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"Ohne Brille Auto gefahren - Gefängnis"

HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren" "Ohne Brille Auto gefahren - Gefängnis"

Wie feierte Hannover sein Schützenfest? Welchen Hattrick verpasste Hannover 96? Und warum musste ein Autofahrer ohne Brille in Gefängnis? Für unsere Serie "Hannover vor 50 Jahren"  haben wir Geschichten aus dem Archiv geholt, die HAZ-Leser vom 4. bis zum 10. Juli 1966 beschäftigt haben.

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4. Juli: Hannover feiert sein Schützenfest
Bereits am ersten Tag des Schützenfestes war viel los. "Sehr beliebt", so war zu lesen, waren "auch wieder die Fahrgeschäfte mit Miniaturautos".

Bereits am ersten Tag des Schützenfestes war viel los. "Sehr beliebt", so war zu lesen, waren "auch wieder die Fahrgeschäfte mit Miniaturautos".

Quelle: Hauschild

Anfang Juli vor 50 Jahren war Hannover im Schützenfest-Fieber. Wie es sich für eine Traditionsveranstaltung gehört, hat sich das Prozedere der Eröffnung in den vergangenen Jahrzehnten nicht geändert. Auf die Bruchmeisterverpflichtung folgt der Bierfassanstich und die erste Bierprobe. Am Abend dann das Höhenfeuerwerk. Was den Leser heutiger Zeit indes verwundern dürfte, ist folgendes Detail, das der HAZ am 4. Juli zu entnehmen war. "Der Auftakt für das Fest war ernster Natur." Denn bevor die Feierlichkeiten begannen, legte das Schützenkollegium ein Kranz am Grab des früheren Niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf nieder. Erst danach ging es unter Marschmusik zum Trammplatz.

Auch dem Schießen widmete sich die HAZ detailliert. "Schon an den ersten beiden Tagen herrschte Hochbetrieb an den etwa 120 Schießständen", notiert der Autor. Insgesamt wurden 500 Schießbücher ausgegeben - mit "beachtlichen Leistungen". Neu war 1966 indes, dass die Schützen deutlich weniger Helfer an den Schießständen einsetzten ("Einschließlich Aufsicht nur noch etwa 50 Personen"). Der Grund: "Man bemüht sich dadurch, die Unkosten so niedrig wie möglich zu halten, um den Erlös für die Schützen auf den Scheiben zu höhen."

4. Juli: 96 verliert Finale der Amateurmeisterschaft
"Zwei gegen einen - aber die beiden 96er Stiller und Irtel hatten gegen den resolut dazwischenschlagenden Bremer Halbrechten Ey das Nachsehen."

"Zwei gegen einen - aber die beiden 96er Stiller und Irtel hatten gegen den resolut dazwischenschlagenden Bremer Halbrechten Ey das Nachsehen."

Quelle: HAZ

Was hat Hannover 96 mit Eintracht Trier gemein? Beide Vereine gewannen zweimal hintereinander die Deutsche Fußball-Amateurmeisterschaft. Nach den beiden Triumphen hätten die "Roten" 1966 sogar den dritten Erfolg in Folge perfekt machen können (was später nur noch dem SC Jülich 1910 gelang). Doch im Finale gab es eine herbe Niederlage gegen den Nordrivalen aus Bremen. "Sechs Tore fielen, aber nur eins für Hannover 96", war im Sportteil der HAZ zu lesen. 

Bereits 1960 hatten die 96-Amateure die Meisterschaft gewonnen, und die zweite Mannschaft der "Roten" setzte die Erfolgsgeschichte just in dem Jahr (1964) fort, in dem die Profi-Mannschaft erstmals in der Bundesliga startete. Doch nach den Siegen 1964 und 1965 folgte im Juli 1966 die Ernüchterung: Mit dem 5:1 für den SV Werder Bremen platzte der Traum der favorisierten 96er. 

"Am Ball blieb fast immer Bremens Mittelstürmer und dreifacher Torschütze Baumann, dem Hannovers Mannschaftsführer und Nationalspieler Baldauf nur selten das Leder abjagen konnte."

