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Was macht Hannovers Image aus?

HAZ-Forum Was macht Hannovers Image aus?

Die Stadt gilt vielen als graue Maus unter den Städten, das Image von Hannover ist eher durchwachsen. Warum eigentlich? Und wie lässt sich das ändern? Darüber diskutierten jetzt Experten beim HAZ-Forum im Historischen Museum - mit überraschenden Erkenntnissen.

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Lebendige Debatte: Das HAZ-Forum zum Image Hannovers im Historischen Museum.

Quelle: Benne

Hannover. Der Gelehrte nahm kein Blatt vor den Mund: Hannover sei "das Paradies des Mittelstandes, der Bemittelten und jeder Mittelmäßigkeit“, ätzte vor Jahrzehnten der Philosoph Theodor Lessing – einer jener Hannoveraner, auf die die Stadt heute stolz ist. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Denn Stolz gilt nicht als Stärke der Hannoveraner. Mit ihrem Image als graue Maus hadert die Stadt immer noch, bei vielen Auswärtigen ist sie als Inbegriff der Langeweile verschrien. "Vielleicht ist es ein typisch hannoversches Phänomen, dass man ausgiebig übers Image der Stadt spricht", sagt HAZ-Redakteur Jan Sedelies, der das HAZ-Forum im Historischen Museum zu dem Thema moderierte. 

"Mancher Hannoveraner leidet unter Minderwertigkeitskomplexen", sagt die Historikerin Vanessa Erstmann. Sie empfiehlt der Stadt mehr Selbstbewusstsein. Ebenso wie Jörn Hutecker, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur neuwaerts, der sich lange mit einem Leitbild der Stadt beschäftigt hat: "Es bringt sichts, sich in Understatement zu suhlen", sagt er. "Hannover ist eine ideale Stadt." Allerdings müsse sie sich mit anderen mittelgroßen Städten vergleichen, um ihre Stärken zu erkennen - und nicht mit den Metropolen: "Hamburg oder Berlin nachzulaufen ist völliger Blödsinn."

Roger Cericius vom Freundeskreises riet in der ganzen Debatte um Selbstwertgefühl und Image zu mehr Gelassenheit: "Ich käme mir komisch vor, missionarisch loszuziehen und allen zu erklären, dass Hannover die tollste Stadt sei", sagt er. "Ich bin ja auch nicht so dran interessiert, wie der Karlsruher Karlsruhe findet."

Ließe sich ein Image überhaupt herstellen? Historikerin Erstmann ist da ziemlich optimistisch: "Werbung funktioniert, wenn sie über einen langen Zeitraum gepflegt wird", sagt sie. Sie erinnerte an die Siebzigerjahre, als das Straßenkunstprogramm Hannover eine mondäne Atmosphäre verlieh und Mike Gehrke als bundesweit erster Stadtimagepfleger mit Altstadtfesten und Jazzkonzerten ein neues Lebensgefühl in die Stadt brachte: "Es ist schade, dass seine Stelle nach seinem frühen Tod nicht wieder besetzt wurde - Imagepflege braucht Kontinuität."

Plakate in anderen Städten aufzuhängen reiche nicht aus, um ein Image zu heben, sagt auch Björn Vofrei, der mit der Agentur Hannoverliebe! eine Plattform für Hannover-Fans betreibt: "Da braucht es authentische Kommunikation." Er selbst gibt Menschen im Internet die Möglichkeit, ihre Geschichten zu Hannover zu erzählen: "Da ergeben sich dann emotionale Verbindungen zu vielen verschiedenen Orten",  sagt er: "Wir machen Hannovers Lebensqualität sichtbar."

Im Ruhrgebiet gelinge der Wandel vom Industrierevier zur Kulturregion ziemlich gut, sagt Hutecker, der drei Jahre dort lebte: "Firmen, Medien und Politiker ziehen dabei an einem Strang." Dass Imagepflege nicht an eine einzelne Einrichtung delegiert werden kann, sagt auch Vofrei: "Ich sehe uns alle in der Pflicht, Hannover lebenswerter zu machen - und davon zu erzählen."

Wie man Hannoveraner dazu bringt, von ihrer Stadt zu schwärmen, ließ sich bei der Diskussion mit dem Publikum erkennen. "Vielleicht fehlt uns ein Alleinstellungsmerkmal", merkte ein Besucher an - um sofort breiten Widerspruch zu ernten. Die Expo und der Maschsee, die Herrenhäuser Gärten und Lena Meyer-Landrut, die Messe und Altkanzler Schröder - lang ist die Liste der Dinge, die Hannoveraner aufzählen, wenn jemand ihre Stadt kritisiert. Darin, Hannover in  Schutz zu nehmen, sind sie ziemlich gut. Man kann darin das Kompensieren eines Minderwertigkeitskomplexes sehen. Oder einen verborgenen Stolz.

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