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Aus der Stadt HAZ-Schulexperten im Interview: „Ich vermisse die Kindheit“
Hannover Aus der Stadt HAZ-Schulexperten im Interview: „Ich vermisse die Kindheit“
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00:16 29.06.2018
Das siebte Schuljahr war so anstrengend, dass Magali (Bild links) und Chanel, die beiden Mädchen aus dem alljährlichen großen HAZ-Sommerinterview, sich die glücklichen Zeiten in ihrem Kindergarten in Kirchrode in der Mardalstraße zurückwünschen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Magali und Chanel geben der HAZ seit ihrer Einschulung 2011 jedes Jahr ein Ferieninterview. Jetzt haben die beiden Freundinnen ihr drittes Jahr an der Elsa-Brändström-Schule hinter sich. So ist es ihnen in diesem Jahr ergangen.

Ihr habt als Treffpunkt für unser Interview diesmal Euren alten Kindergarten in Kirchrode ausgesucht. Warum eigentlich? Sehnt ihr Euch manchmal nach den alten Zeiten zurück? So alt seid ihr doch noch gar nicht.

Chanel: Früher, im Kindergarten, hat man einfach immer viel Spaß gehabt. Es gab keine Aufgaben, die man erledigen musste. Man hat nur gespielt.

Magali: Jetzt muss man immer machen, was die Lehrer wollen. Manchmal gibt es total viele Hausaufgaben. Das ist richtig schwer, vor allem in Mathe.

Chanel (seufzt): Ich vermisse die Kindheit.

HAZ-Serie

Hier finden Sie alle Interviews der letzten Jahre mit Magali und Chanel. 

Bist Du denn kein Kind mehr? Mit 13?

Chanel: Doch, jetzt bin ich noch ein Kind, aber in einem Jahr, mit 14, bin ich vor dem Gesetz schon Jugendliche.

Was war denn im Nachhinein so schön am Kindergartenleben?

Magali: Wir sind zum Beispiel immer zu bestimmten Zeiten rausgegangen. Hinter dem Kindergarten konnte man über eine riesige Wiese zum Kompost rennen. Das hat nur ein paar Minuten gedauert, aber wenn wir angekommen sind, haben wir so getan, als wären wir eine Stunde gelaufen. Das war schön.

Und was war an der siebten Klasse so schlimm, dass ihr Euch so gerne an frühere Zeiten erinnert?

Chanel: Die Ansprüche sind einfach viel höher. Wenn wir jetzt etwas schreiben, reichen nicht mehr fünf Zeilen. Es muss immer gleich richtig viel sein. In Mathe ist es so: Wenn Du einmal eine Formel nicht kapiert hast, bist Du wirklich verloren. In der Sechsten hat man auch mal Zweien in Mathe geschrieben. In der Siebten freut man sich, wenn man eine 3 geschafft hat.

Jedes Jahr trifft sich die HAZ mit den beiden Schülerinnen Magali und Chantal zum Sommerinterview, diesmal in der Mardalstraße in Kirchrode. Da waren die beiden im Kindergarten.

Magali: Oder eine 4.

Magali, ich weiß, dass Du die siebte Klasse eigentlich sogar wiederholen wolltest. Magst Du darüber reden?

Magali: Ich hab’ keine Fünf auf dem Zeugnis. Ich hab’ mich mündlich immer wieder gerettet. Ich bin versetzt. In Mathe, Physik und Chemie bin ich aber nicht so gut klar gekommen. Deshalb hatten meine Eltern und ich eigentlich entschieden, dass ich das Schuljahr noch mal mache.

Wo war das Problem?

Magali: Ich weiß nicht. Wenn mich etwas nicht interessiert, klapp’ ich einfach die Ohren zu. Das geht in der Siebten nicht mehr. Aber zum Beispiel in Mathe braucht man die Hälfte von dem gar nicht, was man lernen muss. Das ist langweilig. Wen interessiert schon das Hooke’sche Gesetz?

Chanel: Ich finde negative Zahlen schlimm.

Magali: Das kann ich später wenigstens für meinen Kontostand gebrauchen. (lacht) Eigentlich kann ich Mathe vor den Arbeiten sogar meistens. Aber in der Arbeit hab’ ich einen Blackout. Ich hab’ nicht klassisch Angst. Meine Mami hat mir sogar Rescuetropfen besorgt. Daran liegt es nicht. Ich weiß in der Arbeit einfach nicht, wie die Aufgaben gehen, und hinterher weiß ich es wieder. Außerdem bin ich ein Kannkind. Ich bin 12. Ganz viele Klassenkameraden sind ein Jahr älter. Manche sind sogar schon 15. Die interessieren sich einfach für ganz andere Sachen als ich.

Seit sie in die Schule gekommen sind, treffen sich Magali und Chanel jedes Jahr mit der HAZ zum großen Ferieninterview.

Wofür interessierst Du Dich denn?

Magali: Ich klettere eben immer noch gerne in Bäume und spiele dort mit selbst gebastelten Konstruktionen. Oder ich verabrede mich mit einer Freundin im Garten zum Schaukeln. Ich bin sehr gerne draußen. Das ging dieses Jahr oft nicht. Wenn man in der Siebten Hausaufgaben auf hat, ist es immer gleich so viel, dass man bis abends daran sitzt.

Warum habt ihr Euch es jetzt am Ende doch anders überlegt, Du und Deine Eltern?

