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Aus der Stadt So sieht Hannover aus dem Touristenbus aus
Hannover Aus der Stadt So sieht Hannover aus dem Touristenbus aus
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00:15 14.07.2017
Von Susanna Bauch
Heimatkunde im Doppeldeckerbus: HAZ-Redakteurin Susanna Bauch macht eine Stadtrundfahrt. Quelle: Katrin Kutter/HAZ-Collage
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Hannover

Die Stimme zur Begrüßung ist sympathisch, aber sie kommt vom Band. Nur sonnabends wird die City Tour der Hannover Tourismus Gesellschaft im Doppeldeckerbus live begleitet. An diesem sonnigen Freitagnachmittag in der Ferienzeit orientieren sich die Gäste an Lautsprecher oder Kopfhörern. Der Andrang ist überschaubar. Rund 20 Teilnehmer steigen aufs Oberdeck, zwei Herren in gebügelten Hemden sprechen Englisch, drei junge Leute kommen aus Taiwan. Die übrigen Mitfahrer sind allesamt Hannoveraner, die ihre Stadt einmal aus anderer Perspektive sehen wollen oder Kinder dabei haben, die gerne Doppeldeckerbus fahren. Heimatkunde sozusagen.

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Diese Busse sieht man in Hannover häufiger. Mit dem Doppeldeckerbus machen Touristen eine Stadtrundfahrt durch Hannover.

Die Hop-on-Hop-off-City-Tour für 15 Euro kann man bei der Tourist Information spontan buchen. Eigentlich geht es freitags und sonnabends im Sommer stündlich los, an sieben Haltestellen können die Fahrgäste aussteigen, um sich näher umzuschauen, und mit einem späteren Bus weiterfahren. An diesem Tag sind keine Zusatzfahrten geplant, zu wenig los. „Reservierungen gibt es eigentlich kaum, daher wissen wir auch nicht, wie ausgelastet die jeweilige Tour ist“, erklärt eine Mitarbeiterin der Tourist Information am Hauptbahnhof. Leer seien die Busse nie, bei der Platz-Auslastung ist aber wohl meistens viel Luft nach oben.

Goldene Hochzeit im Bus

Für Hannelore und Hans-Peter Dreiser aus der Südstadt ist die Tour Höhepunkt für einen besonderen Tag - sie feiern ihre goldene Hochzeit. „Wir sind gebürtige Hannoveraner und kennen eigentlich schon alles, aber vielleicht ist ja etwas Neues dabei“, sagt Hannelore Dreiser. Die halbe Welt haben die Dreisers schon bereist, heute reicht ihnen Hannover.

Die erste Schleife dreht der Bus durch die Theaterstraße, die Stimme vom Band verrät, dass sich hier Opern-, Künstler- und Schauspielhaus befinden. Das ist nicht ganz korrekt, aber David Adams aus Brighton fotografiert vorsichtshalber alle Gebäude rechts und links. Der Brite und sein Kollege sind geschäftlich in der Stadt und nutzen den freien Nachmittag für eine Sightseeing-Fahrt. Hannover in 100 Minuten, ab Minute 60 allerdings muss Adams telefonieren, geschäftlich vermutlich.

Die Tour führt vorbei am Kröpcke und dem GOP, Zarah Leander und Josefine Baker seien hier schon aufgetreten, erfahren die Mitfahrer. Das liegt allerdings schon ein paar Jahre zurück. An Torhaus und Nord/LB-Gebäude gibt es einen interessanten Kurzvortrag zum Thema Architektur, dann geht es Richtung Gartenfriedhof in die Marienstraße. Die sympathische Stimme erklärt, wie städteplanerisch gelungen der City­ring sei, den seit den Fünfzigerjahren bereits viele andere Städte für einen reibungslosen Verkehr imitiert hätten. Zu diesem Zeitpunkt steht der Tourbus im täglichen Stau auf der Marienstraße.

Und überall: Baustellen

Ben ist mit seiner Oma Ute Blohm auf Besichtigungstour. Er wartet sehnlichst auf die Fahrt vorbei am Zoo. „Wir kommen aus der List, wollten aber schon immer eine Stadtrundfahrt machen“, sagt Ute Blohm. Und schon wird Ben belohnt, der Bus kurvt vorbei an Zoo und Stadthalle. Vom Oberdeck aus wird erst richtig deutlich, dass es in der City zurzeit ziemlich viele Baustellen gibt - eine davon liegt direkt vor dem Tierpark.

Die Eilenriede wird während der 100 Minuten-Fahrt gleich mehrmals positiv erwähnt, doppelt so groß wie der New Yorker Central Park sei die grüne Fläche und angeblich voller Rehe, Marder und Füchse - das beeindruckt auch die beiden Briten. Genau wie die Gründerzeitviertel Zoo, Oststadt und List, die sich von ihrer Schokoladenseite zeigen, da dank des schönen Wetters alle Cafés proppenvoll sind.

Dagmar Wendt ist aus Oldenburg gekommen. „Ich bin in Hannover geboren, aber mit fünf Jahren weggezogen.“ Jetzt wolle sie ihre Heimatstadt einmal erkunden. „Die Textbeiträge sind ein wenig schmalzig, aber so sind Städtetouren eben.“ Genau, schließlich soll damit Werbung für Historie, Charme und Sehenswürdigkeiten der Stadt gemacht werden - allerdings nachprüfbar für die zahlreichen hannoverschen Mitfahrer.

Falls die es noch nicht wissen, erfahren sie ein wenig über Bahlsen, die Conti und VW Nutzfahrzeuge. Danach jede Menge über Herrenhausen, das Schloss und königliche Gärten. Da die Bandaufnahme nicht brandaktuell ist, ist von der jüngsten Prinzenhochzeit keine Rede, dafür ist der Senior noch mit Caroline von Monaco liiert.

In Herrenhausen sollten die Gäste eigentlich aussteigen, um die barocke Anlage genießen zu können. Die Dreisers wollen das auch, sind aber nach fünf Minuten zurück im Bus. „Der Fahrer meinte, es sei heute die letzte Tour“, sagt Hans-Peter Dreiser. Später am Hauptbahnhof stellt sich das als Irrtum heraus. „Hab mich da vertan“, brummt der Fahrer unfreundlich. Ein Glück, dass er nicht durch die Tour führt, sondern nur fährt.

Das „Drei-Brötchen-Haus“

Für die Hannoveraner an Bord, mit dabei noch Leonie Losch mit Neffe Oskar aus der List, Monika Neumann mit Tochter Elena aus dem Zooviertel und Renate Krall mit Enkel Benjamin aus der Südstadt, gibt es nicht allzu viel Neues, dennoch wirft die Tour ein warmes Licht auf die Heimatstadt. Ob Berggarten mit Lakritzstrohblume, Fürstenhaus, Maschsee, Rathaus, Museen, HDI-Arena, Göttinger Sieben, Nanas oder Skulpturenmeile - die Stadt hat auf engem Raum ziemlich viel zu bieten, finden auch die Briten aus Brighton.

Und eine Sache ist für alle neu: Das ehemalige Conti-Haus am Königsworther Platz - jetzt Universität - wird auch „Drei-Brötchen-Haus“ genannt. Zur Einweihung, so die Stimme aus dem Off, soll es für jeden Mitarbeiter gratis drei belegte Brötchen gegeben haben - der pure Luxus.

Zwar weniger Starts und Landungen, dafür aber mehr Passagiere: Der Flughafen Hannover zieht eine zufriedene Bilanz für die ersten sechs Monate des Jahres. Grund für die positiven Zahlen sind zwei neue Fluggesellschaften, die Hannover ansteuern.

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