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Wer löst die Probleme auf der A 2?

HAZ-Forum Wer löst die Probleme auf der A 2?

In diesem Jahr hat es viele schwere Unfälle auf der A2 gegeben, die zum Teil stundenlange Staus und lange Sperrungen zur Folge hatten. Tempolimit? Weniger Baustellen? Das HAZ-Forum zu den Problemen auf der Autobahn zeigt: Die eine, einfache Lösung gibt es nicht. 

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Immer wieder gibt es auf der A2 schwere Unfälle. Im HAZ-Forum wird heute Abend darüber diskutiert, ob und wie sich diese künftig vermeiden lassen.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Die Unfallserie auf der Autobahn 2 reißt nicht ab. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Verkehrsunfälle auf der viel befahrenen Ost-West-Tangente im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 20 Prozent gestiegen. Regelmäßig stehen Berufspendler im Stau. Als Folge verstopfen die Straßen in vielen Stadtteilen, weil sich die betroffenen Autofahrer Ausweichrouten durch die City suchen.

Es sei nicht unbedingt ein einfaches Thema für eine Diskussionsrunde, eröffnete HAZ-Redakteur Heiko Randermann, der am Mittwochabend im Pressehaus in Kirchrode das Forum zu den Problemen mit und auf der A 2 moderierte. Antworten auf die drängenden Fragen suchten auf dem Podium Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD), Hannovers Polizei-Vizepräsident Jörg Müller, ADAC-Vorstandsmitglied Bernward Franzky, der Vorstand des Hemminger Baustellen-Absperr-Unternehmens B.A.S., Ralph Goerres, und Benjamin Sokolovic, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe in Niedersachsen. Rund 100 Gäste waren zu der Veranstaltung gekommen, die die HAZ gemeinsam mit dem ADAC geplant hatte.

Nach Ansicht des ADAC lässt sich die Vielzahl der Unfälle auf der A 2 auf drei Hauptursachen zurückführen: Zu hohe Geschwindigkeit, zu geringe Abstände und unkontrollierte Fahrstreifenwechsel. „Das scheint den einen oder anderen Verkehrsteilnehmer zu überfordern“, sagte Bernward Fransky. Dennoch seien die Autobahnen, statistisch gesehen, die sichersten Straßen, sagte Polizei-Vizepräsident Müller. „70 Prozent aller Getöteten in Niedersachsen kommen außerhalb geschlossener Ortschaften ums Leben“, sagte er.

Bringt ein Tempolimit Abhilfe?

Für die Lösung aller Probleme auf der Autobahn 2 sei eine ganze Sammlung von Maßnahme notwendig, erklärte Verkehrsminister Lies. Dazu gehörten ein vernünftiges Baustellenmanagement, flexible Regelungen des Verkehrs über die programmierbaren Schilderbrücken, Hinweise auf Staus und andere Gefahrenstellen an alle Fernfahrer per CB-Funk sowie Kontrollen der Polizei. B.A.S.-Vorstand Goerres plädierte dafür, vor Baustellen alle Verkehrsteilnehmer besonders intensiv auf die Einschränkungen vorzubereiten. „Technisch ist es möglich, mobile LED-Tafeln innerhalb von Sekunden mit neuen Informationen vor den Baustellen zu programmieren, damit die Autofahrer immer auf dem neusten Stand sind“, sagte er.

Benjamin Sokolovic vom Gesamtverband Verkehrsgewerbe wehrte sich gleich zu Beginn gegen die landläufige Meinung, Fernfahrer würden unter einem hohen Termindruck stehen und von ihren Arbeitgebern regelrecht ausgebeutet. Das genaue Gegenteil sei der Fall. „Es sind Facharbeiter, die regelmäßig Fortbildungen absolvieren“, sagte Sokolovic.

HAZ-Leser Dirk Kühlwetter hatte vorab die Frage eingereicht, ob nicht ein allgemeines Tempolimit von 130 Stundenkilometern zur Lösung der Probleme auf der A 2 führen könne. „Die Antwort ist zu einfach“, sagte Verkehrsminister Lies. Die Anpassung des Tempos der Fahrzeuge über eine Verkehrsbeeinflussungsanlage halte er für eine bessere Lösung. Und Benjamin Sokolovic wies darauf hin, dass es de facto ein solches Tempolimit bereits gebe: „Bei einem Unfall mit einer Geschwindigkeit über 130 trifft alle Beteiligten eine Mitschuld.“

Transporte sollen auf die Schiene verlegt werden

Feuerwehrmann Gerrit Schneider beklagte die laxe Haltung der Strafverfolgungsbehörden bei Ermittlungen auf der Autobahn und schilderte einen ungewöhnlichen Fall: Im Juni hatte er Strafanzeige gegen einen Fernfahrer gestellt, der ihn und seine Frau, die zusammen in einem VW auf der A 7 unterwegs waren, beim Überholen massiv bedrängt und gefährdet hatte. Den Vorfall konnte er mit einem Video belegen, das seine Frau mitgeschnitten hatte. Das Verfahren wurde dennoch eingestellt. Das Überholmanöver eines Lastwagens sei ein „hochkomplexer Vorgang“, auf den die anderen Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen müssten, schrieb ihm die Staatsanwaltschaft Hannover zurück. „Da braucht man sich nicht zu wundern, dass sich die Fernfahrer trauen, sich sehr viel herauszunehmen“, sagte Schneider.

