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Aus der Stadt Stolpersteine erinnern an ermordete Juden
Hannover Aus der Stadt Stolpersteine erinnern an ermordete Juden
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00:16 14.12.2017
Ein Handschlag: Künstler Gunter Demnig verlegte in der Ellernstraße Stolpersteine für die Angehörigen von Ilana Ariely, die eigens aus Israel angereist war.  Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

  Es ist nicht viel, was sie über ihre Tante weiß. „Mein Vater hat nicht viel von seiner Schwester erzählt“, sagt Ilana Ariely. Überhaupt hat ihr Vater kaum über die Vergangenheit gesprochen. Wie viele Überlebende in Israel. Doch gerade, weil sie nur ein paar Fotos von ihren Angehörigen hat, ist es Ilana Ariely so wichtig, an diesem Tag dabei zu sein: „Jetzt erinnern wenigstens die Stolpersteine an sie“, sagt die 70-Jährige, die mit ihrem Sohn Or Ariely eigens aus Jerusalem angereist ist.

Der Künstler Gunter Demnig bettete in mehreren Stadtteilen kleine Gedenktafeln im Gehweg ein

Der Künstler Gunter Demnig verlegt an diesem Tag in der Ellernstraße drei jener kleinen Denkmale, die im Gehwegpflaster an NS-Opfer erinnern. Sie erinnern an Ilana Arielys Tante, Lieselotte Bloch, an ihren Mann Otto Bloch und ihre kleine Tochter Tana. In der NS-Zeit verlor der Arzt Otto Bloch seine Approbation, weil er Jude war. „In der Ellernstraße trat er eine Stelle am Israelitischen Krankenhaus an“, sagt der Historiker Karljosef Kreter. „Es war sein letzter Arbeitsplatz.“

Hannover hat 384 Stolpersteine

Die Familie Bloch wurde ins Warschauer Ghetto deportiert. Ihre Tochter war erst wenige Monate alt. „Ein Glück, dass ich wenigstens das Kind bei mir habe“, schrieb Lieselotte Bloch in einem Brief: „Sie ist sehr lieb, auch artig und fast immer lustig.“ Von Otto Bloch weiß man, dass er im Mai 1942 starb. Das Schicksal seiner Frau und seiner Tochter ist unbekannt.

Insgesamt 24 Stolpersteine hat Demnig in der vergangenen Woche in der Stadt verlegt. Insgesamt gibt es in Hannover damit 384 Stolpersteine. Unter anderem erinnern sie in der Ferdinand-Wallbrecht-Straße 23 an Fritz Aron sowie Else und Kurt Wallach und in der Ferdinand-Wallbrecht-Straße 38 an Anneliese und Fritz Cohen. In der Flüggestraße wurden Olga und Meyer Katz sowie Dora Levy und Selma und Arthur Eichmann geehrt, in der Wedekindstraße Otto Stern.

Mehr als 63 000 Steine hat Demnig in den vergangenen Jahren verlegt. Fragt man ihn, warum er das tut, zitiert er einen Rabbiner aus Köln: „Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Mit fester, klarer Stimme stimmte Ilana Ariely ein Lied für ihre ermordeten Verwandten an, Besucher legten bei der Stolpersteinverlegung Blumen nieder und entzündeten Kerzen. Die Stolpersteine für Familie Bloch hat die Ärztekammer finanziert. Es sei wichtig, den entrechteten Arzt posthum zu rehabilitieren, erklärte Bernd Haubitz als Vertreter der Ärztekammer: „Wir verneigen uns vor unserem Kollegen.“

Stolpersteine werden über Spenden finanziert. Ein Stolperstein kostet 120 Euro. Interessenten können sich unter (0511) 16842088 melden.

Von Simon Benne

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