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Aus der Stadt „Wenn wir zu lasch sind, entsteht Chaos“
Hannover Aus der Stadt „Wenn wir zu lasch sind, entsteht Chaos“
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00:16 13.03.2017
Von Bärbel Hilbig
Wie ist das mit dem fehlenden Respekt? Im HAZ-Forum diskutieren (v. li.) Andrea Kunkel, Wilhelm Bredthauer, Georg Hölting, Michael Balke, HAZ-Redakteurin und Moderatorin Saskia Döhner, Eva Busch, und Prof. Manfred Bönsch. Fotos: Schaarschmidt (6) Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

„Du hast mir gar nichts zu sagen!“ Diesen empörten Ausruf eines Grundschülers hat Schulleiterin Andrea Kunkel häufig gehört. Und die Haltung, die dahintersteckt, ist aus Sicht der Pädagogin symptomatisch. Bei HAZ-Forum zum Thema Disziplin und Respekt in der Schule mit gut 200 Gästen waren sich die Diskussionsteilnehmer einig: Wenn Kinder Regeln missachten, liege das an den Erwachsenen. „Wenn wir zu lasch, oberflächlich und tolerant sind, entsteht eher Chaos als Ordnung“, stellt der Erziehungswissenschaftler Prof. Manfred Bönsch klar.

Die Situation in der Schule habe sich verändert, sagt Kunkel, Leiterin der Grundschule in Langenhagen-Godshorn: „Wir müssen Höflichkeit einfordern.“ Bitte, danke, Entschuldigung zu sagen - das sei keine Selbstverständlichkeit mehr. Häufig erlebe sie, dass Kinder Grenzen überschritten - bis dahin, dass Lehrer körperlich in einen Streit unter Schülern verwickelt würden. „Es ist für die Gemeinschaft wichtig, dass wir Grenzen ziehen und insistieren.“ Allerdings müssten Eltern mitziehen. „Kinder brauchen das Gefühl, dass die Erwachsenen wissen, wo es langgeht“, fordert Kinder- und Jugendpsychologin Eva Busch. Eltern abersähen sich oft zu sehr als Kumpel ihrer Kinder, sagt Elternvertreter Michael Balke. „Wir müssen Konflikte aushalten.“

Gewalt auf dem Pausenhof, respektloses Verhalten gegenüber den Lehrern: In Hannovers Schulen mangelt es zuweilen an Disziplin – vonseiten der Schüler, aber auch einiger Eltern. Warum ist das so? Darum ging es am Donnerstag beim HAZ Forum, der großen Diskussionsrunde im Pressehaus. 

Entstehen Probleme, weil Einwandererkinder 
mit ihrer Kultur andere Werte mitbringen?

Antje Dietrich, Leiterin der Grundschule Alemannstraße, fehlt in der gesamten Diskussion der Aspekt der kulturellen Unterschiede. Die 199 Kinder ihrer Schule stammen aus vielen verschiedenen Kulturkreisen mit teils sehr unterschiedlichen Wertvorstellungen. „In unserer Schule führt das zu Verunsicherung“, sagt sie. Ein Regelrahmen, dem sich alle anpassen, sei notwendig, betont Erziehungswissenschaftler Bönsch. „Jeder muss sich auf einen Mindestregelkanon einlassen, sonst funktioniert Schule nicht“, sagt er.
Eine Lehrerin von einer weiterführenden Schule berichtet von den Mühen, die es koste, Regeln durchzusetzen. Sie hatte einen Schüler dazu angehalten, seinen Müll selbst wegzuräumen. Die Mutter des Jungen beschwerte sich daraufhin: In ihrem Glauben sei es nicht verankert, dass dieses Kind Müll sammelt.

