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HAZ-Leser streiten über Karl Jatho

Debatte im Historischen Museum HAZ-Leser streiten über Karl Jatho

Kontroverse Debatte beim HAZ-Forum: Rund 180 Leser waren gekommen, um mit Experten über den vermeintlichen Flugpionier Karl Jatho zu diskutieren. Nachdem eine Historikerin die Rolle des hannoverschen Flugzeugbauers in einem anderen Licht beleuchtet hatte, ist ein handfester Streit um den vermeintlichen Überflieger entbrannt.

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Das HAZ-Forum fand diesmal im Historischen Museum statt.

Quelle: Sedelies

Hannover. War Karl Jatho nun Überflieger oder Hochstapler? Darüber diskutierten rund 180 Leser beim HAZ-Forum am Mittwochabend im Historischen Museum. Im Zentrum der Debatte stand Jathos vermeintlich bahnbrechender Kurzflug über 18 Meter im Jahr 1903. Während die einen darin einen Meilenstein der Fluggeschichte sehen, halten andere die Geschichte für eine Legende.

Ausgelöst hatte die Debatte um die Rolle des hannoverschen Flugzeugbauers aus der Jahrhundertwende die junge Historikerin Vanessa Erstmann. Eigentlich wollte Erstmann in einer wissenschaftlichen Arbeit belegen, dass Jatho in einem Atemzug mit Otto Lilienthal und den Brüdern Wright in den Geschichtsbüchern genannt werden muss. Sein Luftsprung am 18. August 1903 von 18 Metern Länge in rund einem Meter Höhe – er musste doch beweisbar sein. Doch Erstmann fand in den Archiven keine belastbaren Belege dafür, dass dieser Flug wirklich gelungen war. „Jatho schaffte es nicht, diesen Flug zu reproduzieren“, gab sie unlängst in der HAZ zu bedenken. Auch beim HAZ-Forum bekräftigte Sie ihre Erkenntnisse und verwies auf die dünne Quellenlage zum Thema.

Einen der wenigen Hinweise auf den Flug brachte Museumsdirektor Thomas Schwark mit. Im Besitz des Historischen Museum befindet sich Jathos Tagebuch, in dem dieser sich euphorisch zu dem umstrittenen Luftsprung äußert. Dass der Kurzflug tatsächlich stattgefunden hat, berichteten in der einschlägigen Literatur auch zwei vermeintliche Augenzeugen – die aber erst rund 30 Jahre später ihre Aussagen machten.

Dessen ist sich Gunter Hartung, Fachjournalist und Mitglied des Arbeitskreises Technik- und Industriegeschichte, durchaus bewusst. "Wir wissen aber, dass Jatho im Jahr 1903 den Gebrüdern Wright in allen technischen Parametern überlegen war, die für das Fliegen wichtig sind", sagte er. Wenn man so will, hatte Jatho ein Marketing- und Imageproblem. "In anderen Ländern wurden Flugpioniere verehrt, in Deutschland meistens als Spinner abgetan", sagte Hartung.

Kritiker verweisen indes darauf, dass diese Erkenntnisse nicht als ausreichender Beweis für den historischen Flug gelten könnten. Hinzu kommen Erkenntnisse, die Mitarbeiter des Museum für Luftfahrtgeschichte beim HAZ-Forum erstmals vor einem größeren Publikum vortrugen: ihre Untersuchung an Jathos Fluggefährt ließ erhebliche Zweifel daran aufkommen, dass mit diesem Flugzeugmodell ein derartiger Luftsprung überhaupt möglich gewesen sei.

Der Abend wurde von HAZ-Redakteur Simon Benne moderiert. Am Ende waren sich die Teilnehmer einig, dass Jatho sehr wohl zu den enthusiastischen Luftfahrtpionieren gezählt werden kann. Ob er aber in einem Atemzug etwa mit den Brüdern Wright genannt werden sollte, oder ob er nur einer unter vielen mehr oder minder erfolgreichen Bastlern seiner Zeit war – diese Frage konnte auch das HAZ-Forum nicht eindeutig beantworten.

mic/jan/se

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