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Wird Linden schickimicki?

HAZ-Forum im Anzeiger-Hochhaus Wird Linden schickimicki?

Wie viel Gentrifizierung gibt es in Hannover? Werden alteingesessene Bewohner durch eine kaufkräftige Klientel verdrängt? Diese Fragen waren am Dienstagabend Thema beim HAZ-Forum "Gefahr oder Gespenst? – Gentrifizierung" im Anzeiger-Hochhaus.

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Geht die Gentrifizierung in Hannover zu weit? Das wird beim HAZ-Forum im Anzeiger-Hochhaus unter anderem diskutiert.

Quelle: Wallmüller

Hannover. Beim HAZ-Forum zum Thema Gentrifizierung sind am Dienstagabend nicht nur verschiedene Standpunkte, sondern auch Generationen aufeinander getroffen. In die Schalterhalle im Anzeiger-Hochhaus waren rund 120 Interessierte gekommen. Sie wollten wissen, was hinter dem akademischen Begriff steckt? Was hat es damit auf sich? Und ist der Bevölkerungswandel in einem Stadtteil, der entsteht, wenn durch Luxussanierungen ganze Straßenzüge veredelt werden und die Mieten deutlich steigen, eigentlich ein Thema in Hannover?

Wie viel Gentrifizierung gibt es in Hannover? Steigen in Stadtteilen wie Linden oder der Nordstadt die Mieten wirklich überproportional? Werden alteingesessene Bewohner durch eine kaufkräftige Klientel verdrängt? Diese Fragen waren am Dienstagabend Thema beim HAZ-Forum "Gefahr oder Gespenst? – Gentrifizierung" im Anzeiger-Hochhaus.

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Der Vorsitzende des Eigentümerverbundes Haus & Grundeigentum kann in Hannover keine Gentrifizierung erkennen: “Die gibt es nicht.” Und erst recht nicht in Linden. Eine Aussage, die Dienstagabend gerade die Lindener im Publikum amüsierte. Sie kennen das Problem: Die Mieten steigen, viele Wohnung werden aufgewertet und dann teurer weiter vermietet. Doch Beckmann war nicht allein mit dieser Meinung. Von der wissenschaftlichen Seite betrachtete Heiko Geiling, Professor für Politische Soziologie an der Uni Hannover, die Bewegungen auf dem Wohnungsmarkt. Nach vier Phasen kann sie untersuchen und sie schließlich als Gentrifizierung einordnen - oder eben nicht. Und in Deutschland sieht er keine. Und auch nicht Hannover. Wieder ging ein Raunen durch das Publikum.

Steffen Mallast, dem Jüngsten auf dem Podium, stellte sich gar nicht die Frage, ob es in Hannover Gentrifizierung gibt. Für ihn war die Antwort klar. Es gibt sie. Er führte ins Feld. “In Linden ist die Zahl der Einwohner mit Migrationshintergrund gesunken, während sie in der ganzen Stadt gestiegen ist.” Mallast, der mit der “Kampagne Ahoi” ein Haus besetzte, wurde Dienstagabend häufig verbal attackiert. Ganz besonders dafür, dass er als Bezirkspolitiker zu “unangebrachten Mitteln” wie eben einer Hausbesetzung greife, wie es aus dem Publikum hieß.

Gentrifizierungsexperte Daniel Gardemin stellte fest: Die Entwicklung in Linden hat sich beschleunigt. “Wandel ja, aber nicht auf Kosten der Schwächeren”, sagte er. Es gibt ein Problem in Linden, egal, ob in Phase zwei oder drei. “Wir haben einen Zuzug, der einen Druck bildet, dort, wo man gerne wohnt.” Der Zuzug nach Hannover müsse realistisch eingeschätzt werden, sonst gibt es bald ein großes Problem auf dem Wohnungsmarkt. ” Doch die Politik negiere die Entwicklungen.” Er schlägt ein “Gentrifizierungsmonitoring” vor. Das bedeute, dass nicht nur nicht Ein- und Auszüge vermerkt werden, sondern auch wer wo aus- und einzieht.

Nach gut 90 Minutenschloss Moderator Conrad von Meding die Diskussion und bedankte sich für einen Abend, “der vielleicht etwas zu harmonisch verlief”. Und fasste einige der Vorschläge zusammen, die ein entspanntes Miteinander auf dem Wohnungsmarkt bringen könne: Ein runder Tisch als Ort des Austauschs für alle Beteiligten etwa. Oder das Gentrifizierungsparometer, das Gardemin fordert.