Umgekehrt allerdings erleben Lehrer häufig genug, dass gerade Eltern in Einwandererfamilien auf gute Umgangsformen Wert legen. So wie Ilse Dunkhase-Degott, die in der Grundschule Fuhsestraße Flüchtlingskindern Deutsch beibringt. „Unsere Schüler sind ausgesprochen höflich. Wir haben in der Schule schwer zu öffnende Türen. Die Schüler halten uns Lehrern und auch anderen Kindern bei jeder Gelegenheit die Tür auf“, sagt sie. Wilhelm Bredthauer, lange Leiter im Gymnasium Goetheschule, ist zwar vielen Schülern begegnet, deren Eltern aus traditionellen, eher autoritär geprägten Gesellschaften stammen. „In der Regel kamen Schüler, die am Gymnasium Probleme bereiten, nicht aus diesem Kreis.“

Lehrer und Eltern müssen reden

Psychologin Eva Busch betont, wie wichtig die Verlässlichkeit von Regeln für Kinder ist. Aber wie kommen Eltern und Lehrer auf einen Nenner? „Wenn ein Schüler über Lehrer schimpft, sollten Eltern ihn fragen, ob er den Lehrer direkt angesprochen hat“, empfiehlt Schüler Georg Hölting. Es gebe heute viel mehr Redebedarf, betont Schulleiterin Kunkel. „Aber Lehrer haben auch einen Feierabend.“ Sie rät zu festen Zeiten, damit Eltern wissen, wann sie den Lehrer erreichen können.

Auch E-Mails seien eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme. „Wir führen keine Gespräche über Konflikte zwischen Tür und Angel. Morgens kurz vor Unterrichtsbeginn geht das nicht“, sagt Kunkel. Beide Seiten sollten vorbereitet sein. Allerdings berichten in der Diskussion verschiedene Grundschullehrer über ihren randvollen Arbeitstag mit hoher Zahl an Unterrichtsstunden. „Es kostet Zeit, die Notwendigkeit von Regeln zu erklären“, sagt eine Lehrerin.

Strafen sind wichtig – aber 
ebenso Sensibilität und Augenmaß

Wie sollen Regelverletzungen bestraft werden? „In der Grundschule war es für mich schlimm, überhaupt bestraft zu werden“, erinnert sich Georg Hölting aus dem 13. Jahrgang der Integrierten Gesamtschule Roderbruch. Dass ein Fehler bemerkt und durch die Strafe an die Öffentlichkeit kam, war die größte Pein, berichtet der Schüler.

Die Konsequenzen von Verstößen müssten grundsätzlich feststehen, sagt Prof. Manfred Bönsch. Respektlosigkeit habe aber ganz unterschiedliche Ursachen, betont Ex-Schulleiter Wilhelm Bredthauer. Bei tiefergehenden Problemen brauche ein Schüler psychologische Unterstützung und Geduld. Simples Bestrafen helfe nicht. Psychologin Eva Busch plädiert für Flexibilität. „Wenn es Kindern schwerfällt, sich zu konzentrieren, brauchen sie Pausen. Sonst provoziert die Überforderung Disziplinlosigkeit".

Fehlverhalten ist peinlich: Wilhelm Bredthauer und Georg Hölting. Quelle: Tim Schaarschmidt

Wenn Eltern Lehrer als Feind ansehen 
– und für bessere Noten mit Klage drohen

Wie manche Eltern vorgehen, um vermeintlich die Interessen ihres Kindes durchzusetzen, berichtet ein ehemaliger Lehrer aus dem Publikum. Einer seiner Schüler hatte in einer Übungsklausur in Erdkunde eine Fünf geschrieben. Am nächsten Tag nahm der Schulleiter den Lehrer beiseite, ob sich bei einem Blick auf die Arbeit nicht doch noch etwas drehen lasse. „Der Vater, dummerweise Rechtsanwalt, hatte sich beschwert und mit Klage gedroht.“ Der Lehrer musste die Note ändern – und benachteiligte damit seine anderen Schüler. Und der Juristensohn lernte, wie mit Lehrern umzugehen ist.

Nun sind klagefreudige Juristen keine neue Erscheinung an Schulen. Wilhelm Bredthauer, ehemaliger Leiter der Goetheschule, hat als junger Lehrer einen ähnlichen Fall erlebt. Sein Vorgesetzter hielt damals dagegen. „Heute sind Eltern generell noch eher in Sorge, dass wir in der Schule etwas mit ihrem Kind machen, das sich ihrer Kontrolle entzieht“, bedauert er. Das Misstrauen lasse sich nur durch viele Gespräche mindern.

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