft.“

Sonja Hulzer (37): „Die alten Bahnen sind ganz schlecht. Gerade morgens, wenn kein zweiter Wagen angehängt ist: Bis man sie erreicht hat, fährt sie weg. Mit dem Kinderwagen geht es, weil ich immer an Hochbahnsteigen einsteige. Die neue ist aber auf jeden Fall besser, da ist mehr Platz.“

Katrin Tjarks (56): „Die alten Bahnen sind eine Katastrophe für Rollstuhlfahrer, die sind so unzuverlässig. Sie sollten so schnell wie möglich weg. Die ganz neuen haben einen besseren Fahrkomfort – als würde man schweben, das ist sehr angenehm.“

Zahlen, Daten, Fakten

Ab 1975 der TW 6000

Zwischen 1975 und 1993 hat die Üstra 260 Wagen dieses Typs angeschafft, mehr als 140 sind noch auf den Gleisen. Die 46 Sitze sind alle 52 Zentimeter breit, dazu gibt es etwa 100 Stehplätze. Die Bahn ist speziell dafür konzipiert, ober- und unterirdisch fahren zu können. Heute fahren 101 Stadtbahnen dieses Typs in Budapest, zehn gingen in die Niederlande.

Ab 1997 der TW 2000

Insgesamt 144 Wagen des mit dem Designer Jasper Morrison entwickelten „Silberpfeils“ hat die Üstra angeschafft. Zu 46 Sitzen gesellen sich acht Klappsitze. Neu sind die Querbänke. Mit 54 Zentimeter sind die Sitze etwas breiter als beim Vorgängermodell, zudem bietet ein Wagen 105 Stehplätze.

Ab 2015 der TW 3000

Bisher sind 100 Bahnen bestellt (Stückpreis 2,5 Millionen Euro)– doch sie reichen nicht, die Üstra bräuchte 60 mehr. Anfangs gab es Probleme mit Schweißnähten. 31 Bahnen sind schon im Einsatz. Die Wagen haben 16 Stehplätze mehr. Die Zahl der Sitzplätze ist mit 54 gleich geblieben, in den Längsreihen sind sie aber nur 46 Zentimeter breit.

Von Johanna Stein

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