Von Felix Klabe

Der Live-Ticker zum Nachlesen

21.53 Uhr: Auch die HAZ.de-Redaktion bedankt sich für das Lesen des Live-Tickers und wünscht einen schönen Abend.

21.51 Uhr: Moderator Conrad von Meding bedankt sich für einen Abend, “der vielleicht etwas zu harmonisch verlief”. Und fasst kurz einige der Vorschläge zusammen, die ein entspanntes Miteinander auf dem Wohnungsmarkt bringen könne: Ein runder Tisch als Ort des Austauschs für alle Beteiligten etwa. Oder das Gentrifizierungsparometer, was Gardemin fordert, das Entwicklungen zeitnah misst.

21.43 Uhr: Moderator Conrad von Meding hakt nochmal bei Setafn Mallast nach, was zu tun ist, um soziale Spannungen zu vermeiden. Mallast verweist auf Hamburg, wo der Erhaltungsschutz greift. So können Milieus erhalten werden.  

21.33 Uhr: Gardemin betont noch einmal: Wir haben einen alarmierenden Zuwachs in Hannover. Belegrechtswohnungen sind weniger geworden – ohne einen Ersatz zu schaffen. Warum ziehen die Menschen denn in die Stadt? Der Mietdruck nimmt dort zu, wo die Wege kurz sind. Die Nähe zum kulturellen Angebot und zur Arbeit sind auch ausschlaggebend. Wir müssen umdenken, da müssen alle Akteure an den Tisch. Auch die aus dem betroffenen Stadtteil.

21.25 Uhr: Geiling: Die Mietpreise sind gestiegen. Zwar ist es ein Kampf um Prozente. Zunächst leiden die Menschen mit wenig Geld. “Wie soll dann ein sozialer Wohnungsbau entstehen?”  Hannover hat einen großen Anteil von Genossenschaften. “Von denen höre ich gar nichts”, sagt Geiling. “Sie müssen die Diskussion mitgestalten.” In einer Zeit, in der die soziale Schere immer weiter auseinander geht, ist die Diskussion wichtig.

21.17 Uhr: Eine weitere Wortmeldung aus dem Publikum: Die Lindener Sozialdemokraten hätten einen lebendigen Stadtteil geschaffen. Der Umbau der alten Gilde-Brauerei und des Hanomag-Geländes seien etwa keine Gentrifizierung. “Die unseelige Debatte der Grünen im Bezirksrat Linden-Limmer über Gentrifizierung muss aufhören.”  

21.12 Uhr: Ein Zuhörerin mit dem Namen Julia fordert: Stoppt die Hetzkampagne gegen die Hausbesetzer und den Grünen-Politiker Mallast. “Die Diskussion ist auch eine Frage der Generationen”, sagt Moderator von Meding. 

21.11 Uhr: Gardemin zur Fürst: Wer eine Wohnung finden will, der findet eine. Doch wer sich eine Wohnung sucht, der sieht sich hohen Mieten ausgesetzt. “So einfach ist es eben nicht, eine Wohnung an der Limmerstraße oder in einer Seitenstraße zu finden.” Jeder Vierte in Linden-Nord ist von Armut betroffen. “Sie haben es erst recht schwer, eine Wohnung zu finden.”

21.06 Uhr: Gardemin: “Der Zuzug nach Hannover muss realistisch eingeschätzt werden, sonst haben wir bald ein riesiges Problem.” Die Politik negiere die Entwicklungen. Er schlägt ein “Gentrifizierungsmonitoring” vor. Das bedeute, dass nicht nur nicht Ein- und Auszüge vermerkt werden, sondern auch wer wo aus- und einzieht. Doch das erfordere mehr Mitarbeiter im Statistikamt der Stadt. Allerdings müsse die Stadt zunächst zur Einsicht kommen, dass es Gentrifizierung in der Stadt überhaupt gibt.

21.01 Uhr: Rainer Beckmann: In Hannover gebe es im Mittel eine Mietsteigerung von 3,2 Prozent in den vergangenen zwei Jahren, der Lebenshaltungsindex sei jedoch gestiegen. “In Linden liegen die Mieten noch weit unter den Mieten im Stadtteil Mitte”, sagt Beckmann.

20.57 Uhr: Ludwig Prilop, Jurist und beim Mieterladen Linden: "Es gibt einen leichten Zuwachs bei den Mieten in Linden. Zu uns kommen Menschen, die bereits eine Wohnung haben, nicht die, die suchen. Doch dennoch bekommen wie eine Veränderung mit"

20.51 Uhr: Moderator Conrad von Meding an Stefan Mallast: Ist die Diskussion aufgebauscht? Mallast: Linden-Nord hat 68 Prozent Altbauanteil. Das mache den Stadtteil aus. Mallast zitiert eine Anfrage aus der Stadt: Für einen reibungslosen Wohnungstausch müsse der Anteil von freien Wohnungen 1,5 Prozent betragen. In Linden-Nord wird laut Stadt  in Linden Nord unterschritten. Fazit: Eine Wohnung zu finden ist nicht einfach.