Quelle: Repro

Das Spiel war eine klare Angelegenheit, denn "die jungen Amateure von Werder zeigten keine Scheu vor dem großen Gegner". Bereits nach 26 Minuten stand es 0:3. Zwar gelang dem 96er Karl-Heinz Esch in der 39. Minute das 1:3. "Trotz guter Ratschläge zur Pause änderte sich das Bild im zweiten Durchgang nicht", bemerkte der HAZ-Autor. "Die 96er kämpften tapfer bis zum Schlusspfiff, jederzeit um eine Verbesserung des Resultats bemüht." Allein: Es fielen nur noch Tore für Werder. 

"Aber", so war in der HAZ zu lesen, "die Hannoveraner sollten den Kopf nicht hängen lassen". Schließlich sei 96 von Verletzungen gebeutelt gewesen. "Zählt eine Vizemeisterschaft etwa nicht?", fragte die HAZ - und gab gleich die Antwort: "Hannover Fußballgemeinschaft kann stolz auf die 'Truppe' sein". 

4. Juli: Zehn Schwerverletzte bei Unfall 

Wer in alten Ausgaben der HAZ blättert, dem fällt auf: Es gab früher deutlich mehr schwere Unfälle als heute. Wenn es krachte, dann blieb es nicht nur bei Blechschäden, meist waren auch Verletzte und Tote zu beklagen (was auch ein Blick in die Unfallstatistiken zeigt). Am 4. Juli war in der HAZ die Meldung zu einem Unfall zu lesen, bei dem gleich zehn Menschen schwer verletzt worden waren. Drei Autos waren auf der B 3 bei Altwarmbüchen kollidiert.

6. Juli: Und jetzt das Wetter

Auch vor 50 Jahren war das Wetter bereits ein spaltenfüllendes Thema. Und genau wie heute, wo über den nassesten Juni seit Jahrzehnten debattiert wird, unterbreitete die HAZ am 6. Juli ihren Lesern auf fast einer Seite einen Rückblick auf das Wetter der vergangenen Wochen. Und eine Antwort auf die Frage, wann den nun wirklich Siebenschläfertag ist (eigentlich der 7. Juli, wegen der gregorianischen Kalenderreform 1582 fällt der Lostag der Bauernregel mittlerweile auf den 27. Juni). Das Fazit des Autors könnte übrigens auch aus heutiger Zeit stammen. Den Hannoveranern stehe aller Voraussicht nach ein "für Mitteleuropa 'gewöhnlicher' Hochsommer" bevor. Dieser sei "zwar abwechslungsreich, jedoch nicht etwa ganz verregnet".

5. Juli: Hannover feiert den Schützenausmarsch
Teilnehmerinnen des Schützenausmarschs in "biedermeierlichen Chasseur-Uniformen".

Teilnehmerinnen des Schützenausmarschs in "biedermeierlichen Chasseur-Uniformen".

Quelle: Hauschild

Schützenausmarsch ist in Hannover seit jeher an einem Sonntag? Weit gefehlt. Vor 50 Jahren marschierten die Schützen immer montags los - und zwar pünktlich um 8 Uhr. Was bei dem heutigen Leser natürlich die Frage aufkommen lässt, wie es die damals Zehntausenden Zuschauer und Tausende Teilnehmern an einem regulären Arbeitstag an die Strecke des Schützenausmarschs geschafft haben, ohne Ärger vom Chef zu bekommen. Darüber verrät die HAZ vom 5. Juli freilich nichts. Dafür aber, dass die Hannoveraner auch an diesem Tage früh auf den Beinen waren: "Wer sich erst um sechs Uhr aus dem Bette schwingt, um für den Ausmarsch einen guten Platz am Wege des Zuges zu ergattern, der ist ein ausgesprochener Spätaufsteher." Aha! 

Weitere Bilder vom Schützenausmarsch gibt es in unserer kleinen Bildergalerie. 

Bilder vom Schützenausmarsch 1966 in Hannover.