Magali: Die Lehrer sagen, ich bin wohl doch nicht so schlecht, wie ich dachte. Deshalb versuche ich die neue Klasse jetzt mal. Meine Eltern und ich gucken aber, wie die Achte läuft. Dann entscheiden wir neu.

Chanel: Ich werd’ Dir beistehen.

Magali: Ich habe auch überlegt, auf die Waldorfschule zu wechseln.

Warum?

Magali: Da wird ganz viel Wert auf andere Fächer gelegt. Auf Textil, Handarbeit oder Werken. Es gibt Orchester als Fach, oder Gartenpflege. Der Unterricht ist auch ganz anders. Man hat ein Thema immer einen Monat lang: Epochalunterricht. Wir haben uns eine Waldorfschule angeguckt. Es ist noch nicht klar, ob ich genommen werde.

Chanel, bei Dir verändert sich auch etwas ganz Zentrales. Du bekommst ein Geschwisterchen. Freust Du Dich?

Chanel: Ich find’s total toll. Ich bin ja vernünftiger als früher, ich kann jetzt schon viele Sachen alleine meistern. Da kann ich auch Verantwortung übernehmen.

Hast Du keine Angst, dass Deine Eltern weniger Zeit für Dich haben, nach 13 Jahren als Einzelkind.

Magali: Ich würd ’nen Anfall kriegen, wenn ich mit meiner Mutter in die Stadt gehen will, und sie kann nicht wegen dem Baby.

Chanel: Ich nicht. Ich weiß, das glauben manche nicht. Aber ich freue mich auf das Baby. Auf das Süße daran. Es wird ein Mädchen. Das finde ich superschön. Da kann ich später Zöpfe für sie flechten, mit ihr einkaufen gehen, sie schminken, süße Kleidung aussuchen. Und wenn das Kreischen zu laut ist, kann ich mich auch bei einer Freundin zum Hausaufgaben machen treffen.

Apropos Freundin. Im vergangenen Jahr haben wir über die ABF gesprochen, die allerbeste Freundin. Ist sie immer noch wichtig?

Magali: Ich hab’ jetzt eine IBF.

Was ist das denn?

Magali: Eine Internet-beste-Freundin.

Chanel: Es gibt BF, BFF, ABFF und ABFFIUE. BF ist beste Freundin, BFF beste Freundin für immer, ABFF allerbeste Freundin für immer und ABFFIUE allerbeste Freundin für immer und ewig.

Soso. Und die Internet-beste-Freundin?

Magali: Die hab ich im Internet kennengelernt. Wir schreiben uns seit einem dreiviertel Jahr. Sie reitet auch, wir haben ganz viele ähnliche Hobbies. Letztens haben wir sie besucht. Das war total schön.

Gibt es andere neue, wichtige Mädchensachen? Schminken zum Beispiel? Nagellack?

Chanel: Fingernägel lackieren ist der Hauptstandpunkt eines Mädchens. Ich habe 30 verschiedene Sorten Nagellack zu Hause.

Hauptstandpunkt eines Mädchens ist ein großes Wort. Warum ausgerechnet Nagellack?

Chanel: Ich weiß nicht, ich mag das einfach, wenn ich einen Nagellack habe, der zum Outfit passt. Das ist wie das Sahnehäubchen auf dem Muffin.

Ist Styling insgesamt wichtiger geworden?

Chanel: Früher war das Aussehen völlig egal. Man konnte die lumpigsten Sachen tragen. Das störte niemanden. Jetzt ist Styling schon sehr wichtig.

Magali: Ich hatte gestern und vorgestern dieselbe Bluse an. Das ist das Äußerste. Länger tragen geht auf keinen Fall. Früher war es einfach: Da hat mir meine Mutter Sachen herausgelegt und ich zog sie an.

Chanel: Und jetzt steht man vor dem vollen Kleiderschrank und hat das Gefühl: Ich hab’ nichts zum Anziehen.

Magali geht mit gemischten Gefühlen in die nächste Klasse. Das wissen wir schon. Aber wie sieht es bei Dir aus, Chanel. Freust Du Dich auf die achte Klasse?

Chanel: Ich glaube, dass sie etwas leichter wird. Es kommen neue Fächer. Politik zum Beispiel. Darauf freue ich mich. Aber insgesamt spare ich meinen Akku noch etwas. Erst in der neunten Klasse geht es richtig los mit dem Lernen. Wenn man eine Ausbildung machen will, muss man die Zeugnisse aus der neunten Klasse zeigen.

Möchtest Du denn eine Ausbildung machen?

Chanel: Nein, ich möchte studieren: Tierärztin werden, Medizin oder Jura machen. Trotzdem: In der Neunten muss man sich dann schon richtig anstrengen.

Chanel und Magali

Magali Domeier (12) und Chanel Mai Pham (13) treffen sich seit 2011, damals kurz vor der Einschulung, jeden Sommer mit der HAZ zum Interview. Vor der ersten Klasse stellten sich beide die Schule noch „pippieinfach“ vor. Die Einschätzung hat sich im Lauf der Schuljahre ziemlich verändert. In dieser Woche bringen die Mädchen an der Elsa-Brändström-Schule in der Südstadt die siebte Klasse hinter sich. In der Grundschule waren sie noch Klassenkameraden, jetzt ist Chanel in der Französischklasse. Beide sind vernarrt in Pferde. Magali tanzt zudem Ballett und spielt Cello. Chanel spielt Gitarre, liest, geht shoppen und wenn sie noch Zeit hat, chillt sie in ihrem Zimmer.

Von Jutta Rinas

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