Mit Blick auf die Prognosen, die besagen, der Verkehr auf den Autobahnen werde in den nächsten Jahren weiter zunehmen, waren sich alle Diskussionsteilnehmer darüber einig, dass die Transporte künftig stärker auf die Schienen und auf die Wasserstraßen verlegt werden müssten. Nicht einig war sich das Podium, wie dieser Weg am schnellsten eingeschlagen werden kann. „Es gibt doch eine große Wasserstraße, die von West nach Ost führt. Warum nutzt man nicht den Mittellandkanal stärker für Transporte?“, fragte HAZ-Leser Ingo Conrad in die Runde. Die Infrastruktur sei darauf derzeit nicht ausgelegt, sagte Verkehrsminister Lies. Die Brücken seien zu niedrig, es fehlten zudem auch die Schienenanschlüsse zum Kanal. „Ich bin aber dafür, vorhandene, stillgelegte Schienenverbindungen zu reaktivieren und sie mit elektrisch betriebenen Bahnen und Lärmschutz auszustatten – erfahrungsgemäß wird es gegen diese Pläne aber massive Proteste vor Ort geben“, sagte Lies.

Benjamin Sokolovic nahm zum Ende der Diskussion auch die Kunden in die Pflicht: „Wir alle bestellen heute gerne fünf Paar Schuhe, die morgen da sein müssen und von denen wir am nächsten Tag wieder vier Paar zurückschicken. Auch das verursacht Transportverkehr auf unseren Autobahnen.“

Kontrolle ist wichtig – aber schwierig

In einem Punkt war sich das Podium beim HAZ-Forum am Mittwochabend einig: Die Kontrollen auf der A 2, mit ihren durchschnittlich 25 000 Lastwagen pro Tag, sollten dringend verstärkt werden. „Wer sich nicht an die Regeln hält, muss auch erwischt werden“, sagte Bernward Franzky vom ADAC. „Man kann immer mehr Kontrollen machen, und ich würde das auch gerne“, sagte Hannovers Polizei-Vizepräsident Jörg Müller.

Doch gibt es laut Müller auf der viel befahrenen Ost-West-Tangente im Zuständigkeitsbereich der hannoverschen Polizei eine besondere Schwierigkeit, was die Durchführung von Abstandskontrollen betrifft: „Die Verkehrsgeografie lässt das nicht zu.“ Um eine ordnungsgemäße Abstandsmessung auf der A 2 vornehmen zu können, müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst muss es genügend Autobahnbrücken und ausreichend Kameras geben – das bedeutet, pro Fahrstreifen eine Kamera. Zudem müssen Markierungen auf den Fahrbahnen angebracht werden, damit die Kameras in der Lage sind, den Abstand zwischen den Lastwagen zu messen und aufzuzeichnen. Außerdem ist die Verkehrsdichte entscheidend. „Bei Stop-and-go brauchen Sie keine Abstandsmessungen vorzunehmen“, sagte Müller. Ein weiteres Detail erschwert die Arbeit der Polizei: Verstöße von ausländischen Fernfahrern aus bestimmten Ländern müssen unverzüglich an Ort und Stelle im sogenannten beschleunigten Verfahren geahndet werden. So will es eine EU-Vereinbarung.

Für die hannoversche Polizei bedeutet das konkret: Selbst, wenn alle anderen Voraussetzungen für eine Großkontrolle gegeben sind, müssen die Abstandsmessungen in der Nähe von Parkplätzen oder Rastanlagen vorgenommen werden, damit die ausländischen Lastwagen bei Verstößen sofort aus dem Verkehr gezogen werden können. Da diese Faktoren nur selten zusammenkommen, konzentriert sich die Polizeidirektion Hannover derzeit darauf, Kontrollen auf der A 2 von Streifenwagen aus mit dem sogenannten Police-Pilot-System vorzunehmen. Dabei können allerdings nur Geschwindigkeitsüberschreitungen und keine Abstandsverstöße festgehalten werden. Zudem nimmt die Behörde regelmäßig Lkw-Kontrollen auf Rastplätzen vor. Dabei geht es aber auch nicht um das Thema Abstand, sondern beispielsweise um Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten, technische Mängel an den Fahrzeugen oder die Ladungssicherung.     

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