Zur Bildergalerie
5. Juli: Schlüpfriges im Lokalteil

Von einer "unfreiwilligen Preiserhöhung" eines Schäferstündchens wusste die HAZ am 5. Juli 1966 zu berichten. Die Meldung spricht für sich selbst ...

6. Juli: Den Vinnhorstern stinkt es

Manch' kleine Meldung in der HAZ, die auf den ersten Blick lediglich zum Schmunzeln anregt, entpuppt sich beim Lesen als kleine Lektion in der Stadtgeschichte. Im Text vom 6. Juli geht es vordergründig natürlich um den Gestank von Industrieabgasen, die "die Geruchsnerven der Vinnhorster strapazieren". Den heutigen Leser erinnert er jedoch daran, dass Hannover - so, wie wir es kennen - vor 50 Jahren noch gar nicht bestand. Mit dem Gestank beschäftigt sich nämlich die Vinnhorster Gemeindeverwaltung, schließlich war der heutige Stadtteil Hannovers seit 1903 eine eigenständige Gemeinde. Erst mit der niedersächsischen Gebietsreform im Jahr 1974 wurde Vinnhorst Teil der Landeshauptstadt. 

6. Juli: Ohne Brille Auto gefahren - Gefängnis

War "Richter Gnadenlos" vor 50 Jahren in Hannover aktiv? Wer die Überschrift vom 6. Juli 1966 in der HAZ liest, dürfte unweigerlich auf diesen Gedanken kommen. Schließlich musste ein 23-Jähriger für zwei Wochen ins Gefängnis, weil er ohne Brille Auto fuhr. Der Autor weist die Leser allerdings daraufhin, dass Autofahren ohne Brille dem Fahren ohne Führerschein gleichkommt – sofern man Träger einer Sehhilfe ist. Zudem verursachte der junge Mann einen Unfall, als er gänzlich unbebrillt hinterm Lenkrad saß. Wie viele Dioptrien der 23-Jährige hatte wird im Text jedoch nicht genannt. 

7. Juli: Hier können Sie baden!

Der Sommer (oder einer, der es noch werden will) beschäftigte auch vor 50 Jahren die Hannoveraner - und die Redakteure der HAZ. In Zeiten ohne Internet konnte man natürlich schlecht einen Link in der Zeitung abdrucken, der auf die Übersichtsseite mit den Bademöglichkeiten in der Region verweist. Was tun? Die HAZ druckte eine großformatige Karte ab mit Freibädern und Badesseen ab. 

8. Juli:.  "Fußgänger-Schikanen" für die Sicherheit
Die Gitter - damals noch "Fußgänger-Schikane" genannt - an der Seydlitzstraße.

Die Gitter - damals noch "Fußgänger-Schikane" genannt - an der Seydlitzstraße.

Quelle: Hauschild

Gitter an Bahnübergängen gehören zu Hannovers Stadtbild - doch vor 50 Jahren waren sie ein Novum. Die erste "Fußgänger-Schikane", wie man die Bauten damals nannte, war am 8. Juli 1966 der HAZ einen großen Bericht wert. Der Grund: Mit dem Gitter wurde ein langer Streit um den Stadtbahnübergang an der Seydlitzstraße (Vahrenwald) beigelegt. Dort war es im Jahr zuvor zu einem tödlichen Unfall gekommen, worauf das Verkehrsministerium den Überweg gesperrt hatte. Skeptischen Lesern wird erklärt, dass die Gitter die Fußgänger nicht schikanieren, sondern deren Sicherheit dienen sollen. "Beim Passieren der Gitter soll lediglich ihre Aufmerksamkeit auf den Straßenverkehr gerichtet werden." Zusätzlich wurde eine Ampel an der betreffenden Stelle aufgestellt, die auf Rot springt, "sobald ein Straßenbahnzug naht. Die Ampelkontakte werden durch die Züge selber ausgelöst." Besonders erwähnenswert fand der Autor, dass man in der Verwaltung auch an Mütter mit Kindern gedacht hatte. "Der Durchgang der Gitter hat eine Breite von 70 Zentimetern, so daß der Übergang auch mit Kinderwagen benutzt werden kann." 

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Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

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