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"Liebe Post: Ich fahre in Urlaub"

HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren" "Liebe Post: Ich fahre in Urlaub"

Ärger um Üstra-Automaten, royaler Besuch in Hannover, ein Brand bei der Deutschen Bank und Schlüpfriges aus den Nachtlokalen: Für unsere Serie "Hannover vor 50 Jahren" haben wir Geschichten aus dem Archiv geholt, die HAZ-Leser vom 11. bis zum 17. Juli 1966 beschäftigt haben.

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Quelle: Hauschild/Montage
11. Juli: Royaler Besuch in Hannover
Die schwedische Prinzessin Christina im Rathaus, wo sie sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug.

Die schwedische Prinzessin Christina im Rathaus, wo sie sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug.

Quelle: Hauschild

Die HAZ schreibt sich seit jeher auf die Fahnen, tiefgründig zu berichten. Das ist heute so, und galt auch schon vor 50 Jahren. Dennoch waren in der Ausgabe vom 11. Juli 1966 auch eher, nun ja – oberflächliche Betrachtungen zu lesen. Der Grund: Die schwedische Prinzessin Christina weilte zwei Tage in Hannover. Anlass der Visite war ein Gastspiel des (damals) 200 Jahre alten Schlosstheaters Drottningholm im Herrenhäuser Galeriegebäude. Da sich die Deutschen in Ermangelung eigener Royals schon immer für den Hochadel anderer Länder interessierten, wusste der HAZ-Autor denn auch ausgiebigst über Befindlichkeit und optisches Auftreten der Prinzessin zu berichten.

"Da saß sie nun, die Prinzessin, und konnte einem ein wenig leid tun. Angetan mit einem leichten erdbeerfarbenen Sommerkostüm, nett anzuschauen mit ihrem kurzgeschnittenen blonden Haar und einer ungewöhnlich großen, aber dennoch kleidsamen Hornbrille harrte sie der Fragen der wißbegierigen Journalisten." Bei dem Presseempfang, wie man damals Pressekonferenzen noch nannte, musste die Prinzessin nicht nur Fragen zu ihrem verstauchten Fuß (beim Skifahren zugezogen), zu ihrer Reise nach Hannover (an der Grenze müssen auch Prinzessinnen ihren Pass vorzeigen), zu ihrem Leben in Schweden (die Hofdame gibt's nur auf Reisen) beantworten. Die HAZ wusste auch zu berichten, dass Christina beim festlichen Empfang in Herrenhausen etwas Grünes trug - genauer gesagt ein "hellgrünes Duchessekleid mit weißer Stola". 

Ein Handkuss für Prinzessin Christina.

Ein Handkuss für Prinzessin Christina. 

Quelle: Hauschild

Ansonsten verlief der Besuch angemessen würdevoll, aber abseits der geplanten Pflichttermine  – Festessen in Herrenhausen, Eintrag ins Goldene Buch, Empfang durch den schwedischen Generalkonsul (mit Handkuss!) und Ausstellungsbesuch im Künstlerhaus – ohne jedweden Zwischenfall. "Nach einem Essen, das die Landesregierung im Hotel Hannover Intercontinental gab, fuhr die Prinzessin im Auto nach Hamburg." Von dort ging es per Flugzeug zurück nach Schweden. 

12. Juli: "Strip in herkömmlicher Form"

Da sage noch einer, früher sei alles viel prüder zugegangen. In der beliebten HAZ-Rubrik "Aus den Nachtlokalen" wurde 1966 mitunter freizügig berichtet. Am 12. Juli ging es sogar ein wenig obszön zu – aber lesen Sie doch lieber selbst!

12. Juli: Kellerbrand bei der Deutschen Bank
Feuerwehreinsatz vor der Filiale der Deutschen Bank.

Feuerwehreinsatz vor der Filiale der Deutschen Bank.

Quelle: Hausschild

"Geld war nicht in Gefahr" - diese Zeile war am 12. Juli 1966 im Lokalteil der HAZ zu lesen. Der Hintergrund: In der Filiale der Deutschen Bank am Georgsplatz war im Keller ein Feuer ausgebrochen, als dort Monteure an der Ölheizung arbeiteten. Der Feuerwehr gelang es unter Einsatz "verschiedener Spezialfahrzeuge", den Brand zu löschen.

Die Spareinlagen der Hannoveraner waren zum Glück nicht in Gefahr - die lagerten gut gesichert in den Tresorkammern. Wer übrigens dachte, bei den Bankmitarbeitern sei angesichts des Brandes Aufregung ausgebrochen, der irrt. "In der Pförtnerloge stand seelenruhig ein Angestellter und wickelte Telefongespräche ab, während an ihm vorbei Löschgeräte in den Keller gebracht wurden", war in der HAZ zu lesen.

Hauptgebäude der Deutschen Bank am Georgsplatz - aufgenommen in den 1970er Jahren.

Hauptgebäude der Deutschen Bank am Georgsplatz - aufgenommen in den 1970er Jahren.

Quelle: Viola Hauschild
14. Juli: Einwohnerzahl weiter rückläufig
Kreuzung an der Bahnhofstraße / Ecke Rathenaustraße.