20.43 Uhr: Eine überraschende Wortmeldung: Werner Fürst, Immobilienkaufmann, widerspricht Beckmann. “Wer in einem Szeneviertel leben will, muss Krach ertragen.” Auch dafür gibt es Applaus. Die Diskussion kommt in Gang. Es wird klar: Gespenst oder Gefahr – es bewegt die Menschen. Wenn Gentrifizierung dann vor 20 Jahren. In der Zeit der “Aufteiler”. Viele alte Wohnungen wurden damals aufgekauft. Aber: Rund 90 Prozent der Wohnungen sind damals an Lindener gegangen. Und so ist es auch heute noch, sagt Fürst.

20.36 Uhr: Rainer Beckmann hingegen ist sich sicher: “In Linden gibt es keine Gentrifizierung.” Beckmann ist Lindener und Vorsitzender des Vermieterbundes Haus & Grundeigentum. Er wüsste, wovon er spricht. Das amüsiert das Publikum. Beckmann führt die Vermieter an der Limmerstraße an, die sich über die jungen Menschen beschweren, die auf der Limmerstraße trinken und feiern. “Alte Menschen, die schlafen wollen, ziehen aus”, stellt er fest. Und die jungen Menschen ziehen nach. Doch was in Linden passiert, dabei denkt Beckmann an die Hausbesetzung an der Limmerstraße, sind keine Mittel dagegen anzugehen. Dabei dreht er sich zu Mallast, der bei der Besetzung dabei war. Dafür gibt es ein “Bravo” aus dem Publikum. Beckmann geht noch weiter: Für solche Menschen sollte es keinen Platz in der Stadtpolitik geben.

20.34 Uhr: Moderiert wird das HAZ-Forum von HAZ-Lokalredakteur Conrad von Meding.

20.30 Uhr: Steffen Mallast, Bezirksratsherr der Grünen in Linden und bei der “Kampagne Ahoi”, die als letztes Mittel auch Häuser besetzen. Mallast führt ein Gegenargument ins Feld. “In Linden ist die Zahl der Einwohner mit Migrationshintergrund gesunken, während sie in der ganzen Stadt gestiegen ist.”

20.22 Uhr: Die Entwicklung in Linden hat sich beschleunigt. Dabei geht es durchaus um Aufkäufe von Wohnraum. “Wandel ja, aber nicht auf Kosten der Schwächeren”, sagt Daniel Gardemin. Es gibt ein Problem in Linden, egal, ob in Phase zwei oder drei. Wir haben einen Zuzug, der einen Druck bildet, dort, wo man gerne wohnt. Und die schlechte Wohnsubstanz zieht Investoren. Kommunale Wohnungsträger springen ab, Investoren profitieren davon.

20.15 Uhr: Heiko Geiling, Professor für Politische Soziologie an der Leibniz Univerversität Hannover, macht erst einmal klar, was der Begriff Gentrifizierung bedeutet. Im Jahr 1866 soll er erstmals im britischen Manchester aufgetaucht sein. Die Verdrängung des Menschen in der Stadt durch den englischen Landadel. Bekannt ist Geiling für sein Vierphasenmodell, mit dem Gentrifizierung nachgewiesen werden kann. Die erste Phase, sagt Geiling, zeichnet sich durch die steigenden Attraktivität eines Stadtteils durch den Zuzug Künstler und Pioniere, wie der Wissenschaftler sie nennt. Die zweite Phase: Mieten steigen, Wohnungen werden saniert. Die dritte Phase: Es findet eine Verdrängung statt. Und die, sagt Geiling, ist in Deutschland nicht nachweisbar.

20.05 Uhr: Der Begriff klingt akademisch: Gentrifizierung. Gemeint ist der Bevölkerungswandel in einem Stadtteil, der entsteht, wenn durch Luxussanierungen ganze Straßenzüge veredelt werden und die Mieten deutlich steigen. Verändert sich eine Wohngegend grundsätzlich, weil ein paar Cafés, Designerläden oder Klubs aufmachen? Wer profitiert, wer verliert? Und kann man die Limmerstraße mit dem Schanzen- und dem Karoviertel in Hamburg oder dem Prenzlauer Berg in Berlin vergleichen? 120 HAZ-Leser sind in der Schalterhalle des Anzeiger-Hochhauses, um das zu diskutieren.

20.00 Uhr: Zu Gast in der Schalterhalle des Anzeiger-Hochhauses sind heute Abend: Dr. Heiko Geiling, Professor für Politische Soziologie des Instituts für Politische Wissenschaft der Leibniz Universität; Steffen Mallast, Grünen-Politiker im Lindener Bezirksrat; Daniel Gardemin, Sozialwissenschaftler und Experte für Gentrifizierung; Rainer Beckmann, Vorsitzender des Vereins Haus & Grundeigentum; Ludwig Prilop vom Lindener Verein Der Mieterladen sowie Andreas Alder von der Polizei Hannover.

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