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Aus der Stadt So war das HAZ-Forum zur Sicherheitswoche
Hannover Aus der Stadt So war das HAZ-Forum zur Sicherheitswoche
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00:17 25.11.2017
Peter Zingler (v.l.), Christian Limburg und Ralf Goßmann beim HAZ-Forum zu Wohnungseinbrüchen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Wie lassen sich Fenster und Türen am besten gegen Einbrecher sichern? Sind Alarmanlagen sinnvoll? Versprechen moderne Smart-Home-Systeme wirklich mehr Schutz vor Eindringlingen? Die mehr als 140 Gäste am Mittwochabend bei der Diskussionsrunde anlässlich der HAZ-Sicherheitswochen wollten Antworten auf zahlreiche Fragen hören. Auf dem Podium saßen der Autor und Ex-Einbrecher Peter Zingler, Ralf Goßmann von der Zentralen Kriminalinspektion und Christian Limburg von der HDI Versicherung. „Gerade Einbrüche sind für die Opfer immer eine besondere Belastung“, sagte Goßmann. Die Täter durchwühlen die Wohnung und dringen damit in die Intimsphäre der Betroffenen ein.

Gerade in der dunklen Jahreszeit steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche deutlich an. Die Polizei verzeichnete 2016 insgesamt 2937 Taten, in diesem Jahr erwartet Goßmann eine ähnliche Zahl. Immerhin: 46 Prozent der Einbruchsversuche scheiterten 2016. Die Aufklärungsquote ist jedoch mit lediglich 23 Prozent gering. In den vergangenen Wochen seien Einbrecher vor allem zwischen Döhren und Laatzen aktiv gewesen. Eine Aufschlüsselung nach besonders betroffenen Stadtteilen mache die Polizei nicht. „Wir wollen keine Stigmatisierung“, sagte Goßmann auf Nachfrage aus dem Publikum. „Generell trifft es aber die ganze Stadt.“ Bei einer Großkontrolle Anfang November suchte die Polizei gezielt nach Einbrechern. Selbst Ex-Ganove Zingler wurde schon zweimal Opfer. „Es gibt kein größeres Leid, als als Dieb bestohlen zu werden“, sagte er.

80 Prozent hebeln Fenster und Türen auf

80 Prozent der Täter gelangen durch einfaches Aufhebeln der Fenster oder Türen in die Wohnungen. Deshalb raten die Experten zu hochwertigen Materialien, 59 Prozent würden laut Goßmann daran scheitern. „Je mehr Zeit und weniger Angst der Einbrecher hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er reinkommt“, sagte der Kriminalist. Einbrecher müssten möglichst lange aufgehalten werden, damit sie aufgeben. Neben einem guten Zylinderschloss müsse auch die Tür widerstandsfähig sein. Und das Urteil des Ex-Einbrechers Zingler über die meisten Alarmanlagen: „Spielerei.“ Gleiches gelte für brennende Lampen oder eingeschaltete Fernseher. Der beste Schutz sei ein Hund. „Der Zweitbeste sind die aufmerksamen Nachbarn“, so Zingler. Die schauen zu jeder Tages- und Nachtzeit aus dem Fenster.

Sollte man einem Einbrecher gegenüber stehen, rät Kriminalist Goßmann zur Vorsicht. Auf keinen Fall solle man auf Konfrontation gehen. Stattdessen sollten sich die Opfer Details des Einbrechers merken, damit er seitens der Polizei schneller und besser gesucht werden kann. „Uns interessieren die sieben W-Fragen“, sagte Goßmann, „Wer, was, wann, wo, wie, warum, womit.“ Erst nach der polizeilichen Arbeit sei es an der Zeit, sich an die Versicherung zu wenden, sagte Christian Limburg von der HDI Versicherung. „Der Geschädigte sollte sich notieren, was gestohlen wurde“, sagte er. Im Bestfall gibt es noch die passenden Quittungen dazu, die die Arbeit der Versucherung erleichtern. „Das ist die Kür“, sagte Limburg. Generell seien die Versicherer bemüht, Schadensfälle schnellstmöglich zu bearbeiten.

„Einbrecher sind Trüffelschweine“

Die Präventionsstelle der Polizei bietet Informationen im Internet sowie kostenlose Sicherheitsberatungen an – die sind aber aufgrund der hohen Nachfrage mit langen Wartezeiten verbunden. „Wir arbeiten daran“, sagte Goßmann. Derzeit werde geprüft, ob das Personal aufgestockt werden könne. Außerdem empfehlen die Ermittler vertrauenswürdige Handwerker zur Installation der passenden Schutzmaßnahmen. Und da bringe es nichts, sich nur auf Fenster und Türen zu konzentrieren. „Einbrecher sind Trüffelschweine“, sagte Goßmann, „sie kommen überall rein, wo der Maurer ein Loch gelassen hat.“ Außerdem rät der Ermittler, dass alle in der Nachbarschaft aufeinander achten. Und bei allen großen Maßnahmen gab Versicherer Limburg einen ganz klassischen Tipp: „Die Haustür zweimal abschließen.“

Von Peer Hellerling

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