Hannovers Einwohnerzahl steigt seit vielen Jahren an: Rund 537.000 Menschen ( Stand Ende 2015) leben derzeit in der Stadt. Das sind allerdings noch immer deutlich weniger als vor 50 Jahren. 1966 zählten die Statistiker nämlich exakt 551.682 Einwohner. "Nur" – wie die HAZ am 14. Juli berichtete, denn die Bevölkerungsentwicklung Hannovers war seit Beginn der 60er Jahre rückläufig. Nach dem Höchststand von rund 574.000 Einwohnern in den Jahren 1961/62 sank die Zahl binnen vier Jahren um mehr als 20.000. 

Gestoppt wurde die Entwicklung vorübergehend im Jahr 1974, als durch die niedersächsische Gebietsreform Hannover auf einen Schlag fast 60.000 mehr Einwohner hatte. Doch auch dies konnte den Trend nur für ein Jahr unterbrechen: Von 1975 sank die Zahl weiter bis auf unter 500.000 im Jahr 1988. Erst seitdem geht es wieder aufwärts. 

14. Juli: "Frau Ministerpräsident ..."

Dieses Foto war am 14. Juli 1966 auf der Titelseite der HAZ zu sehen. Der Staatsbesuch spielte sich zwar nicht in Hannover, sondern in Moskau ab - dennoch möchten wir das Bild nicht vorenthalten: wegen der Bildunterschrift. Denn in den 60ern war ein Ministerpräsident immer männlich, auch wenn er eine Frau war.

Original-Bildunterschrift: "Beim Besuch des Lenin-Mausoleums hat der indische Ministerpräsident, Frau Ghandi, am Mittwoch einen in Moskau einen Kranz niedergelegt. Anschließend traf Frau Ghandi im Kreml mit dem sowjetischen Ministerpräsidenten Kossygin zu Besprechungen zusammen, in deren Mittelpunkt der Krieg in Vietnam stand."

Quelle: HAZ-Archiv/upi/Repro
15. Juli 1966: Ärger um Barackensiedlung
Diese Barackensiedlung im Letter-Holz war Stein des Anstoßes.

Diese Barackensiedlung im Letter-Holz war Stein des Anstoßes.

Quelle: Repro

"Die Gemeindeverwaltung von Letter will jetzt mit allen Mitteln einen Dorn entfernen, der gewissermaßen nicht nur in ihrem Auge sitzt", war am 15. Juli 1966 in der HAZ zu lesen. Beim "störenden Fleck", von dem die Rede ist, handelt es sich um eine Baracken-Siedlung im Letter-Holz. Diese war, obwohl sie "an die ersten Nachkriegsverhältnisse erinnert", erst im Jahr 1959 entstanden. Sie stand den Plänen der damals noch eigenständigen Gemeinde im Weg, das Waldstück zum Naherholungsgebiet zu machen.

Lange Zeit ließ man die Siedlung ungehindert wachsen. So wusste nicht einmal die Verwaltung, wie viele Menschen in den Baracken überhaupt lebten. "Es sollen 40 bis 50 sein, darunter eine ganze Anzahl Ausländer, die seit 1959 [...] mit Genehmigung des Besitzers ihre Zelte aufschlugen", heißt es in der HAZ. In der Siedlung gab es zwar Storm, aber kein fließendes Wasser. Die Gemeinde schlug deshalb vor, die Siedlung aufzulösen und die (deutschen) Bewohner in Obdachlosenheimen unterzubringen.

15. Juli 1966: Die "stummen Schaffner" wollen nicht so richtig

In Eile zur Stadtbahn-Haltestelle, fix ein Ticket kaufen wollen – und dann muckt der Fahrkartenautomat. Dieses Ärgernis gab es in Hannover bereits vor 50 Jahren. Allerdings war es damals noch ein neues Phänomen, denn die Automaten waren noch nicht lange in Gebrauch. Und wie es bei vielen technischen Innovationen so ist, hatten auch die als "stumme Schaffner" bezeichneten Geräte im Jahr 1966 noch so ihre Kinderkrankenheiten, wie die HAZ zu berichten wusste. Sie erweisen sich "nicht gerade als Verkaufskanonen", umschrieb die Zeitung den Ärger mit den Automaten. Aber, so war zu lesen: Auch andere Großstädte plagten sich mit demselben Problem herum. Welche beruhigendes Wissen für verärgerte Üstra-Kunden ...

16. Juli 1966: "Liebe Post: Ich fahre in Urlaub"

Früher gab es bei der Post noch einen Posthauptschaffner. In Hannover trug einer dieser Postbeamten den Namen Georg Werner. Und eben dieser Beamte war für die Hannoveraner in der Ferienzeit der wohl wichtigste Postler überhaupt - sofern man denn in den Urlaub fuhr. Über den Schreibtisch von Herrn Werner liefen nämlich die "Nachsendungsanträge" - also jenes Formular, mit dem man sich die Post an den Urlaubsort nachschicken lassen konnte. Fünfhundert Anträge musste Werner mitunter pro Tag bearbeiten, war in der HAZ zu lesen. Mitte Juli hatte er bereits den 20000. Antrag des Jahres in den Händen gehabt. Anders als heute war alles noch Handarbeit: "Prüfung, Übertragung der Angaben auf einen großen Bogen, Vervielfältigung und Verteilung an die Stellen für Brief-, Paket-, Geld- und Telegrammzustellung, wie es vom Antragssteller gewünscht war." Ob die Briefe auch alle ankamen, war der HAZ leider nicht zu entnehmen.

Hier finde Sie alle Folgen der HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren".

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