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Aus der Stadt Ein exklusiver Rundgang durch den Sprengel-Anbau
Hannover Aus der Stadt Ein exklusiver Rundgang durch den Sprengel-Anbau
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19:55 22.07.2015
Direktor Reinhard Spieler übernimmt die Führung für die Gewinner persönlich. Quelle: Sedelies
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Hannover

Auch zuletzt ging es in den HAZ-Leserbriefen zur Erweiterung des Sprengelmuseums nicht um die Architektur und die Kunst, die den Bau schon bald schmücken soll. Es ging um Flecken an der neuen 75 Meter langen Fassade. Leser forderten angesichts von erkennbaren Farbunterschieden im Beton eine Behandlung der Fassade mit Speiseöl. „Das gibt einen satten dunklen Ton“, hieß es süffisant in einer Zuschrift. Ein weiterer Leser schlug vor, entschlossen zu grundieren und „zügelloses Sprayen“ zuzulassen. Der Anbau für 35 Millionen Euro hat es in der öffentlichen Wahrnehmung nicht leicht gehabt. Das mag auch daran liegen, dass bisher kaum ein Bürger hinter die Fassade schauen konnte.

Am 18. September soll der Erweiterungsbau des Sprengel-Museums offiziell eröffnet werden. Etwa 20 Gewinner einer HAZ-Aktion konnten sich den umstrittenen Bau schon am Mittwoch ansehen.

Die HAZ schickte am Mittwoch daher gleich 20 Leser exklusiv hinein. Die Führung übernahm Museumsdirektor Reinhard Spieler selbst. Und doch überwog zunächst die Skepsis. „Ich bin auf die Aussicht gespannt“, sagte Roswitha Mackowiak aus Burgdorf. „Mal schauen, wie das Brikett von innen aussieht“, flüsterte eine andere Leserin. Leises Lachen durchzog das Foyer.

Spieler bemühte sich sämtliche Vorurteile schnell zu widerlegen. Vor allem die Einschätzung zu den Flecken ärgerte ihn. „Wir wollten genau diese Betonstruktur, kein künstliches Material. Wir sprechen von Werkstein, der arbeitet, der Licht- und Schattenspiele bietet, eine Ästhetik vermittelt, Lebendigkeit schafft.“ Die HAZ-Leser befühlten die kleinen Betonporen behutsam an den Außenwänden und fuhren mit den Fingern immer wieder feine Risse ab. Geduldig ließen sie sich die hochwertige Relieftechnik erklären, den Aufbau des Neubaus mit seinen zehn unterschiedlich dimensionierten Ausstellungsräumen und den 1400 Quadratmetern Ausstellungsfläche, die Lagerflächen, die Forschungsabteilungen und die drei Loggien, die einen Blick auf den Maschsee erlauben. Dort soll künftig auch die Geschichte des Maschsees und seine Entstehung durch Zwangsarbeiter thematisiert werden. „Das gehört dazu“, sagte Spieler. Verständnisvolles Nicken der Zuhörer, die immer wieder den Museumsalarm auslösten – die Wände für die Kunst sind schon gesichert.

Bleibt die Frage nach den wenigen Fenstern. Spieler atmet durch. „Museen brauchen Wandflächen, keine Fenster. Denn Sonnenlicht ist der Todfeind der Kunst.“ Natürliches Licht erreicht die Räumlichkeiten durch die Decke. „Viele Menschen, die von einem Sarkophag sprechen, werden sich wundern.“ Die HAZ-Leser taten es und machten Fotos von den noch weißen Wänden, klopften Fußböden ab, ließen ihre Hände über die noch abgeklebten Handschmeichler im zentralen Calder-Saal fahren, der künftig für Performances und Konzerte genutzt werden soll. „Ich muss alle meine Vorurteile zurücknehmen“, sagte Brigitte Baron. „Es ist eine außergewöhnliche Architektur“, lobte Annelen Ropers. „Von innen wirkt es völlig anders, richtig großzügig“, sagte Beate Pietsch. „Ich stand dem Neubau erst skeptisch gegenüber. Aber die Kritik ist überzogen. Und es muss auch nicht jedem gefallen“, sagte Wilmar Degener. Spieler lächelte still.

Vielleicht trifft der Direktor schon bald auf mehr Verständnis für seine Betonbegeisterung. Denn in den nächsten Tagen wird die letzte Staubwand entfernt, Künstler arbeiten an Rauminstallationen, am 19. September kommen die Bürger – hoffentlich ohne Speiseöl.

Von Jan Sedelies

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