In einem vorläufigen so genannten Transparenzbericht erhielt das Klaus-Bahlsen-Haus die Note 1,5, Willy-Platz-Heim (1,5) und Herta-Meyer-Haus (1,7) liegen nach der Prüfung ebenfalls über der Durchschnittnote aller bisher in Deutschland bewerteten Heime. Diese Durchschnittsnote beträgt derzeit 2,2, inspiziert wurden bislang etwas mehr als eintausend Pflegeeinrichtungen. Für Irritationen sorgte, dass in Hannover zwei Heime auch von den Bewohnern eine sehr gute Note bekamen - obwohl laut Bericht überhaupt niemand befragt wurde. Diese Werte gingen allerdings nicht ins Gesamturteil ein.
In Deutschland sollen bis Ende dieses Jahres alle gut 22.000 ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen vom Medizinischen Dienst der gesetzlichen Krankenkassen überprüft worden sein. Mitarbeiter begutachten nach 64 Kriterien, wie es um Pflege und medizinische Versorgung der Bewohner bestellt ist, wie mit demenzkranken Menschen umgegangen wird, ob der Alltag ausgefüllt ist und wie es um Wohnen, Verpflegung und Hygiene steht. Dafür gibt es jeweils einzelne Noten, die, unterschiedlich gewichtet, in ein Gesamturteil münden. Ziel ist es, Heime für zukünftige Bewohner und Angehörige vergleichbar zu machen.
In drei der sechs städtischen Häuser war der Medizinische Dienst je einen Tag unterwegs. Ob dies ausreicht, um sich ein vollständiges Bild zu machen, ist unter Fachleuten ebenso umstritten wie das Bewertungsverfahren. Hannovers Sozialdezernent Thomas Walter (CDU) freute sich am Wochenende über das „hervorragende Ergebnis“ der geprüften kommunalen Pflegeeinrichtungen, wollte die Noten aber lediglich als „Groborientierung“ verstanden wissen. „Ich kann nur dazu raten, sich immer ein eigenes Bild von den Häusern zu verschaffen.“ Dort ist man verpflichtet, Transparenzberichte gut sichtbar auszuhängen, Ergebnisse werden demnächst auch im Internet veröffentlicht.
Wie interpretationsbedürftig Resultate indes sein können, zeigt ein Beispiel aus dem Herta-Meyer-Haus. Die Kassen vergaben für den Umgang mit dementen Bewohner die Note 3,7. „Ein sehr schlechter Wert“, sagte Christiane Grote, Sprecherin des in Essen ansässigen Medizinischen Dienstes. Walter dagegen erklärt sich die Note damit, dass in dem Pflegeheim nur sehr wenige der 77 Bewohner überhaupt dement seien und das Haus daher nicht ausgerüstet sei wie Heime mit weit mehr dementen Bewohnern.
Warum Herta-Meyer-Haus und Klaus-Bahlsen-Haus in vorläufigen, jetzt von der Stadt veröffentlichten Transparenzberichten von Bewohnern jeweils die Note 1,1 erhielten, obwohl laut diesen Berichten kein einziger nach seinem Urteil gefragt worden ist, blieb am Wochenende unklar. Walter verwies an den Medizinischen Dienst, dessen Sprecherin Grote sich den Widerspruch ebenfalls nicht erklären konnte. Urteile der Bewohner hätten aber keinen Einfluss auf die Gesamtnote, weil die „fast immer“ eine sehr gute Bewertung abgäben.
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Kommentare
mangelde Aussagekraft XP – 11.01.10
Solche Auswertungen sind doch immer erstsaunlich, insbesondere wenn man ihre Aussagekraft mal näher beleuchtet und den Wahrheitsgehalt hinterfragt. Nach den dargestellten Ergebnissen herrscht wohl eitel Sonnenschein im Pflegebereich, fragt mal mal aber bei den Kollegen des Rettungsdienstes nach, also denjenigen die tagtäglich wirklich das Ergebnis dieser ja so herausragenden Pflegedienstleistungen in die umliegenden Krankenhäuser verbringen dürfen oder die Kollegen die in den Krankenhäusern dann Pflegefehler und das Ergebnis von Personalmangel und fehlernder personeller Qualifikation in den Heimen immer wieder ausbügeln müssen, so sähe das Ergebnis sicherlich anders aus.